UBS
Die UBS will ihre Vormachtstellung in Asien zementieren

Die UBS schreibt 2,2 Milliarden Gewinn und will bis 2014 wieder 15 Milliarden Gewinn machen. Ein Grossteil davon soll aus Asien kommen. Dafür will die Grossbank 400 neue Mitarbeiter in der Region einstellen und das Filialnetz erweitern.

Vasilije Mustur
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UBS - Vertrag: Spiel läuft für SP

UBS - Vertrag: Spiel läuft für SP

Keystone

Herr Hens, seit Jahren expandieren Schweizer Banken – auch die UBS in Asien. Warum?
Hens: Asien ist ein Wachstumsmarkt. Dort werden derzeit viele Menschen reich – sogar super reich. Schweizer Banken können diesen Menschen aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Private Banking gute Dienste leisten.

Wie viele Superreiche gibt es auf dem asiatischen Markt?
Hens: Ich gehe davon aus, dass diese Klientel klein aber äusserst lukrativ ist. Prozentual gesehen gibt es in Asien nicht viele Superreiche. Aber da Asiaten ein Drittel der Weltbevölkerung stellen, sind es absolut betrachtet mehr als in der Schweiz!

Weichen Schweizer Banken auf Asien deshalb aus, weil der Markt in Europa ausgetrocknet ist und nur noch auf den Boom-Märkten richtig viel Geld verdient wird?
Hens: Der Markt in Europa ist auf hohem Niveau gesättigt. Zudem ist er durch die Attacken gegen das Schweizer Bankgeheimnis sehr schwierig geworden. Derzeit überlegen viele Vermögensberater, Vermögen von Schweizer Konti nach Asien zu transferieren, um einem automatischen Informationsausstausch vorbeugen zu können.

Wie lässt sich der automatische Informationsaustausch konkret umgehen?
Hens: Es kommt darauf an, wie die Anfrage gestellt wird. Auf Fragen der Steuerbehörden: "Hat Herr Müller bei der Bank XY ein Konto in der Schweiz?", lautet die Antwort: NEIN. Fragen die Behörden aber: "Ist Herr Müller Kunde bei der Bank XY-Schweiz?", wäre die Antwort nur dann ja, wenn der Kundenberater als Mitarbeiter in der Schweiz geführt wird. Er könnte aber auch formell in Singapur angestellt sein und "ab und zu" in der Schweiz ein Beratungsgespräch durchführen.

Wohin glauben Sie wird das Geld in Asien verschoben?
Hens: Nach Singapur zum Beispiel.

In welchen Märkten steckt am meisten Wachstumspotential drin? In China?
Hens: China ist aus politischen Gründen ein sehr schwieriger Markt für das Private Banking. Und in Indien haben die Englischen Banken "Heimvorteil". Ich denke es geht im Moment vor allem um Singapur und Hong Kong.

Warum ist China ein politisch schwieriger Markt?
Hens: China ist ein totalitärer Staat, der keine Privatsphäre der Bürger akzeptiert. Das fängt bei der Geburtenkontrolle an, geht in der Ausbilung weiter und hört beim Vermögen nicht auf.

Gibt es in China Gesetze gegen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug?
Hens: Wenn Sie diese Frage einem Chinesen stellen würden, so würde er gar nicht verstehen, was der Unterschied zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug ist. Die Strafen sind in China prinzipiell unbegrenzt - es kommt immer auf die Bewertung der Behörden an. Im Reich der Mitte kommen Bürger für freie Meinungsäusserung hinter Gittern und wenn es ganz schlimm kommt, gibt es ja noch die Todesstrafe. Ich wäre also sehr vorsichtig, für einen finanziellen Vorteil mein Leben zu riskieren. Also müssen die Vermögensverwalter aufpassen, dass nicht so dumme Pannen geschehen, wie bei der UBS in den USA. Ein Birkenfeld käme dort nicht nur ein paar Jahre hinter Gitter!

Besteht die Gefahr, dass Schweizer Banken eines Tages ihre Haupttätigkeit und den Hauptsitz nach Asien verlegen?
Hens: Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Private Banking ist eher ein Exportschlager wie die Schweizer Schokolade! Für das Branding der UBS ist die Schweiz sehr wichtig - auch wenn das "S" in UBS auch für Singapur stehen könnte - aber eine zweite HSBC brauchen die Asiaten nicht.

Bei der UBS macht sich ein erster Silberstreifen am Horizont bemerkbar. Die Grossbank erwirtschaftete im ersten Quartal 2009 einen Gewinn von 2,2 Milliarden Franken. Dank diesem erfreulichen Ergebnis will UBS-Konzernchef Oswald Grübel an seinem ehrgeizigen Ziel festhalten und bis 2014 jedes Jahr einen Vorsteuergewinn in Höhe von 15 Milliarden Franken einstreichen. Jetzt zeigen Recherchen von «a-z.ch», dass der Löwenanteil dieser Profit aus dem asiatischen Raum kommen soll und die Bank deshalb ihre Vormachtstellung in Asien massiv ausbauen will.

