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Diese drei Brüder schreien Zalando nach vorne

Zalando krempelt derzeit den Schweizer Markt um – die Fäden ziehen umstrittene Geldgeber. Allen voran Marc (41), Oliver (39) und Alexander (37) Samwer. Die drei Brüder gehören zu den erfolgreichsten Internetunternehmern der Welt.

Thomas Schlittler
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Auffällige und aggressive Werbekampagnen scheinen sich auch in der Schweiz zu lohnen: Gemäss einer gestern veröffentlichten Studie der Gesellschaft für Konsumforschung haben bereits 30 Prozent der Deutschschweizer Frauen bei Zalando eingekauft. Eine beachtliche Quote, wenn man bedenkt, dass der Berliner Versandhändler erst seit Oktober 2011 in der Schweiz aktiv ist.

Die lauten, einprägsamen «Schrei-vor-Glück»-Werbespots sind aber sicherlich nur ein Grund für das rasante Wachstum von Zalando hierzulande. Mindestens ebenso wichtig dürfte ein Versprechen sein, das es im Schweizer – und europäischen – Versandhandel bis dahin kaum gab: kostenlose Lieferungen und Gratis-Rücksendungen. Dieser Service kommt bei den überwiegend weiblichen Kunden offensichtlich an: Laut Branchenkennern jagt Zalando anderen Versandhäusern Marktanteile ab. Sogar beim Paketvolumen der Schweizerischen Post macht sich der Markteintritt von Zalando deutlich bemerkbar: «Auch wir würden am liebsten schreien vor Glück», wurde ein Leiter eines Paketzentrums in einem Artikel der Personalzeitung kürzlich zitiert.

Verluste vermutet

Der Umsatz der Zalando GmbH ist gemäss Angaben des Unternehmens seit 2009 – dem ersten Jahr nach der Gründung – regelrecht in die Höhe geschossen. 2009 setzte Zalando netto 6 Millionen Euro um, 2010 150 Millionen Euro und 2011 waren es schon 510 Millionen. Die (entscheidenden) Gewinnzahlen gibt das Unternehmen hingegen nicht bekannt. Die letzten verfügbaren Zahlen stammen aus den Jahren 2009 und 2010. In diesen Jahren resultierte ein Verlust von 1,6 respektive 20 Millionen Euro.

Auch die für den Geschäftserfolg so wichtige Retourenquote gibt Zalando nicht bekannt. Das gibt Raum für Spekulationen. In verschiedenen Medien machten Gerüchte die Runde, dass bis zu 70 Prozent der bestellten Waren an Zalando zurückgesandt werden. Sollte diese Quote zutreffen, wäre rentables Wirtschaften kaum möglich, sind sich Experten einig.

Die vermuteten Verluste tragen bei Zalando finanzstarke Geldgeber. Allen voran Marc (41), Oliver (39) und Alexander (37) Samwer. Die drei Brüder gehören zu den erfolgreichsten Internetunternehmern der Welt und sollen gemäss dem US-Magazin «Business Week» inzwischen über eine Milliarde Dollar besitzen. Bei Zalando setzen sie auf Wachstum, und hoffen, dass sich mit der Zeit auch die Profitabilität einstellen wird – oder dass sie das Unternehmen gewinnbringend verkaufen können.

In der Vergangenheit erwischten die Samwer-Brothers immer wieder den richtigen Zeitpunkt, um ihre Neugründungen oder Beteiligungen zu verkaufen. Den Anfang machten sie 1999, als sie Alando, eine Kopie des US-Internetkautionshauses Ebay, gründeten. Bereits nach gut 100 Tagen konnten sie ihren Ebay-Klon für 43 Millionen Dollar ans amerikanische Original verkaufen.

Gutes Händchen, schlechter Stil

Es folgte eine Firmengründung nach der anderen: Die Brüder waren an Jamba, StudiVZ, Citydeal, Groupon, Facebook und vielen anderen Internetfirmen beteiligt. Oft wurden die Unternehmen dabei schnell aufgebläht und dann abgestossen. Ein einträgliches Geschäft – zumindest für die Samwers.

Die Käufer hatten oft nicht so viel Spass mit ihren Neuerwerbungen: Das Geschäftsmodell von Jamba brach nur kurze Zeit nach der Übernahme zusammen, StudiVZ ist neben Facebook zunehmend bedeutungslose, und bei Citydeal mussten kurz nach der Übernahme über zehn Prozent der Mitarbeiter gehen. Zalando – gegründet 2008 – ist bereits die langfristigste Beteiligung der drei Brüder.

Doch nicht nur die Geschäftspraktiken der erfolgreichen Brüder sind umstritten. Auch betreffend ihr Umgang mit Angestellten geniesst das medienscheue Trio einen schlechten Ruf. Besonders Oliver gilt als Scharfmacher. Er soll schon mit einem Locher nach einem Mitarbeiter geworfen haben und in Mails habe er Strategien «unterschrieben mit Blut» gefordert. Im gleichen Mail soll er über sich selbst geschrieben haben: «Ich werde sterben, um zu gewinnen.»