Die Zukunft des Schweizer Honigtopfs

Das Bankgeheimnis bröckelt seit Jahren. Gestern erhielt es einen neuen Schlag. Die hiesigen Banken werden das lukrative Geschäft der Vermögensverwaltung neu ausrichten müssen. Die Übereinkunft mit den USA trifft das Schweizer Offshore-Geschäft also schwer, am Ende ist es aber noch nicht.

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Daniel Imwinkelried

Ein Goldschatz lagert bei den Schweizer Banken. In ihren Depots liegen 2200 Mrd. Franken ausländisches Kapital. Damit dürften sie 20 Mrd. Franken pro Jahr verdienen. Es steht also viel auf dem Spiel, wenn Steuerbehörden wie die amerikanische IRS zum Angriff auf das Bankgeheimnis blasen und die Schweiz Daten herausrücken muss. Vor allem im Ausland dürfte der Kompromiss zwischen den USA und der Schweiz als erneute Niederlage für den Finanzplatz wahrgenommen werden.

Doch eigentlich bröckelt das Bankgeheimnis seit Jahren. Schon vor der Übereinkunft mit den USA war das Bankgeheimnis nicht mehr so undurchdringlich, wie Bankiers oft behaupteten. So gehen die Deutschen hohe Risiken ein, wenn sie Bargeld über die Grenze nach Zürich schmuggeln, und Amerikaner durften US-Wertpapiere nur noch über eine ausländische Bank kaufen, wenn sie gegenüber der Steuerbehörde ihre Identität offenlegen.

Europäer werden abgeschreckt

Am Ende ist das Offshore-Geschäft, also die Verwaltung von ausländischen Vermögen in der Schweiz, trotzdem noch nicht. Das äusserst lukrative Geschäft hat seit gestern nur einen neuerlichen Schlag bekommen. Amerikanische und vor allem europäische Kunden werden es sich künftig zweimal überlegen, ob sie hierzulande ein Konto oder Depot eröffnen sollen, nur um Geld vor dem Steueramt zu verstecken. Italien, Deutschland oder Frankreich werden es zwar nicht derart leicht schaffen, auf die Schweiz so schweren Druck auszuüben wie die USA. Trotzdem: Seit gestern können ausländische Kunden nicht mehr sicher sein, ob ihr Konto nicht eines Tages dem Steueramt gemeldet wird. Diese Gewissheit haben sie allerdings auch nicht, wenn sie ihr Geld in Singapur oder Vaduz verstecken. Steuerhinterzieher bringen ihr Geld am besten noch nach London.

Zumindest strategisch haben sich die Banken schon seit 10 Jahren auf die Probleme mit ausländischen Steuerbehörden vorbereitet. Weckruf waren Steueramnestien, so in Italien in den Jahren 2001 und 2003: Italiener nutzten die Chancen, deklarierten ihr Vermögen und zogen es aus der Schweiz ab. Andere Länder folgten dem Beispiel, so Deutschland oder derzeit Holland.

Gehilfen der Steuerbehörden

Die Schweizer Banken reagierten auf solche Offensiven, indem sie im Ausland Filialen eröffneten, um das Geld aufzufangen. Heute hat die UBS im Ausland 100 Private-Banking-Filialen. Auch die CS ist weltweit präsent und betreibt in Singapur gar die grösste Niederlassung für die Vermögensverwaltung ausserhalb der Schweiz. Selbst kleinere Banken wie Julius Bär, Sarasin und Vontobel sind ins Ausland gegangen.

Trotz solchen Angeboten wird es immer Ausländer geben, die ein Schweizer Depot möchten. Sie leben in Ländern, wo die politischen Verhältnisse unberechenbar sind. Ein Konto im Ausland ist für sie ein Notgroschen, doch ihr Geld wird das traditionelle europäische Offshore-Geschäft nicht kompensieren. Die Banken werden aber ohnehin den Anlegern nicht mehr einfach Finanzprodukte verkaufen können. «Viele Familien wollen derzeit ihr Vermögen auf Steuerkonformität überprüfen lassen und suchen vertrauenswürdige und erfahrene Berater», sagt Fritz Kaiser vom Liechtensteiner Vermögensverwalter Kaiser Ritter Partner. Vielleicht wird sich die Schweiz gegenüber einzelnen Ländern gar verpflichten müssen, nur Geld von Kunden anzunehmen, die auch Steuern bezahlen. Liechtenstein hat dieses Zugeständnis gegenüber Grossbritannien gemacht und wird so zum Gehilfen der dortigen Steuerbeamten.