400 neue Kundenberater in Asien

«Wir sind bereits heute an den für das Vermögensverwaltungsgeschäft bedeutenden Standorten in der Region – also Japan, Australien, Singapur, Hong Kong, Taiwan, China und Indien – vertreten und werden unser Geschäft in den Märkten mit interessanten Wachstumsperspektiven weiter ausbauen. Wir planen deshalb, in den kommenden Jahren 400 neue Kundenberater in der Region einzustellen», bestätigt UBS-Sprecherin Tatiana Togni auf Anfrage.

Zielgruppe der Expansion in Asien soll wie bis anhin die vermögende Kundschaft sein. So konzentriert sich die UBS in der Region seit Jahren auf das Vermögensverwaltungsgeschäft mit einem Kundenvermögen ab zwei Millionen Franken. Mittelfristig will die UBS mit dieser Strategie in Asien ein Kundenvermögen von 250 Milliarden Franken anhäufen. Derzeit sind es 163 Milliarden Franken.

Um die Expansion auch umsetzen zu können, braucht die UBS neben den neuen Kundenberatern auch zusätzliche Mitarbeiter für die Front- Middle- und Back-Office Funktionen. «Unsere Strategie für die Region ist das internationale Geschäft in Singapur und Hong Kong auszuweiten, sowie im lokalen Geschäft in Japan, Hong Kong, Singapur, Australien, Taiwan und China organisch zu wachsen», sagt Togni. In diesem Zusammenhang eröffnete die UBS im Januar in Mumbai eine neue Filiale, die eine wichtige Plattform sein soll, um die Beziehungen mit den indischen Kunden zu vertiefen.

UBS ist grösster Vermögensverwalter in Asien

Bereits heute ist die UBS auf dem Asien-Pazifik-Markt (APAC) mit 17 Standorten und über 2000 Mitarbeitern – davon 1000 Kundenberater – im Geschäft mit reichen Asiaten der grösste Vermögensverwalter der Region. Zudem stammten 2009 insgesamt 17 Prozent der verwalteten Vermögen von Wealth Management – das sind reiche Kunden – sowie von Swiss Bank (Kunden mit Wohnsitz in Asien), von Kunden mit Wohnsitz in Asien. Allerdings ist die UBS nicht die einzige Schweizer Bank, welche in Asien bereits Fuss gefasst hat und dort weiter expandieren will:

  • Bank Julius Bär:

Im Herbst 2008 eröffnete das Finanzinstitut eine neue Vertretung in Jakarta und hat für seinen Sitz in Hong Kong die Banklizenz beantragt. Darüber hinaus wurden hauptsächlich durch das Wachstum bei den Niederlassungen in Singapur und Hong Kong 150 neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit ist die Privatbank mit insgesamt drei Filialen und 350 Mitarbeitern vor Ort aktiv. Dabei macht Julius Bär wie die UBS in Asien Jagd auf reiche Kunden. «Als fokussierte Privatbank ist unsere wichtigste Zielgruppe vermögende Kundschaft, die eine umfassende Finanz- und Anlageberatung beansprucht,» sagt Julius Bär-Sprecher Martin Somogyi.

Auch in Zukunft will das Finanzinstitut von den Boom-Märkten profitieren. «Asien ist unser zweiter Heimmarkt und somit besteht die erklärte strategische Absicht, weiterhin in Asien vom Wachstumsmarkt zu profitieren», sagt Somogyi. Angesichts der letzten Zahlen könnte sich diese Strategie denn auch als Goldgrube erweisen. Letztes Jahr stieg der Zufluss an Neugeldern um 19 Prozent auf 154 Milliarden Franken. Dies hat die Bank auch den aufstrebenden Märkten – insbesondere in Asien – zu verdanken.

  • Bank Sarasin:

Diesen März erhielt die Basler Privatbank für ihre Tochtergesellschaft in Hong Kong eine Banklizenz. Diese wandelte sie darauf hin in eine Zweigniederlassung um. Derweil verdoppelte Sarasin seit 2002 die Mitarbeiterzahl in Hong Kong auf 123 Personen. Ausserdem eröffnete das Bankeninstitut Anfang Jahr im indischen Delhi und Mumbai zwei neue Standorte mit acht Mitarbeitern. Neben diesen Filialen unterhält die Bank in Singapur ein Buchungszentrum mit 108 Mitarbeitern. Auch die Bank Sarasin tut gut daran, in Asien Präsenz zu zeigen, denn 2009 flossen der Bank allein aus Asien und dem Mittleren Osten 4,1 Milliarden Franken an Neugeldern zu. 2008 waren es gerade mal 1,5 Milliarden Franken. Darüber hinaus erhöhte sich das verwaltete Vermögen aus dieser Region um 60 Prozent.

EU-Markt ist gesättigt

Der Drang dieser Banken in Asien Geld zu verdienen steht indes stellvertretend für den gesamten Finanzplatz Schweiz. Für Bankenprofessor Thorsten Hens von der Universität Zürich ist das keine Überraschung. «Der Markt in Europa ist auf hohem Niveau gesättigt», sagt der Experte im Interview mit «a-z.ch» (siehe Box). Deshalb könnten die Banken nur noch in Asien viel Geld verdienen. «Asien ist ein Wachstumsmarkt. Dort werden derzeit viele Menschen reich – sogar super reich. Schweizer Banken können diesen Menschen aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Private Banking gute Dienste leisten.»

Wie lange der Boom in Asien noch andauern wird, ist laut Hens schwer zu sagen. Doch aktuell sind die Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts dort laut Hens zweistellig.