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Die Schweiz erwirtschaftet Überschüsse und schafft Jobs

Rainer Rickenbach

Wirtschaft Waren und Dienstleistungen im Wert von 210,7 Milliarden Franken exportierte die Schweiz 2016. Die Handelsbilanz lässt sich sehen: Die Schweizer Firmen führten für 37,5 Milliarden Franken mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland aus, als in das Land eingeführt wurden. «Damit erreichte der Handelsüberschuss einen neuen Rekord», stellte die Eidgenössische Zollverwaltung im Januar fest. Gemessen am Bruttoinlandprodukt betrug 2015 der Handelsüberschuss stolze 62,9 Prozent.

Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Anteil mit 46,8 Prozent deutlich tiefer (siehe Grafik). Die Schweiz verdient mehr als jeden zweiten Franken mit Exporten. Trotz des hohen Handelsüberschusses stand die Schweiz aber anders als Deutschland in Washington und Brüssel bisher nicht am Pranger. Ursache dürften ein paar Eigenheiten der helvetischen Exportwirtschaft sein. So bläht zum Beispiel der stark von Zug und Genf aus dirigierte globale Rohstoffhandel den Überschuss in der Leistungsbilanz auf. Dieser Warenfluss wird aber nur von der Schweiz aus gesteuert. Es handelt sich auch nicht um Produkte, mit denen die Rohstoffhändler Industrien in den Exportländern in Bedrängnis bringen.

Vor allem aber schaffen hiesige Unternehmen zahlreiche Arbeitsplätze im Ausland. In der EU ist die Schweiz der sechstwichtigste Investor, allein 2016 schufen ihre Firmen gemäss dem Beratungsunternehmen EY mehr als 7200 Arbeitsplätze. Die EU profitiert von den Nöten, die der starke Franken für die Schweizer Industrie mit sich bringt und sie Jobs ins Ausland verlagern lässt. Umgekehrt passiert weniger: 2016 haben Betriebe aus EU-Ländern 3416 Stellen in der Schweiz geschaffen. Das sind etwa gleich viele wie in Österreich.

Schweizer Firmen: 461900 Arbeitsplätze in den USA

Noch krasser fällt der Arbeitsplatzvergleich mit den USA aus. Die Handelskammer Schweiz-USA beziffert die Zahl der Jobs, die hiesige Firmen dort geschaffen haben, auf 461900. Der Löwenanteil entfällt auf die Pharma- und Chemiebranche. Umgekehrt gehen bei uns nur 86000 Arbeitsplätze auf US-Firmen zurück. Die USA fahren zwar im Handel mit der Schweiz ein deutliches Defizit ein. Doch was die Arbeitsplätze und Investitionen angeht, tut die Schweiz mehr. Ihre Unternehmen investieren gleich viel wie die deutschen und sind in Amerika stark in Forschung und Entwicklung engagiert. Schweizer Firmen zählten bereits im 19. Jahrhundert zu den exportstärksten der Welt. Mit dem Fall der staatlichen Handelshemmnisse in Westeuropa und Nordamerika nach dem Zweiten Weltkrieg bauten sie die Position aus. Ursache für Exportfreudigkeit ist der kleine Binnenmarkt. Um in der Industrie auf hohe Stückzahlen zu kommen, mussten sich die Firmen schon früh nach den grossen Absatzmärkten im Ausland umsehen. Wirtschaftlich starke kleine Länder wie die Niederlande oder Schweden taten es ebenso.

Der Handelsüberschuss 2016 ist umso erstaunlicher, als sich die Firmen wegen des starken Frankens in keiner beneidenswerten Lage befinden, was den Export angeht. Allerdings schnitten die einzelnen Branchen unterschiedlich ab. Seit Jahren schon sorgen Pharma und Chemie für die Musik im Exportgeschäft. Sie sind die Nummer eins. Da ihre Unternehmen innovativ sind und erfolgreich neue Medikamente und Produkte auf den Markt bringen, kommen sie trotz Währungsnachteil auf gute Margen. Kommt hinzu, dass grosse Player wie Novartis oder Roche international forschen und produzieren und so mit Währungsrisiken leichter umgehen können.

2016 legten Chemie und Pharma bei den Ausfuhren um 11 Prozent oder 9,6 Milliarden Franken zu. Die Bereiche Maschinen und Elektronik – früher während Jahrzehnten die Paradebranchen der hiesigen Exportwirtschaft – mussten 2016 einen erneuten Rückschlag hinnehmen. Sie bekommen die Nachteile des überbewerteten Frankens stark zu spüren.

Rainer Rickenbach

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