Bell

Diese Frau steht auf Fleisch

Seit Anfang 2010 führt die Lenzburger Lebensmittelingenieurin Thorid Klantschitsch die Schweizer Geschäfte des Fleischverarbeiters Bell.

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Die Chefin von Bell Schweiz im Interview Wirtschaft

Die Chefin von Bell Schweiz im Interview Wirtschaft

Ruedi Mäder

In der Hochdorf-Gruppe führten Sie ein Team von 60 Personen. Bei Bell tragen Sie Verantwortung für 3300 Personen und einen Milliardenumsatz. Wie haben Sie den Wechsel erlebt?

Thorid Klantschitsch: Es war an sich thematisch ein einfacher Wechsel. Milch und Fleisch sind auf der politischen Ebene nicht sehr weit voneinander entfernt, wobei die Fleischbranche besser organisiert ist. Was das Management betrifft, gleichen sich viele Themen, unabhängig von der Grösse einer Firma. Ich wurde hier sehr gut eingeführt und konnte mich gezielt einarbeiten.

Welches war für Sie die grösste Herausforderung am neuen Ort?

Klantschitsch: Ich habe Direktunterstellte, mit denen ich auf einer Vertrauensbasis zusammenarbeite. Erzählen mir meine Mitarbeitenden, was wirklich Sache ist oder versuchen sie, die Dinge zu beschönigen? Vertrauen muss zuerst aufgebaut werden, hier sehe ich den grössten Challenge.

Es scheint Ihnen in den doch wesentlich grösseren Schuhen wohl zu sein.

Klantschitsch: Auch vom Bell-CEO und dem Verwaltungsrat erhalte ich sehr guten Support. Ich erhalte jene Unterstützung, die es braucht, damit ich meine neue Funktion erfolgreich ausüben kann.

Im ersten Halbjahr ist die Nachfrage nach Rind- und Kalbfleisch kräftig gestiegen – zulasten des Schweinefleischs. Ist das die Folge einer besseren Konsumentenstimmung?

Klantschitsch: Das sähen wir gerne so. Aber der Grund liegt darin, dass Kunden zahlreiche Aktionen gefahren haben, wobei edle Fleischstücke teilweise bis zu 40 Prozent günstiger zu haben waren. Das erzeugte eine hohe Nachfrage. Wurstwaren blieben im Regal liegen. In der Folge sank vorübergehend auch unser Umsatz im Charcuteriebereich.

Der Kühlhausbrand bei Frigo St. Johann in Basel stellte einen Tiefpunkt im ersten Halbjahr dar. Wie gross ist der Schaden?

Klantschitsch: Der Schaden beträgt rund 50 Millionen Franken – 40 Millionen für die verbrannte Ware, 10 Millionen für die Gebäude. Er ist vollumfänglich durch Versicherungen abgedeckt.

Wie geht es nach dem Abriss der beschädigten Kühlhäuser weiter?

Klantschitsch: Im Oktober sollten wir die beiden Tiefkühlhäuser abreissen können. Wir wollen die Frigo als Anbieter von Logistikdienstleistungen solid neu platzieren. Wir sind daran, mehrere Szenarien durchzurechnen. Ich kann den Investitionsaufwand noch nicht beziffern.

Sie erwägen allenfalls eine Verschiebung ins Mittelland?

Klantschitsch: Grundsätzlich wollen wir am Standort Basel festhalten. In Niederbipp haben wir uns aber ein Vorkaufsrecht für 150000 Quadratmeter Land gesichert und sind auch dort am Prüfen. Die Frage lautet, welche Teile wo am meisten Sinn machen. Bis in zwei, drei Monaten wissen wir mehr.

Apropos Konsum: Ich nehme an, dass Sie sowohl auf Milchprodukte als auch auf Fleisch stehen. Trifft das zu?

Klantschitsch: Ich liebe Lebensmittel allgemein und Fleisch besonders! Wir haben in der Schweiz ausgezeichnete Produkte. Ich komme aus einem Elternhaus, in dem Kochen immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Mein Vater hat uns Kindern auch die Passion fürs Kochen mitgegeben.