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«Die Rübe leidet»

Mit einer Anhebung des Rübenpreises sollen Landwirte motiviert werden, mehr Zuckerrüben in der Schweiz anzubauen. Der Chef der Schweizer Zucker AG (SZU), Guido Stäger, fordert einen besseren Grenzschutz für den Schweizer Zucker.
Interview: Stefan Borkert
Zuckerrübenernte bei Wellhausen im Thurgau. Der Rübenanbau soll für die Bauern attraktiver werden. (Bild: Reto Martin)

Zuckerrübenernte bei Wellhausen im Thurgau. Der Rübenanbau soll für die Bauern attraktiver werden. (Bild: Reto Martin)

Guido Stäger, die Preise für Zucker auf dem Weltmarkt sind gelinde gesagt tief. Wie lange kann der Schweizer Zucker dem noch standhalten?

Wir leiden stark unter den Billigimporten. Wir arbeiten an der politischen Front für mehr Grenzschutz und wir steigern die Effizienz in der ganzen Wertschöpfungskette, um die Herstellungskosten von Schweizer Zucker weiter zu senken.

Wo kommt die Überproduktion auf dem Weltmarkt eigentlich her?

Ein Teil kommt vom Zuckerrohr. Hohe Erträge gibt es in Thailand und Indien. Der andere Teil entsteht durch die Ausweitung der Anbauflächen in der EU. In der EU werden nun vier Millionen Tonnen mehr Zucker produziert.

Und wann rechnen Sie mit Einfuhrbeschränkungen, die den Schweizer Zucker schützen?

Die parlamentarische Initiative Bourgeois wurde in den Kommissionen der beiden Räte gutgeheissen. Jetzt geht es darum, einen Umsetzungsvorschlag zu erarbeiten, der einerseits einen minimalen Rübenpreis für die Pflanzer sichert. Andererseits soll der Grenzschutz für die Industrie mittelfristig einen nahe am EU-Preis liegenden Zuckerpreis ermöglichen. Die EU-Zuckerpreise liegen bei umgerechnet 40 bis 45 Rappen je Kilo. Wir brauchen in der Schweiz aber 55 bis 60 Rp/kg, damit wir für die Landwirte kostendeckende Rübenpreise bezahlen können.

Kritiker monieren, dass freier Handel anders aussieht. Warum muss ausgerechnet der Schweizer Zucker geschützt werden?

Der Schweizer Zucker ist der am wenigsten geschützte Schweizer Rohstoff für die Lebensmittelindustrie. Wir haben seit zehn Jahren mehr oder weniger EU-Zuckerpreise. Die Rübe leidet ja gerade, weil die anderen Ackerfrüchte besser geschützt sind. Wir verlangen einen sehr moderaten Grenzschutz, bis die EU ihre Marktbereinigung gemacht hat. Die EU produziert über den Selbstbedarf hinaus und betreibt eine aggressive Exportpolitik mit Zucker. Wir haben einen Selbstversorgungsgrad von zwei Dritteln und wollen diesen erhalten.

Für Landwirte ist der Rübenanbau anscheinend weniger attraktiv, weshalb nun die Tonne Zuckerrüben über dem Richtpreis liegt. Ist das nicht zu wenig?

Nein. Das ist im heutigen Umfeld ausgezeichnet. Der Richtpreis ist nicht selbstverständlich. Jetzt zahlen wir deutlich mehr, um auch ein Zeichen für eine bessere Anbaubereitschaft zu setzen. Unser Problem ist aber, dass der Rübenpreis mit dem gefallenen Zuckerpreis sinken musste. Die anderen Ackerfrüchte und das Gemüse haben einen viel besseren Importschutz, und sie haben damit ihr Preisniveau gehalten.

Sie sagen, die Mindestanbaufläche für Zuckerrüben liegt in der Schweiz bei 19000 Hektaren. Was wäre Ihre Wunschgrösse?

Je nach Erträgen, die aktuelle Trockenheit hilft dabei leider nicht, brauchen wir 20000 bis 22000 Hektaren, um den Schweizer Markt mit genügend Zucker zu versorgen und um unsere Zuckerfabriken in Frauenfeld und Aarberg gut auszulasten.

Seit Jahren wird das Potenzial im Biozucker nicht ausgeschöpft. Das wäre doch ein Zukunftsmarkt?

Wir sind sehr erfolgreich im Biomarkt unterwegs. Die Rüben kommen zum grössten Teil aus Deutschland. Bio ist sehr arbeitsintensiv und die Schweizer Löhne sind höher als im Ausland. Da muss eine verbesserte Anbautechnik, etwa Roboter zum Hacken und Jäten, helfen. Oder der Schweizer Konsument ist bereit, für den Schweizer Biozucker noch mehr zu bezahlen.

Die Anbaufläche von Biorüben in der Schweiz konnte auf 60 Hektaren vergrössert und damit verdreifacht werden. Geht die Entwicklung so weiter?

Ja, das ist die Anbaufläche von diesem Jahr. Die Anbaufläche für 2019 wird im August dieses Jahres über die neuen Anbauverträge definiert. Der Biorübenanbau ist ziemlich anspruchsvoll. Das geht für den Pflanzer nicht von einem Jahr auf das andere. Für den Biolandbau braucht es eine Übergangsfrist für Umstellung auf den Biobetrieb. Die Zeichen hier stehen aber gut. Wir rechnen mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Anbaufläche für Biorüben für nächstes Jahr.

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