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Die Rettung der Alitalia wird zur Farce

Zwei Jahre unter staatlicher Zwangsverwaltung, bleibt die Zukunft der maroden Alitalia weiterhin ungewiss. Als weisser Ritter für das fliegende Milliardengrab hat sich der schillernde Präsident des Römer Fussballvereins SS Lazio, Claudio Lotito, empfohlen.
Dominik Straub, Rom
Die Alitalia kämpft ums Überleben. (Bild: linio Lepri/Keystone)

Die Alitalia kämpft ums Überleben. (Bild: linio Lepri/Keystone)

Heute läuft die Frist ab, in der etwaige Käufer für die Alitalia ein verbindliches Übernahmeangebot hätten einreichen können. Die Deadline war bereits dreimal verlängert worden und es ist davon auszugehen, dass sie auch noch ein viertes Mal hinausgeschoben wird. Denn das ­Interesse der Investoren an der Fluglinie in den italienischen Nationalfarben ist – freundlich ausgedrückt – überschaubar.

Die Alitalia steht seit Mai 2017, als ein heimisches Unternehmerkonsortium und die arabische Airline Etihad mit einem Reanimationsversuch für den ehemaligen Staatsflieger gescheitert waren, unter der Verwaltung von drei von der Regierung eingesetzten Sonderkommissaren. In der Luft hält sie sich dank zweier Überbrückungskredite der Regierung in der Höhe von 600 und 300 Millionen Euro, von denen die Hälfte aufgebraucht ist. Auch der Rückzahlungstermin für den Kredit ist schon mehrfach verschoben worden.

Halbe Million Euro Verlust pro Tag

Angesichts des Ausbleibens konkreter Offerten hatte die Regierung im vergangenen November zu einer Massnahme gegriffen, die zunächst nach einem schlechten Witz klang, aber sehr wohl ernst gemeint war: Auf sanften Druck aus Rom kündigten die Staatsbahnen (Ferrovie della Stato) an, sich mit 30 Prozent an Alitalia zu beteiligen. Die US-Airline Delta erwägt, mit 15 Prozent mitzuziehen, und der italienische Staat würde seinen Überbrückungskredit teilweise in Aktienkapital umwandeln und käme so ebenfalls auf 15 Prozent des Aktienkapitals. Es fehlt nur noch ein Hauptaktionär für die restlichen 40 Prozent.

Ein solcher erschien diese Woche in der Gestalt von Claudio Lotito, dem Präsidenten des Römer Fussballvereins SS Lazio. Der aus den Abruzzen stammende Reinigungsunternehmer, der mit seinen Putzkolonnen zum Millionär geworden ist, hat am Mittwoch bestätigt, für Alitalia ein Übernahmeangebot eingereicht zu haben. Lotito ist in Rom bekannt wie ein bunter Hund, war schon in diverse Fussballskandale verwickelt und ist im Zusammenhang mit antisemitischen Parolen rechtsradikaler Lazio-Ultras auch schon in sehr unschöne Fettnäpfchen getreten. Woher er die mehreren hundert Millionen Euro nehmen will, die er in die Alitalia stecken müsste, hat der als überaus sparsam bekannte Lotito ­bisher nicht verraten. Die Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore» hat darauf hingewiesen, dass die Lazio-Spieler zum Teil bis zu drei Monate auf ihre Gehälter warten müssen; ausserdem ist Lotitos Verein noch bis ins Jahr 2028 ­damit beschäftigt, eine happige Steuerschuld abzustottern. Der frühere Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Carlo Calenda, hat die Alitalia-Pläne des Lazio-Bosses denn auch umgehend als «lächerlich» bezeichnet.

Die Rettung der Alitalia droht allmählich zur Farce zu werden – und zu einer Belastung für die Regierung in Rom, insbesondere für den ratlos wirkenden Vizepremier und Minister für wirtschaftliche Entwicklung, Luigi Di Maio von den Fünf Sternen. Bei der Alitalia stehen immerhin 11000 Arbeitsplätze auf dem Spiel. Di Maio hat den Beschäftigten versprochen, dass bei der Sanierung der Fluggesellschaft sämtliche Jobs erhalten blieben – obwohl ­ die fliegende Geldvernichtungsmaschine täglich eine halbe Million Euro verliert.

Die Jobgarantie und die sich abzeichnende staatliche Beteiligung und damit Einmischung sind aber letztlich die zentralen Gründe, welche die deutsche Lufthansa und andere eventuelle Käufer ­abschrecken. Und so trudelt die Alitalia, mehr als zwei Jahre nach der letzten Pleite, in Gesellschaft von immer groteskeren weissen Rittern, unaufhaltsam dem definitiven Grounding entgegen.

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