170 Millionen veruntreut
Die unrühmliche Rolle der Basler Kantonalbank im ASE-Betrugsfall

Die Basler Kantonalbank verwaltete einen Grossteil der ASE-Vermögen. Dabei ignorierte sie über Jahre zahlreiche Warnsignale.

Andreas Möckli
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Über Jahre hinweg ignorierte die Basler Kantonalbank zahlreiche Warnsignale.

Über Jahre hinweg ignorierte die Basler Kantonalbank zahlreiche Warnsignale.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Der Fall ASE ist auch ein Fall BKB. Zwar war die Basler Kantonalbank (BKB) stets bemüht, das dunkle Kapitel möglichst rasch hinter sich zu lassen, dennoch verfolgt es die Bank bis heute. Der Prozess in Eiken ruft nochmals in Erinnerung, wie die Bank die Warnsignale im Fall über Jahre ignorierte.

Obwohl die Bank mit dem Grossteil der Betroffenen einen Vergleich in der Höhe von 50 Millionen Franken geschlossen hat, ist der Fall für die BKB nicht ausgestanden. Die Zürcher Kanzlei Werder Viganò hat eine Strafanzeige wegen Verdacht auf Geldwäscherei gegen die Bank eingereicht. Das Verfahren ist zurzeit auf Eis gelegt, da im nun laufenden Verfahren vor Gericht festgestellt werden muss, dass es sich beim ASE-Fall um Betrug handelt. Zudem fordert die Kanzlei 30 Millionen Franken von der BKB zugunsten ihrer Klienten ein. Da die von der Kanzlei vertretenen Geschädigten kein Konto bei der BKB hatten, weist das Geldinstitut die Forderung zurück.

Wie es überhaupt so weit kommen konnte, zeigt ein Blick zurück. Die ASE-Verantwortlichen nutzen die BKB von Beginn an als Depotbank. Rund 600 Kunden haben ein Konto bei der Bank eröffnet. Betreut wurden die Kunden jedoch nicht in der Zentrale in Basel, sondern vom Private-Banking-Ableger in Zürich. Zuständig war Kundenberater und Teamleiter Manfred G., mit dem Schlegel befreundet war.

Untersuchungen verschleppt

Manfred G. ist zusammen mit Schlegel und Simon M. angeklagt. Laut der Staatsanwaltschaft habe sich G. sehr einseitig für die Interessen von Schlegel eingesetzt. G. habe die Unregelmässigkeiten massgeblich unterstützt und überhaupt erst möglich gemacht. So hat er es Schlegel erlaubt, dass die Kunden über die Eröffnung jenes Kontos nicht informiert wurden, über das die betrügerischen Machenschaften abliefen. Zudem willigte G. ein, die Kunden an ASE zu verweisen, sollten sie Auskünfte über ihre BKB-Konten verlangen.

G. war es auch, der ASE innerhalb der Bank verteidigte und mehrere angeordnete Untersuchungen verschleppte. Denn der Bank lagen schon lange vor dem Auffliegen des Falls 2012 Hinweise über Ungereimtheiten vor. Erstmals wurde 2009 intern umfassend über die Geschäftsbeziehung mit Vermögensverwaltern diskutiert. Anlass waren die Minuspositionen der ASE-Kunden, obwohl diese über keine Kreditlimiten verfügten. Im Frühling 2010 verlangte die Bank, dass die Zürcher Filiale die im Minus befindlichen Konti ausgleicht. Mehrfach wurde Fristen gesetzt, bis wann die Minuspositionen bereinigt werden sollten. Mehrfach verstrichen die Fristen ergebnislos.

Schliesslich flog der Fall auf, als ein Anleger bemerkte, dass sein Bankauszug nicht mit jenem der ASE übereinstimmte. Daraufhin erstatte die BKB Strafanzeige gegen die ASE, womit die Untersuchungen der Behörden ins Rollen kamen. In der Folge musste der damalige BKB-Chef Hans Rudolf Matter seinen Posten aufgeben, ein halbes Dutzend Mitarbeiter wurde entlassen oder verliess die Bank, darunter auch Manfred G.

Ein Jahr darauf rügte die Finanzmarktaufsicht Finma die Bank scharf. Trotz der scharfen Worte beliess es die Finma dabei bewenden. Beobachter zeigten sich damals überrascht über das milde Urteil der Aufsichtsbehörde. Die Finma hätte etwa auch unrechtmässig erzielte Gewinne einziehen können.