Markenstreit
Die Uhr tickt langsam im «M-Watch»-Prozess

Das Zürcher Handelsgericht entscheidet demnächst, wem die Marke gehört – Mondaine Watch oder Migros. Ein Blick zurück zeigt, dass sich der Konflikt schon längere Zeit anbahnte.

Franz Schaible
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Die «M-Watch» von Mondaine ist neu im Angebot von postshop.

Die «M-Watch» von Mondaine ist neu im Angebot von postshop.

chho

Der im Frühling 2010 offen ausgebrochene Bruch zwischen dem Grossverteiler Migros und der kleinen Solothurner Uhrenherstellerin Mondaine Watch hat alle Ingredienzien einer Kampfscheidung: gegenseitige Vorwürfe, unversöhnliche Haltung, harte Töne und ein juristisches Hickhack. Letzteres dürfte demnächst ein vorläufiges Ende nehmen, wenn das Zürcher Handelsgericht entscheiden wird, wem die Rechte an der Marke «M-Watch» gehören. «Wir erwarten diesen wichtigen Entscheid in den kommenden Wochen», sagt auf Anfrage der «Nordwestschweiz» André Bernheim, der zusammen mit seinem Bruder Ronnie Bernheim die Uhrenfirma Mondaine in zweiter Generation führt.

Ein Blick zurück zeigt, dass sich der Konflikt schon längere Zeit anbahnte. Nach über 7 Millionen verkauften Uhren der Marke «M-Watch» hat der Grossverteiler die seit 1983 laufenden Geschäftsbeziehungen mit Mondaine im Mai 2010 per sofort beendet. Unter anderem wurde der drastische Schritt «mit nicht mehr marktkonformen Konditionen und Sortimenten» seitens Mondaine begründet. Die Bernheims wiesen dies zurück und prangerten ihrerseits Migros an, in den letzten Jahren immer «härtere Lieferbedingungen sowie tiefere Preise verlangt zu haben.» Der eigentliche Streit dreht sich aber um das Recht an der Marke (siehe Kasten). Steht das «M» für Migros oder für Mondaine?

«M-Watch» in zwei Varianten

Trotz des noch offenen Rechtsstreits ist die «M-Watch» weiter auf dem Markt. Mondaine fand in der Warenhausgruppe Manor einen neuen Absatzkanal. Seit Oktober 2010 wird die Mondaine-Uhr in sämtlichen Filialen von Manor angeboten. Der Verkauf sei gut angelaufen, sagt André Bernheim, insbesondere 2012. Man habe die Kollektion ergänzt und biete nun rund 70 Modelle an. «Der Absatz liegt 25 Prozent über dem Vorjahr.» Absolute Zahlen wollte er aber keine nennen. «Die gesteckten Ziele haben wir zwar noch nicht erreicht, aber wir sind auf gutem Weg dazu.» Mit Manor habe man keinen Mehrjahresvertrag abgeschlossen, aber Manor selbst habe einiges in die Verkaufspunkte investiert und sei deshalb an der weiteren Zusammenarbeit interessiert. Manor bestätigt: «Wir sind weiterhin von den Wachstumschancen überzeugt und behalten deshalb die ‹M-Watch› im Sortiment», erklärt Sprecherin Elle Steinbrecher.

Auch bei der Migros ist die Uhr weiterhin erhältlich, allerdings mit einem minim abgeänderten Logo. Der Detailhandelsriese lässt die Uhr seit rund zwei Jahren bei der Tessiner Firma FM Logistics in Besazio montieren, wie Migros-Sprecherin Monika Weibel auf Anfrage erklärt. Aktuell biete man 52 Modelle an. Zahlen nennt auch Migros keine. «Wir sind aber auf gutem Weg, um an die früheren Umsätze der ursprünglichen ‹M-Watch› anzuknüpfen.»

Hohe Wachstumserwartungen

Das sind hochgesteckte Ziele. In den besten Zeiten konnte Mondaine über den Migros-Kanal jährlich 300000 «M-Watch»-Uhren absetzen. In den letzten Jahren der Zusammenarbeit lieferte Mondaine dem Grossverteiler als damals exklusiver Absatzpartner noch rund 90000 Exemplare. André Bernheim glaubt weiterhin an das Potenzial der Uhr. «Wir werden wieder 200000 Stück pro Jahr in der Schweiz absetzen können.» Dazu baut Mondaine neben Manor einen zweiten Vertriebskanal auf. Zusätzlicher Partner ist die Post. Auf deren Online-Einkaufsplattform postshop.ch ist vorerst ein Modell erhältlich.