Saudi-Arabien/Russland
Diese Folgen hat der Ölpreis-Crash für die Wirtschaft und die Konsumenten

Nachdem Saudi-Arabien angekündigt hat, die Fördermenge zu erhöhen und die Preise zu senken, sinkt der Ölpreis in den Keller. Die Aktienmärkte leiden. Andere profitieren hingegen von der Ölkrise.

Stefan Ehrbar
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Der tiefe Ölpreis könnte Staaten wie dem Irak, die auf die Einnahmen angewiesen sind, destabilisieren.

Der tiefe Ölpreis könnte Staaten wie dem Irak, die auf die Einnahmen angewiesen sind, destabilisieren.

Keystone

Der Ölpreis befindet sich auf einer Talfahrt. Am Montagmorgen um 9 Uhr kostete ein Barrel der Sorte Brent noch 33.26 Dollar pro Barrel – ein Einbruch von knapp 27 Prozent gegenüber Börsenschluss am Freitagabend. Das müssen Sie zum Einbruch der Ölpreise wissen.

Warum sinkt der Ölpreis?

Wegen des Corona-Virus und seinen Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ist der Ölpreis seit Jahresbeginn um etwa ein Drittel gesunken. Die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) wollte darum die Fördermenge bis Ende Jahr um zusätzliche 1,5 Millionen Barrel pro Tag senken, um die Preise zu stützen. Das entspräche etwa 1,5 Prozent der weltweiten Produktion. Russland als einer der grössten Erdölförderer der Welt wollte sich an diesen Plänen aber vorerst nicht beteiligen. Das Land ist nicht Mitglied der Opec. Schon im Dezember hatten 24 Länder des Verbunds «Opec+» sich darauf geeinigt, die Produktion um 2,1 Millionen Barrel täglich zu reduzieren. Dieser Kürzung stimmte auch Russland zu.

Was passierte nach der Ablehnung der Kürzung durch Russland?

Russland hat lediglich einer Verlängerung der bereits im Dezember beschlossenen Kürzung zugestimmt. Saudi-Arabien hat daraufhin dieses Wochenende angekündigt, die eigene Ölproduktion zu steigern und gleichzeitig den Preis um bis zu 20 Prozent zu senken. Wie die «Financial Times» schreibt, könnte es dem Königreich darum gehen, Russland für seine Ablehnung zu bestrafen. Es gehe darum, mehr Öl zu verkaufen, um die Verluste zu kompensieren, wird ein Insider zitiert. Nachdem die Pläne Saudi-Arabiens publik wurden, kam es zum grössten Einbruch des Ölpreis an den Börsen seit dem zweiten Golfkrieg.

Wer leidet unter dem tiefen Ölpreis?

Die Aktienkurse der grossen Ölproduzenten weltweit sanken in Folge der Ankündigung. Besonders hart getroffen werden Firmen, die in den USA zu relativ hohen Kosten Öl produzieren. Insbesondere die US-Schieferölindustrie dürfte laut «Handelsblatt» leiden. Andererseits könnten Länder wie Libyen, Nigeria oder Venezuela, die auf die Einnahmen aus der Ölförderung angewiesen sind, weiter destabilisiert werden. Die Reaktion Saudi-Arabiens schürt zudem die Angst der Anleger vor einem Preiskrieg. Investoren flüchten sich aus Aktien in sichere Häfen wie Staatsanleihen oder den Schweizer Franken.

Welche Auswirkungen hat der Öl-Crash auf die Schweiz?

Zu Handelsbeginn büsste der Swiss Market Index (SMI) am Montagmorgen zeitweise um über 6 Prozent ein. Besonders die Aktien der beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse leiden, aber auch die Papiere der ABB und von Swatch werden verkauft. Schweizer Firmen, die vom Ölmarkt stark abhängig sind, leiden besonders: Die Sulzer-Aktie verzeichnete am Montagmorgen um 10 Uhr ein Minus von 20,5 Prozent gegenüber Freitagabend. Der Schweizer Franken dürfte hingegen noch mehr unter Druck kommen.

Wer profitiert vom tiefen Ölpreis?

Die wegen des Corona-Virus stark gebeutelte Aviatik-Branche profitiert von gesunkenen Ölpreisen. Das Kerosin macht etwa einen Viertel der operativen Kosten von Airlines aus. Daneben profitieren auch Konsumenten: Autofahren wird billiger und günstigere Energiepreise können den Konsum ankurbeln. Unter dem Strich dürfte die Wirtschaft von tieferen Ölpreisen profitieren. In einer Studie kam der Internationale Währungsfonds 2014 zum Schluss, dass die Weltwirtschaft um etwa 0,2 Prozent zunimmt, wenn der Ölpreis um 10 Prozent sinkt.