Pharma
Wegen billiger Nachahmerprodukte: Die Roche-Maschine stockt

Das Pharmageschäft wird von sogenannten Biosimilars stark angegriffen. Gleichzeitig gelingt es dem Basler Konzern nicht mehr so leicht, mit neueren Medikamenten zu wachsen.

Roman Schenkel
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Die Pharmaproduktion von Roche in Penzberg, rund 50 Kilometer von München entfernt.

Die Pharmaproduktion von Roche in Penzberg, rund 50 Kilometer von München entfernt.

Bild: Jan Greune

1,5 Milliarden Franken im Jahr 2019, 5,8 Milliarden Franken 2020, und dieses Jahr kommen noch einmal Umsatzeinbussen von geschätzten 4,6 Milliarden Franken hinzu. Das Pharmageschäft von Roche, in der Vergangenheit der verlässliche Wachstumstreiber, ist etwas ins Stocken geraten. Seit die Patente auf den Blockbustern Herceptin, Rituxan und Avastin abgelaufen sind, hat die Konkurrenz mit biotechnologisch hergestellten Nachahmerprodukten – sogenannten Biosimilars – ein ziemlich grosses Stück des Umsatzkuchens des Basler Pharmaunternehmens ergattert.

Im ersten Quartal bezifferte der Chef der Pharmasparte, Bill Andersen, den «Biosimilars-Effekt» an einer Videokonferenz auf 1,6 Milliarden Franken. Immerhin geht er davon aus, dass dies der Höhepunkt gewesen sein dürfte. «Der negative Effekt wird nun von Quartal zu Quartal abnehmen», prognostizierte er. Zu den Biosimilars kam der Vergleich mit einem sehr starken Vorjahresquartal hinzu, und als Folge der Pandemie ist nach wie vor ein Rückgang der Arztbesuche und von in Krankenhäusern verabreichten Medikamenten zu beobachten. So ging unter dem Strich der Umsatz in der Pharmasparte mit zweistelligen Prozentraten zurück, im weltgrössten Markt USA gar um einen Fünftel.

Umwälzung im Medikamentenportfolio

Das Management um CEO Severin Schwan zeigte sich dennoch optimistisch, die Umsatzerosion durch die Konkurrenz billigerer Nachahmerprodukte mit neuen Medikamenten wettzumachen. Das ist Roche in der Vergangenheit immer wieder gelungen. Schwan betonte, dass die 15 seit 2012 lancierten Medikamente inzwischen rund 50 Prozent des Umsatzes ausmachten. So findet derzeit im Portfolio von Roche eine ziemliche Umwälzung statt. Neu ist das Medikament Ocrevus gegen Multiple Sklerose das umsatzstärkste Medikament. Die Krebsmedikamente Herceptin, Rituxan und Avastin, die viele Jahre lang dominierten und noch 2019 fast 20 Milliarden Franken in die Kasse spülten, sind nur noch die Nummern drei, sechs und sieben.

Der Umsatz von Avastin sank im Berichtsquartal um 42 Prozent auf 863 Millionen Franken, während der Umsatz von Herceptin im Jahresvergleich um 37 Prozent auf 755 Millionen Franken zurückging. Der Umsatz von Rituxan fiel um fast die Hälfte auf 705 Millionen Franken.

Gleichzeitig beschleunigt die Biosimilars-Industrie. Die Zahl der jährlich auf den Markt kommenden Nachahmerprodukte steigt stetig an. Zudem sind Produkte nach Ablauf des zehnjährigen Patentschutzes schneller auf dem Markt. Roche ist deshalb bemüht, die Lebensdauer seiner Medikamente möglichst weit auszudehnen. Das geschieht einerseits, indem die Medikamente auf weitere Indikationen ausgeweitet werden. Das zuerst für Blasenkrebs zugelassene Medikament Tecentriq beispielsweise wird inzwischen auch für bestimmte Formen von Lungen-, Brust- und Leberkrebs angewendet. So konnten höhere Verkaufszahlen erreicht werden.

Andererseits werden Medikamente miteinander kombiniert. Das Brustkrebsmedikament Herceptin etwa, dessen Patentschutz bereits abgelaufen ist, wird mit dem Medikament Perjeta für die Behandlung kombiniert. Auch so können die Verkäufe angekurbelt werden.

Grosses Sparpotenzial für Gesundheitswesen

Auch wenn der Druck auf die Umsätze von Roche durch die Biosimilars kurzfristig zurückgehen wird, verschwinden wird er nicht. In den nächsten Jahren wird der Patentschutz weiterer Medikamenten ablaufen. Zudem wird die Entwicklung von Nachahmerprodukten von der Politik genau beobachtet. 2020 seien rund 75 Prozent des Kostenanstiegs in der obligatorischen Krankenpflegeversicherung auf Behandlungen von Krebs- und Autoimmunerkrankungen zurückzuführen, rechnete vor kurzem etwa der Krankenkassenverband Curafutura vor. Wenn statt der teureren Originalpräparate konsequent Biosimilars eingesetzt würden, könnten in der Schweiz jährlich 100 Millionen Franken gespart werden, so Curafutura.

Die Coronatests als Milliardengeschäft

Die Diagnostiksparte von Roche konnte ihre Umsätze im ersten Quartal auf 4,3 Milliarden Franken (Vorjahr: 2,9 Milliarden Franken) steigern. Dies ist auf das umfangreiche Angebot an Coronatests zurückzuführen. Roche hat inzwischen 18 verschiedene diagnostische Lösungen für das Aufspüren von Covid-19 auf den Markt gebracht. Der Umsatzsprung hat die hohen Erwartungen vieler Analytiker noch übertroffen. «Die Nachfrage nach unseren kürzlich eingeführten diagnostischen Tests und Medikamenten ist nach wie vor hoch», sagte CEO Severin Schwan an der gestrigen Videokonferenz. Er rechnet damit, dass diese Nachfrage auch im zweiten und dritten Quartal hoch bleiben wird. Mit den zunehmenden Impfungen dürfte die Nachfrage dann im weiteren Verlauf aber «hoffentlich» abnehmen, sagte Schwan. Er betonte auch, dass die Diagnostiksparte nicht nur wegen Corona gut gelaufen sei. 18 Prozent des Umsatzwachstums seien auf das «Routinegeschäft» zurückzuführen. (rom)

Die Tests als Milliardengeschäft

Dank der Covid-19-Tests steigerte die Diagnostiksparte ihre Umsätze um stolze 55 Prozent.

Die Diagnostiksparte konnte ihre Umsätze im ersten Quartal auf 4,3 Milliarden Franken (Vorjahr: 2,9 Milliarden Franken) steigern. Dies ist auf das umfangreiche Angebot an Coronatests zurückzuführen. Roche hat inzwischen 18 verschiedene diagnostische Lösungen für das Aufspüren von Covid-19 auf den Markt gebracht. Der Umsatzsprung hat die hohen Erwartungen vieler Analytiker noch übertroffen. «Die Nachfrage nach unseren kürzlich eingeführten diagnostischen Tests und Medikamenten ist nach wie vor hoch», sagte CEO Severin Schwan an der gestrigen Videokonferenz. Er rechnet damit, dass diese Nachfrage auch im zweiten und dritten Quartal hoch bleiben wird. Mit den zunehmenden Impfungen dürfte die Nachfrage dann im weiteren Verlauf aber «hoffentlich» abnehmen, sagte Schwan. Er betonte auch, dass die Diagnostiksparte nicht nur wegen Corona gut gelaufen sei. 18 Prozent des Umsatzwachstums seien auf das «Routinegeschäft» zurückzuführen. (rom)