Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ein zuletzt doch unwiderstehliches Angebot: Dänische DSV schluckt Basler Panalpina

Der dänische Logistikkonzern DSV kommt bei Panalpina nun doch noch zum Zug. Durch die Übernahme werden die Skandinavier auch in der Luftfracht zur Grossmacht.
Daniel Zulauf
DSV-CEO Jens Björn Andersen (l.) und Panalpina-Chef Stefan Karlen am Montag in Basel. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

DSV-CEO Jens Björn Andersen (l.) und Panalpina-Chef Stefan Karlen am Montag in Basel. (Bild: Georgios Kefalas/Keystone)

Zehn Wochen nach dem ersten und sechs Wochen nach dem zweiten Antrag aus Kopenhagen ist der Panalpina-Verwaltungsrat bei der dritten Avance doch noch schwach geworden. Die dänische DSV will das Übernahmeangebot an die Panalpina-Aktionäre nochmals erhöhen, und zwar um so viel, dass offensichtlich auch die Ernst-Göhner-Stiftung nicht mehr Nein sagen konnte. Diese besitzt 46 Prozent aller Panalpina-Aktien und hatte sich bislang gar kein Interesse an einem Verkauf gezeigt.

Nun aber verspricht die Stiftung ihr ganzes Aktienpaket anzudienen. Die Annahme des Übernahmeangebotes sei das Beste für die Aktionäre, die Kunden und die Mitarbeiter von Pan­alpina, liess sich ihr Vertreter Thomas Gutzwiller am Montag sinngemäss in einer Medienmitteilung zitieren.

Ernst-Göhner-Stiftung hält neu 11 Prozent an DSV

Die Dänen wollen für jede Panalpina-Aktie 2,375 DSV-Aktien auf den Tisch legen. Gemessen an den aktuellen Kursen der DSV-Aktie und der dänischen Krone entspricht dies einem Gegenwert von fast 4,8 Milliarden Franken. Dieses Gebot liegt fast 800 Millionen Franken über der ersten Offerte von Mitte Januar und rund 1,7 Milliarden Franken über dem Wert, den die Börse dem Unternehmen Panalpina in den Wochen vor dem ersten Angebot aus Kopenhagen zugebilligt hatte. Die Ernst-Göhner-Stiftung verspricht, die neuen Aktien während einer Frist von mindestens zwei Jahren zu halten. Als dereinst grösste DSV-Aktionärin mit einem Aktienanteil von 11 Prozent soll sie mit einer Person in den sechsköpfigen Verwaltungsrat einziehen. Ein wichtiges Investitionskriterium ist für die Stiftung auch die jährliche Dividendenzahlung, mit der sie ihre zahlreichen gemeinnützigen Projekte finanziert und den 29 Nachkommen des Stifters ein Einkommen garantiert. Auch hier mussten sich die Dänen flexibel zeigen. Sie werden künftig 15 Prozent ihres Jahresgewinns als Dividende ausschütten, obschon sie die Gewinne eigentlich lieber für den Rückkauf eigener Aktien einsetzen, wie DSV-Chef Jens Björn Andersen am Montag auf einer Medienkonferenz in Basel einräumte.

Obwohl DSV für den Kauf von Panalpina 56 Millionen neue Aktien ausgeben und das eigene Aktienkleid damit um fast einen Viertel erweitern muss, zeigten die Investoren in Kopenhagen keinerlei Abstossreaktionen. Der Glaube der Investoren, dass diesem Wachstumsschritt in etwa zwei Jahren eine signifikante Wertsteigerung folgen wird, wiegt offensichtlich deutlich schwerer als die Angst vor der Kapitalerhöhung, die den Wert der bestehenden DSV-Aktien über den Verwässerungseffekt mindestens kurzfristig deutlich nach unten drücken dürfte. Seit der Veröffentlichung des ersten unverbindlichen Kaufangebotes Mitte Ja­nuar ist der DSV-Aktienkurs von 470 Kronen auf mittlerweile über 550 Kronen gestiegen. Das ist ein klares Indiz dafür, dass die Anleger auch im vorliegenden Fall an die von DSV schon seit vielen Jahren erfolgreich betriebene Akquisitionsstrategie glauben.

Mit Hilfe von Panalpina rückt DSV nun vor allem in der Luftfracht deutlich vor. Zusammen schliessen die beiden mit einer Jahresleistung von über 1,7 Millionen Tonnen zum weltweit zweitgrössten Anbieter Kühne + Nagel mit Sitz in Schindellegi auf. Auch in der Seefracht verdoppeln DSV und Panalpina ihre kombinierte Leistung auf fast 3 Millionen Standardcontainer pro Jahr. Zusammen bringen es die beiden Unternehmen auf einen Umsatz von mehr als 17 Milliarden Franken und zählen rund 60000 Mitarbeiter. Wie viele der Panalpina-Stellen verloren gehen, ist noch unklar. Aus Unternehmenskreisen hiess es zwar, es gehe primär darum, weiter zu expandieren. «Selbstverständlich werden aber einige Jobs aufgrund der Übernahme verschwinden», sagte Andersen an der gestrigen Pressekonferenz in Basel. Unter dem Strich wird die teure Übernahme für DSV aufgehen, wenn es ihr gelingt die Umsatzrendite von Pan­alpina von derzeit bescheidenen 1,3 Prozent auf das eigene Niveau von über 5 Prozent anzuheben. Dass dafür auch Einsparungen nötig werden, ist zwar offensichtlich. Andersen meinte aber, es wäre «respektlos» an diesem «fantastischen Tag» über dieses Thema zu reden.

So oder so ist der Deal bereits unter Dach und Fach. Denn nebst der Ernst-Göhner-Stiftung haben sich auch der schwedische Finanzinvestor Cevian und die US-Investmentgruppe Artisan verpflichtet, ihr Anteil anzudienen. So hat DSV bereits 70 Prozent der Panalpina-Aktien in der Hand.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.