Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Kolumne

Die Zinsspirale dreht weiter nach unten: Zeit, um Grossprojekte anzugehen

Verkehrte Welt: Der Bund könnte derzeit wohl Anleihen zu 0,0 Prozent emittieren. Geld gibt es also fast umsonst - was fehlt, sind Ideen.
Maurice Pedergnana
Maurice Pedergnana.

Maurice Pedergnana.

In den westlich-industrialisierten Ländern liegen die Zinsen tief, sehr tief sogar. Das mag potenzielle Hauseigentümer erfreuen, die Pläne schmieden, wie sie ihr Glück zwischen vier Wänden verbauen möchten. Hypothekarkredite gibt es inzwischen zu festen Konditionen, die unter einem Prozent liegen – für die nächsten zwanzig Jahre und mehr notabene! Eine Million Franken Schulden führt somit für einen Grossteil der restlichen Lebenserwartung zu einer monatlichen Belastung von 833 Franken oder weniger. Da beginnt man doch zu planen und zu träumen.

Noch besser hat es der Bund. Der kann Geld aufnehmen und wird dafür noch bezahlt. Grossanleger sind nur schon von der Aussicht, einen Grossteil des investierten Geldes wieder zurückzubekommen, entzückt. Sie leihen dem Bund Geld über zehn Jahre zu einem Zinssatz von -1.0 Prozent. Über dreissig Jahre sind sie mit einer negativen Rendite von -0.5 Prozent zufrieden, und die im Jahr 2064 fällige Anleihe (in 45 Jahren) «rentiert» -0.4 Prozent.

Vermutlich könnte der Bund derzeit sogar eine hundertjährige Franken-Anleihe zu 0.0 Prozent emittieren. Die Republik Österreich hat das kürzlich tatsächlich gemacht und die Investoren geben sich mit 0,6 Prozent in Euro zufrieden. Beim wirtschaftlich schwachen Staat Belgien wirft die hundertjährige Anleihe immerhin eine Rendite von 0,8 Prozent ab. In diesem Umfeld liesse sich sogar spekulieren, ob die Schweiz nicht sogar eine entsprechend negative Verzinsung auch über den Zeitraum von hundert Jahre bekommen könnte.

Das ist die Finanzierungsseite. Auf der anderen Seite sind Visionen gefragt. Die parlamentarische Arbeit der vergangenen vier Jahre war in dieser Hinsicht enttäuschend. Die grossen «Jahrhundertprojekte» wie beispielsweise die Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT) liegen schon eine Politiker-Generation oder mehr zurück. Das war ein Element einer dazumal visionären Bahnpolitik, die man in mehreren Volksabstimmungen festigen konnte und das den Grundstein der heutigen Mobilität in der Schweiz gelegt hat.

Die Schweiz hat gewiss noch mehrere, grössere Herausforderungen in den kommenden Jahrzehnten zu bewältigen. Was ich mir wünschte, wäre eine Generation, die wieder mutig über ihre Vierjahres-Wahlperioden hinaus denken und planen würde. Eine Generation von Politkern, die nicht nur ans Verteilen denkt, sondern vielmehr auch ans Investieren für die nächste und übernächste Generation. Eine Generation, die mit Visionen das laufende Jahrhundert zu Ende denkt und entsprechende Initiativen ergreift. Das Schöne daran ist, dass sich derzeit Projekte über hundert Jahre kostenlos finanzieren lassen. Wieso packen wir’s nicht an?

Maurice Pedergnana ist Professor für Banking und Finance an der Hochschule Luzern und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.