Die Versicherungs-Police gibt es jetzt auch am Postschalter

Post verkauf an ihren Schaltern ab heute die umstrittene Umzugsversicherung der Zürich-Versicherung. Experten raten von der Police ab, den Gelben Riese kümmert es nicht. Bereits seit längerem verkauft er auch Policen der Axa Winterthur.

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Postschalter

Postschalter

Keystone

Sven Millischer

Der Postschalter wird zusehends zum Maklerbüro: Ab kommendem Donnerstag verkauft der Gelbe Riese in zwanzig ausgewählten Poststellen der Deutschschweiz die neue Umzugsversicherung der Zurich. Die Kooperation ist vorerst auf sechs Monate befristet. Dann wird entschieden, ob ab nächstem Jahr alle 2400 Postfilialen die Police anbieten
sollen.

Postwendende Offerte

Für die Zurich ist der Gelbe Riese ein interessanter Vertriebspartner: «Wir kommen so direkt in Kontakt mit potenziellen Kunden, die gerade am Zügeln sind», sagt Mediensprecher Franco Tonozzi. Wer also ab Ende Juni in Baden, Bürglen oder Brütten seine Adressänderung am Schalter durchgibt, dem wird postwendend eine Umzugsversicherung angeboten.

Allerdings erhalten die Schalterbeamten keine Kommission für jede Police. Die Abschlussprovision fliesst vielmehr in die Post-Kasse, um «die Grundversorgung zu unterstützen», wie es beim bundesnahen Betrieb heisst.

Der Gelbe Riese hat bereits einschlägige Erfahrung mit dem Verkauf von Versicherungen: Seit einigen Jahren gibt es am Schalter die Policen der AXA Winterthur zu kaufen, und zwar von der Lebens- über die Hausrat- bis hin zur Rechtsschutz-Versicherung.

Zurich musste Nische finden

Die Zurich musste beim Deal mit dem Gelben Riesen also die passende Nische suchen und fand sie in Form einer neuartigen Umzugsversicherung: Für 90 Franken kann sich der Schalterkunde gegen Schäden versichern, die im Rahmen eines Umzuges entstehen. Egal, ob beim Zügeln nun ein professionelles Transportunternehmen am Werk ist oder Freunde und Familien die geliebte Porzellanvase versehentlich zertrümmern. In jedem Fall ist die Police auf zwei Wochen befristet. Häufig werde nämlich an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden gezügelt, heisst es bei der Zurich.

Doch wozu braucht es überhaupt eine Umzugsversicherung, wenn sowohl Zügelfirmen wie Private bereits eine Haftpflichtversicherung haben? «Die Privathaftpflicht deckt eben nur den Zeitwert ab, die Umzugsversicherung dagegen den Neuwert», betont Zurich-Sprecher Tonozzi. Das heisst: Wenn beim Zügeln beispielsweise eine fünfjährige Stereoanlage Schaden nimmt, erhält der Besitzer von seiner Haftpflicht nur noch den aktuellen Wert zurückerstattet. Bei der Umzugsversicherung ist es der Neuwert. Allerdings deckt die Zürich-Police nur Schäden bis 2000 Franken ab.

Police braucht es nicht

«Eine solche Umzugsversicherung ist nicht nötig», sagt der Versicherungsexperte Stefan Thurnherr vom VZ Vermögenszentrum. Denn Policen seien in erster Linie dazu da, mögliche existenzbedrohende Schäden finanziell abzusichern. Und davon könne bei einem Deckungsbeitrag von maximal 2000 Franken keine Rede sein.

«Bei einem solchen Betrag fällt auch die Differenz zwischen Zeit- und Neuwert kaum ins Gewicht», meint Thurnherr. Vielmehr vermutet der Versicherungsexperte eine Marketingstrategie der Zurich: «Mit dem Vertriebsmodell über Postfilialen lassen sich neue Kundensegmente ansprechen.»

Auch Michael Töngi, stellvertretender Geschäftsführer beim Schweizerischen Mieterverband, hegt Bedenken gegenüber der neuen Umzugspolice: «Es besteht die Gefahr, dass sich die Leute überversichern.» Zudem sei das Vertriebsmodell heikel, meint Töngi: «Da werden Postgeschäft und Policenverkauf vermischt.» Die eingehende Beratung bleibe dabei auf der Strecke: «Der Postschalter ist kein Ort dafür.»