Banken
Diese Reklamationen sind Dauerbrenner bei der Ombudsstelle

Im letzen Jahr waren es vor allem die Gebühren, die den Schweizer Bankenombudsmann Marco Franchetti auf Trab hielten.

Daniel Zulauf
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Der Schweizer Bankenombudsman Marco Franchetti muss regelmässig Reklamationen wegen Gebühren bearbeiten.

Der Schweizer Bankenombudsman Marco Franchetti muss regelmässig Reklamationen wegen Gebühren bearbeiten.

KEYSTONE/WALTER BIERI

Das Jahr 1993 hat in der Geschichte der Schweizer Banken eine besondere Bedeutung. Nicht, weil die Bankiervereinigung in jenem Jahr eine unabhängige Streitschlichtungsstelle ins Leben rief, woran der Banken-Ombudsman Marco Franchetti an einer Medienkonferenz gestern erinnerte. Einen speziellen Platz in den Annalen der Kreditwirtschaft hat das Jahr 1993, weil das Gebührenkartell aufgehoben wurde. Während Jahrzehnten zahlten Kunden bei jeder Bank gleich viel, etwa für die Kontoführung.

Fehlender Wettbewerb führt erfahrungsgemäss zu überhöhten Preisen und zu schlechteren Leistungen. Im ersten Jahr nach dem «Big Bang» hielt sich die Freude der Kunden allerdings in Grenzen. Von einem Gebühren-Dschungel war die Rede. Bundesrätin Simonetta Sommaruga, seinerzeit Geschäftsführerin der Schweizerischen Konsumentenstiftung, forderte mehr Transparenz. Nur die in den Geschäftsbedingungen erwähnten Gebühren und Kommissionen dürften den Kunden verrechnet werden, forderte sie.

Auch heute noch gehören Streitigkeiten um Gebühren und Kommissionen zum Kerngeschäft des Ombudsmans. Gebühren seien ein «Dauerbrenner», stellte Franchetti fest. Umstritten sei dabei häufig, ob Gebühren vertragskonform eingeführt respektive angepasst wurden. Nicht schlecht staunte eine im Ausland lebende Kundin, als ihr nach Auflösung eines Sparkontos kein Guthaben, sondern eine Forderung verblieb. Die Bank hatte die Gebühren massiv erhöht und die entsprechenden Mitteilungen in die banklagernde Post gelegt, wo sie ungelesen liegen blieben. Die verdutzte Frau wandte sich an den Ombudsman, der die Bank zur Rückerstattung eines grossen Teils der aufgelaufenen Gebühren bewegen konnte.

Anzahl Beschwerden stagniert

Der Fall zeigt exemplarisch, dass die Gebühren im Zug der Nullzinspolitik der Nationalbank auch ökonomisch eine erhebliche Bedeutung erlangt haben. Während die Führung eines Privatkontos 1994 bei den meisten Banken gratis war, kostet diese Dienstleistung heute 60 Franken im Jahr oder mehr. Von den 2027 Fällen, welche die Ombudsstelle 2017 abschliessen konnte, bezogen sich 54 Prozent auf das Sachgebiete Konti, Zahlungsverkehr und Karten. Insgesamt stagniert die Zahl der Anfragen beim Ombudsmann seit einigen Jahren. Franchetti wertet dies als Beleg für den «hohen Bekanntheitsgrad» der Schlichtungsstelle. Unter dem neuen Finanzdienstleistungsgesetz werden die Banken jeden Neukunden auf die Existenz der Ombudsstelle hinweisen müssen. Dann wird sich zeigen, wie hoch der Bekanntheitsgrad der Ombudsstelle heute wirklich ist.