Wirtschaft
Die Software-Industrie bringt harte Dollars

Die grossen Softwarekonzerne weisen höhere Gewinnmargen als Pharma und Luxus auf. Zwar sind die Herstellungskosten der Branchen ganz unterschiedlich, aber auf vergleichbarer Basis bleibt ihnen proportional zum Umsatz der grösste Betriebsgewinn.

Isabel Strassheim
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Firmensoftwarehersteller Oracle: Der Konzern weist eine operative Marge von 37 Prozent auf. Paul Sakuma/Key

Firmensoftwarehersteller Oracle: Der Konzern weist eine operative Marge von 37 Prozent auf. Paul Sakuma/Key

Was haben Luxusuhren, Software und Medikamente gemeinsam? Mit ihnen lässt sich die höchste Umsatzrendite erzielen. Auch wenn die Pharmafirmen über zunehmenden Preisdruck klagen: Die Uhren-, Software- und Medikamentenindustrie gehören generell zu den Branchen mit den höchsten Margen.

Zwar sind die Herstellungskosten der Branchen ganz unterschiedlich, aber auf vergleichbarer Basis, nämlich nach Abzug aller Ausgaben, bleibt in diesen drei Branchen proportional zum Umsatz der grösste Betriebsgewinn.

Bei Edeluhren erscheint das verständlich. «Bei Luxusgütern ist der Gewinnanteil traditionell hoch, da andere Faktoren wie die subjektive Werteinschätzung, die etwa über eine Marke vermittelt wird, eine wichtige Rolle beim Kaufentscheid spielen», sagt Thea Caminada von der Unternehmensberatung PwC in Zürich.

Dank einer solchen Stellung könnten im Vergleich zu den eigentlichen Produktionskosten überdurchschnittliche Preise und somit Margen erzielt werden. Das bedeutet, eine Luxusuhr ist nicht nur deswegen so teuer, weil sie mit vielen Komplikationen in monatelanger Handarbeit in geringer Stückzahl hergestellt wird.

Vielmehr zahlen wir bei einer Prestigeuhr nicht nur ihren Wert, sondern einen hohen Preis für ihre Wertschätzung.

Gewinne trotz Forschungskosten

Medikamente sind zwar alles andere als ein Luxusprodukt, sondern im Extremfall überlebenswichtig. Genau deswegen gelten aber auch für sie Wertschätzungspreise. Das zeigt sich in den USA, dem wichtigsten Markt der Pharmabranche, wo die Preise nicht wie in Europa staatlich reguliert sind.

Dort können Pharmafirmen die Pillenpreise frei festsetzen. Mit Erfolg: Auch im vergangenen Jahr kam es zu Preiserhöhungen.

Die US-Patientenorganisationen sind sehr stark und drängen auf hohe Preise, damit die Forschung finanziert werden kann. Das klingt plausibel, ist aber ein Mythos. Denn trotz hoher Kosten für Forschung und Entwicklung bleiben Pharmafirmen noch immer stattliche Gewinne.

Nehmen wir Roche, einen klassischen forschenden Pharmakonzern: Er erzielte 2012 eine Ebit-Marge von 37,7 Prozent (ohne Berücksichtigung von Sonderfaktoren).

Wohlgemerkt nach den Ausgaben für Forschung und Entwicklung sowie nach Abschreibungen auf aufgegebene Wirkstoffprojekte bleibt Roche mehr als ein Drittel vom Umsatz als Betriebsgewinn. Im Vergleich zu einem Präzisionsmaschinenbauer ist der Gewinnanteil fünfmal höher.

Sicher hängt das vor allem am Patentschutz, der den Pharmaunternehmen ein Quasimonopol auf ihre Produkte sichert und damit langwierige und hohe Investitionen in die Forschung mit hohen Renditen belohnt. «Wir dagegen haben nackte Marktpreise», sagt Swissmem-Sprecher Ivo Zimmermann.

In der Maschinenindustrie gibt es eine harte Konkurrenz, die dafür sorgt, dass die Margen tief bleiben – auch ohne starken Franken und Konjunkturflaute.

Nicht nur Patentschutz

Es greift allerdings zu kurz, einzig das Patentrecht für die Margen der Pharmabranche verantwortlich zu machen. Denn auch bei Medikamenten, deren Patentschutz abgelaufen ist, liegt der Gewinnanteil noch immer hoch.

Obwohl bei ihnen der Markt spielt, erzielen Generika noch immer eine Ebit-Marge von um die 20 Prozent. «Der Markt ist offenbar bereit, für überlebenswichtige Medikamente einen höheren Preis zu zahlen», sagt Caminada.

Auch Pharmaspezialist Martin Vögtli vom Broker Kepler betont, dass bei von Spitälern verabreichten Medikamenten das Preisniveau höher ist als bei von Hausärzten verschriebenen Pillen.

Anders als teure Uhren sind Medikamente kein Luxusgut. Dafür «Liebhaberpreise» zu verlangen, ist pervers. Investitionen und Kapitalbindung sollten belohnt werden. Aber dennoch ist das Preisniveau der Pharmabranche zu hoch. Die Gewinne der Industrie könnten deutlich sinken, auch ohne dass die Erforschung neuer überlebenswichtiger Medikamente tangiert würde.