Diese Folgen hat der historische Öl-Deal für die Wirtschaft und die Konsumenten

Die Organisation der erdölexportierenden Länder und ihre Partner haben sich am Wochenende auf eine historisch geltende Kürzung der Ölproduktion geeinigt. Acht Fragen und Antworten zum Deal.

Andreas Möckli und Gabriela Jordan
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Der Ölpreis reagiert zunächst kaum auf die deutliche Kürzung der weltweiten Ölproduktion.

Der Ölpreis reagiert zunächst kaum auf die deutliche Kürzung der weltweiten Ölproduktion.

Andrew Gombert / EPA

Obwohl sich die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) und ihre Partner auf eine Kürzung der Ölproduktion geeinigt haben, reagiert der Ölpreis kaum. Weshalb?

Anfänglich stieg der Ölpreis der Sorte Brent am Montag um 8 Prozent, am Schluss des Tages blieb jedoch nur ein Anstieg von einem Prozent übrig. Am Dienstag sank der Preis wieder leicht. Analysten und Experten verweisen darauf, dass die beschlossene Kürzung der Ölproduktion nicht ausreichen wird, um die tiefere Nachfrage seit Ausbruch der Coronakrise auszugleichen. Die Mitgliedsstaaten der Opec, Russland und andere wichtige Ölförderer beschlossen, die Menge um 10 Produzent zu reduzieren, die vor dem Ausbruch der Coronakrise täglich gefördert wurde. Die Nachfrage ist laut Schätzungen jedoch um 30 Prozent gesunken.

Warum ist die Nachfrage so stark eingebrochen?

Derzeit stehen weltweit unzählige Fabriken still, die meisten Flugzeuge müssen am Boden und Schiffe in den Häfen bleiben. Dadurch sinkt die Nachfrage nach Öl markant. Seit Anfang Jahr ist der Preis der Sorte Brent um über 51 Prozent gefallen.

Welche Ziele verfolgen die Förderländer mit der Produktionskürzung?

Der Ölpreis soll mit der Drosselung stabilisiert werden. Dadurch soll der Einnahmeverlust der Ölförderer begrenzt und Hunderttausende Jobs gesichert werden. Ein stabiler Ölpreis gilt ausserdem als wichtig für die Versorgungssicherheit, da die Ölversorgung mit riesigen Investitionen verbunden ist. Mit den Förderkürzungen könnten laut den Opec-Mitgliedern Russland, USA und Saudi-Arabien die «globalen Märkte stabilisiert und die Nachhaltigkeit der Weltwirtschaft insgesamt gewährleistet» werden. Wann sich die weltweite Nachfrage nach Öl wieder erholt, hängt von der gesamthaften Erholung der Weltwirtschaft nach der Corona-Pandemie ab.

Lange waren die wichtigsten Ölproduzenten zerstritten. Wieso kam es jetzt zu einer Einigung?

Anfang März, als die Coronakrise auch Europa erfasste, hatte Saudiarabien versucht, andere Mitglieder der Opec und Russland von einer Produktionssenkung zu überzeugen. Russland lehnte dies ab. Saudiarabien konterte, indem es die Förderung erhöhte und die Preise senkte. In der Folge sank der Ölpreis zeitweise um 30 Prozent. Auch dieses Wochenende drohten die Verhandlungen zu scheitern, da Mexiko weniger zur Fördersenkung beitragen wollte als gefordert. Nicht zuletzt dank dem Druck von US-Präsident Donald Trump kam dann der Deal doch zustande.

Wie sieht der Deal im Detail aus?

Das Ölkartell Opec tritt auf die Förderbremse wie nie zuvor. Im kommenden Mai und Juni werden die Mitglieder und ihre Partner täglich zusammen 9,7 Millionen Barrel (je 159 Liter) weniger fördern. Auch danach werden die Förderlimits an die eingebrochene Nachfrage angepasst: Von Juli bis Dezember soll die Produktion um täglich 7,7 Millionen Barrel gesenkt werden. Zwischen Januar 2021 und April 2022 soll die Kürzung noch 5,8 Millionen Barrel betragen. Als Ausgangsniveau wurde jeweils die Produktionsmenge im Oktober 2018 festgelegt, für Saudi-Arabien und Russland gilt ein eigenes Ausgangsniveau von 11 Millionen Barrel pro Tag. Beide Länder werden die Hauptlast der Kürzung tragen.

Wie stabil ist die Einigung?

Der Deal ist durch die Sonderbehandlung Mexikos eher fragil und könnte dazu führen, dass auch andere Länder Ausnahmen fordern. Um die Einigung nicht zu gefährden, zeigten sich die USA, Saudi-Arabien, die Arabischen Emirate und Kuwait bereit, ihre Förderung stärker zu kürzen als ursprünglich vorgesehen. Doch auch dies hat einen Schönheitsfehler: Anders als Saudi-Arabien und Russland besitzt US-Präsident Trump keinen direkten Einfluss auf die privaten amerikanischen Ölkonzerne. Sie müssen seinen Vorgaben nicht folgen. Die USA als inzwischen grösste Fördernation sind deshalb nicht Teil des offiziellen Deals. Die Geschichte der Opec lehrt ausserdem, dass die Quotentreue nicht besonders stark ausgeprägt ist. Hinzu kommt, dass die Opec nur noch für ein Drittel des weltweiten Angebots steht.

Was heisst das nun für die Konsumenten?

Die Opec hofft dennoch, dass sich der Ölpreis mit diesen Massnahmen wieder erholt. In diesem Fall könnte auch der Benzinpreis an den Tankstellen wieder steigen. In der Schweiz bewegen sich die Benzin- und Dieselpreise traditionellerweise jedoch auf verhältnismässig konstantem Niveau. Massive Preisschwankungen an den Schweizer Zapfsäulen gibt es selbst bei internationalen Krisen in den Erdölfördergebieten oder bei Produktionsbeschränkungen durch die Förderländer nur in geringem Ausmass, heisst es bei der Schweizer Erdölvereinigung Avenergy auf Anfrage. Das liege daran, dass der Benzinpreis in der Schweiz nur zu einem geringen Teil vom Rohölpreis bestimmt wird. Viel entscheidender seien Mineralölsteuer, Mineralölsteuerzuschlag und Importabgaben. «Die staatlichen Abgaben machen mehr als die Hälfte des Benzinpreises aus», sagt ein Sprecher. Hinzu kämen Vertriebs-, Beschaffungs- und Frachtkosten.

Wie sieht es beim Heizöl aus?

Beim Heizöl sind die Preise zwar etwas volatiler als bei den Treibstoffen. «Wie sehr die Einigung der Opec und ihrer Partner aber tatsächlich die Rohölpreise zu stützen vermögen, ist nicht abzusehen», sagt der Sprecher. Avenergy Suisse mache niemals Preisprognosen. Fakt sei aber, dass trotz der derzeitigen erhöhten Heizölbestellungen aufgrund des attraktiven Preises die Versorgungssicherheit jederzeit garantiert sei.

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