Urdorf
Die Zahlen liegen auf dem Tisch

Der Zusatzkredit für die Sanierung der Eisbahn beträgt 2,11 Millionen Franken, rechnet der Gemeinderat vor. Zu viel, findet er und rät deshalb den Stimmberechtigten, ihn an der Urne abzulehnen.

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Limmattaler Zeitung

Flavio Fuoli

Die Eissportvereine Urdorfs lancierten eine Initiative zur Sanierung und Überdachung der Weihermatt für 4,5 Millionen Franken. Nach langem Ringen zwischen Gemeinderat und den Eissportvereinen ist klar, dass dieser Betrag nicht genügt. Nach einer Totalunternehmer-Submission entschied man sich für das Angebot des «Konsortiums fairplay» von Isler Architekten AG in Winterthur.

Dieses sieht allerdings Änderungen zur Initiative vor, wie der Abbruch des Garderobentrakts und des Verpflegungsbetriebs. Ein in der Dimension reduzierter Holzbau soll diese ersetzen. Die Vorlage verzichtet denn auch auf die Garderobenräume unter der Tribüne, wie sie die Initiative noch vorsah.

Von 4,9 auf 6,1 Millionen

In der Zwischenzeit wurden die 500 000 Franken für die Parkplatzsanierung, die in der Initiative noch drin gewesen waren, gestrichen, sodass der Initiativbetrag noch effektiv 4 Millionen Franken ausmacht. Das «Konsortium fairplay» errechnete für ihre Version den Betrag von 4,9 Millionen Franken, die Sanierung des Parkplatzes nicht eingeschlossen. Der Projektausschuss, bestehend aus Vertretern des Initiativkomitees, der Schule und der Gemeinde, ergänzte das Angebot um unabdingbare Kostenpositionen wie den Ersatz der Match-Uhr, Ersatz-Banden, Mobiliar für Aufenthaltsbereich und Küche, Bewilligungs- und Anschlussgebühren, die Machbarkeitsstudie etc. Die Vorlage kommt so im Total auf 6,11 Millionen Franken.

In seiner Weisung, die nun vorliegt, erklärt der Gemeinderat, «gestützt auf das vorliegende, veränderte Realisierungsprojekt mit den ausgewiesenen mutmasslichen Investitionskosten von 6,11 Millionen Franken wird folglich zu dem im Jahre 2007 (Abstimmung) genehmigten Objektkredit von 4 Millionen Franken ein Zusatzkredit von 2,11 Millionen Franken erforderlich».

Dieser Betrag unterliegt nach Gemeindeordnung der Urnenabstimmung. Zunächst erfolgt am 23. September eine vorberatende Gemeindeversammlung, hernach am 29. November die Urnenabstimmung.

Gemeinderat klar dagegen

Der Gemeinderat ist seit geraumer Zeit der Ansicht, die Weihermatt zu schliessen, weil sie für Urdorf angesichts der finanziellen Situation nicht mehr tragbar sei. Wie Gemeindepräsident Werner Gutknecht an einer Presseorientierung erklärte, sei nun eine Weisung entstanden, in der alle Facts enthalten sind. Dies im Sinne einer transparenten Darstellung für die Bevölkerung. Es gehe dem Gemeinderat nicht darum, mit diesen Kostenberechnungen «den Eissportvereinen vor den Kopf zu stossen», die bekanntlich lange mit dem Gemeinderat um jedes Detail gefeilscht hatten. Man müsse seine Haltung im Kontext mit der Gemeinde und insbesondere deren Finanzen sehen, so Gutknecht.

Für Urs Rimensberger, Sportbetriebe- und Liegenschaftenvorstand, müsste der Zusatzkredit auch dann an die Urne, wenn er die zwei Millionen Franken nicht erreichen würde. «Es wurden massive Projektänderungen vorgenommen. Das Projekt entspricht nicht mehr der Initiative. Deshalb muss das Volk nochmals entscheiden.»

Rimensberger weist zudem darauf hin, dass die Kälteerzeugung und die Eisfeld-Verrohrung nicht Gegenstand der Initiative sind. Die Kälteerzeugungsanlage ist laut Weisung 42 Jahr alt. Es liegt dem Gemeinderat eine Bestätigung vor, dass die eingesetzten Verdichter für die nächsten zehn Jahre noch gewartet werden können.

Eine in der Zukunft mögliche Erneuerung der Verrohrung und der Kälteplatte würde rund 930 000 Franken kosten, rechnet der Gemeinderat in der Weisung vor. Weitere wesentliche Kostenrisiken seien die Starkstrom- und Versorgungsleitungen.

Auch RPK gegen Kredit

Wie der Gemeinderat spricht sich auch die Rechnungsprüfungskommission (RPK) gegen den Zusatzkredit von 2,11 Millionen Franken für die Kunsteisbahn Weihermatt aus. Wie die RPK kundtut, empfiehlt sie «die Ablehnung der Vorlage, da der jährlich anfallende Aufwandüberschuss den bereits angespannten Finanzhaushalt in einem Masse belasten würde, das finanzpolitisch nicht verantwortbar ist und der Zusatzkredit mögliche erhebliche Folgeinvestitionen für die Kälteerzeugung und die Eisfeld-Verrohrung nicht berücksichtigt». (fuo)

3,5 Steuerprozente mehr

Für Finanzvorstand Thomas Hächler geben die Folgekosten zu denken. In den vergangenen Jahren betrug das durchschnittliche Defizit der Eisbahn 380 000 Franken jährlich, oder 253 Franken je Betriebsstunde. Mit den finanzrechtlich kalkulierten Kapitalfolgekosten von 794 300 Franken würde das Defizit jährlich auf 1,174 Millionen Franken oder auf 783 Franken je Betriebsstunde steigen. Dies entspricht 3,5 Steuerprozenten.

Hächler: «Im Finanzplan sehen wir kein Wachstum, um dies zu finanzieren. Die Bevölkerung steht Einzonungen und verdichtetem Bauen skeptisch gegenüber. Zudem erwarten wir grosse Investitionen beim Alterszentrum, Spital, Wasser und Abwasser, Strassen etc. Wir können uns die Eisbahn nicht mehr leisten. Es geht nicht gegen die Klubs, denn es gibt höhere Prioritäten als die Kunsteisbahn.»

Hächler betont zwar, dass die Gemeinde Anspruch auf einen Beitrag der kantonalen Sportförderung (Kasak) hätte. Es sei jedoch noch keine verbindliche Antwort vom Kanton eingetroffen. Dies wäre jedoch nur ein einmaliger Beitrag, die Folgekosten müsste weiterhin Urdorf übernehmen, ergänzte Rimensberger. Die Nachbargemeinden um eine Beteiligung an den Betriebskosten zu gewinnen, sei chancenlos, sprach der Gemeindepräsident aus Erfahrung. «Niemand ist bereit, etwas zu zahlen, nicht einmal an die Investitionen.» Die Eisbahn werde somit vollständig durch die Urdorfer Steuerzahler finanziert, obwohl eine überwiegende Mehrheit der Benutzer Auswärtige seien.

Würde der Zusatzkredit an der Urne verworfen, träte der Beschluss des Gemeinderats in Kraft, der 2006 bestimmte, die Anlage sei stillzulegen. Damit wäre die Wintersaison 2009/2010 die letzte auf der Weihermatt.