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Anlegerskandal in Deutschland: Die Spuren führen nach Zug

Jahrelang haben Anleger bei der P&R, die auch in Zug präsent ist, Container gekauft. Dann ging ein Teil der Firma in die Insolvenz. Nun zeigt sich, dass es viele Container mutmasslich gar nicht gab.
Christopher Gilb
Im Container-Geschäft lässt sich Geld verdienen – und verlieren. (Bild: Franck Robichon/EPA (Tokio, 18. Mai 2017))

Im Container-Geschäft lässt sich Geld verdienen – und verlieren. (Bild: Franck Robichon/EPA (Tokio, 18. Mai 2017))

Über mehrere Jahre hinweg haben Anleger bei der P&R-Gruppe Geld in Schiffscontainer investiert. Doch Mitte März meldeten alle deutschen Firmen der Gruppe, die ihren Sitz allesamt in Grünwald bei München haben, Insolvenz an. Insgesamt hat die Gruppe derzeit rund 54 000 Anleger. Ihre Gesamtanlagesumme beträgt rund 3,5 Milliarden Euro.

Doch was wie eine normale Insolvenz anfing, könnte sich, wie deutsche Medien es nennen, zum grössten Anlegerskandal Deutschlands entwickeln. Denn von den 1,6 Millionen verkauften Containern konnte der Insolvenzverwalter nur 0,6 Millionen Container finden. Der Rest steht also nur auf dem Papier, und viele Anleger könnten ihre Investition komplett verlieren. Nun hat die Staatsanwaltschaft München Ermittlungen aufgenommen.

«Ein klassisches Geldkarussell»

Der deutsche Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Peter Mattil betreut laut eigenen Angaben bereits ein paar tausend der Anleger, darunter auch schon 20 bis 40 Schweizer, auch sitzt er im Gläubigerausschuss. «Der Tatort befindet sich in München, hier wurde das Geld eingesammelt, das operative Geschäft aber lief über Zug», sagt Mattil, der bereits in der «NZZ am Sonntag» Auskunft zum Thema gegeben hat.

Er spricht von der P&R Equipment & Finance Corp, die ihre Büros in einem herrschaftlichen Haus, in der Nähe des Theater Casino Zug, hat. «Den Anlegern wurde suggeriert, dass es wie folgt abläuft», so Mattil: «Sie kaufen die Container und vermieten sie an die Gruppe zurück, die Schwesterfirma in Zug vermarktet diese dann im Logistikgeschäft, nach der Vertragslaufzeit von fünf Jahren kauft die P&R die Container für zwei Drittel des Kaufpreises zurück.»

Dies scheine so lange gut gelaufen zu sein, wie Geld reingekommen sei. «Denn Miete und Rückkauf wurden mit dem Geld der neuen Anleger bezahlt.» Beim System handle es sich, so Mattil, um ein klassisches Geldkarussell. «Aber irgendwann kam nicht mehr genug Geld rein.»

Zuger Firma will keine Stellung nehmen

Der deutsche Insolvenzverwalter hat nun bestimmt, dass ein Zürcher Wirtschaftsprüfer als neuer Verwaltungsratspräsident der Zuger Firma fungiert. Teil der Insolvenzmasse ist diese aber nicht. «Da sie rechtlich nichts mit den Münchner Gesellschaften zu tun hat», so Mattil. Komme die Münchner Firma aber in Verzug, hätten die Anleger laut Vertrag den Anspruch, Direktanspruch bei der Zuger Firma geltend zu machen. «Niemand will aber momentan, dass auch die Zuger Firma insolvent geht, da diese derzeit die einzige ist, die durch das Leasing der vorhandenen Container noch Miete einbringt», so der deutsche Fachanwalt.

Bei der Zuger Firma heisst es auf telefonische Nachfrage, dass man keine Stellung nehmen darf, stattdessen wird auf den Insolvenzverwalter verwiesen. Der Betrieb würde aber weiterhin laufen. Laut Mattil sei es gut möglich, das im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens auch die Zuger Firma längerfristig noch in den Fokus der Ermittlungen rücke.

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