Hier spricht der Chef

Die Schweiz hat ihre Stärken

Der Eurokurs ist innerhalb eines Jahres um zirka 15 Prozent gesunken und somit sind unsere Produkte im Ausland teurer geworden. Das bedeutet Verlust der Konkurrenzfähigkeit und eine massive Einbusse bezüglich Margen.

Adrian Flury*
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Adrian Flury ist CEO der Arthur Flury AG

Adrian Flury ist CEO der Arthur Flury AG

Für ein exportorientiertes Unternehmen sind Kontakte mit ausländischen Firmen an der Tagesordnung. Unsere französischen Partner z.B. können wegen des Streiks Waren nicht spedieren oder die Produktion erst gar nicht aufnehmen. In anderen Ländern muss aufgrund der prekären Staatsfinanzen mit einer schlechten Zahlungsmoral selbst bei der öffentlichen Hand gerechnet werden. Langfristige Projekte, auf welche man sich durch verbindliche Zusagen eingestellt hat, werden kurzerhand sistiert oder in weite Zukunft verschoben.

Wir haben in England eine eigene Niederlassung gegründet und sahen uns im Verlauf des Jahres mit enormen bürokratischen Auflagen konfrontiert. Allein die Errichtung eines Bankkontos auf einer englischen Bank nahm Monate in Anspruch und die Erlangung einer VAT-Nummer dauerte fast ein halbes Jahr. Uns wurde bestätigt, das sei der Normalfall und nichts Besonderes.

Der Vergleich mit dem Ausland lässt uns die Schweiz mit einem effizient funktionierenden Behördenwesen, einem tadellosen Service unserer sonst so stark kritisierten Banken direkt paradiesisch erscheinen. Mein Euro-Problem macht mir wirklich grosse Sorgen, doch in Anbetracht des Vergleichs der aktuellen Probleme in angrenzenden Ländern verliert es an Dramatik.

Ich frage mich, ob wir in unserer Firma einen Stresstest unter französischen Bedingungen der letzten Wochen bestehen würden. Es ist fundamental, dass wir uns vorab in den Betrieben selbst mit fatalen Szenarien auseinandersetzen und unsere eigene Krisenresistenz hinterfragen, bevor wir uns mit Forderungen an die grosse Politik wenden. Dazu gehört auch die Wahrung der positiven Errungenschaften wie Arbeitsfrieden und funktionierende Infrastruktur. Nebst dem Streben nach ständiger Verbesserung darf dabei auch die Wertschätzung des eigenen Erreichten nicht fehlen.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass internationale Auswirkungen und Tendenzen an Grenzen nicht Halt machen. Die Auswirkungen auf das wirtschaftliche Umfeld werden uns im gleichen Umfang treffen. Im Umgang unter uns werden wir aber, so hoffe ich, einen eigenen, pragmatischen und schweizerischen Weg beschreiten.

*Adrian Flury ist CEO der Arthur Flury AG, Deitingen