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DIESEL-SKANDAL: VW: Umrüstung geht stark ins Geld

Rund 129 000 in der Schweiz eingelöste Autos des VW- Konzerns müssen zurück in die Werkstatt. Auf dem einheimischen Automarkt herrscht Verunsicherung.
Auf VW kommt nach der Dieselmanipulation eine veritable Umrüstungswelle zu. Im Bild: Produktion eines VW Golf im Werk in Zwickau, Deutschland. (Bild: AP/Jens Meyer)

Auf VW kommt nach der Dieselmanipulation eine veritable Umrüstungswelle zu. Im Bild: Produktion eines VW Golf im Werk in Zwickau, Deutschland. (Bild: AP/Jens Meyer)

Maurizio Minetti

In der Autobranche bereitet man sich seit Tagen auf die bevorstehende Umrüstungsaktion von zahlreichen Volkswagen vor. Vor einer Woche musste der deutsche Autokonzern einräumen, dass in weltweit elf Millionen Dieselautos die Software so manipuliert wurde, dass bei einem Abgastest nicht der reale Schadstoffausstoss angezeigt wird, sondern ein viel tieferer Wert. Laut der amerikanischen Umweltschutzbehörde sollen die betroffenen Autos im Alltagsbetrieb die festgelegten Emissionsgrenzen um das 40-Fache überschreiten. Konzernchef Martin Winterkorn musste im Zuge des Skandals den Hut nehmen. Gegen ihn wird mittlerweile in Deutschland ermittelt (siehe Kasten).

Der Umrüstungsplan steht

In der Schweiz sind laut einer internen Auswertung von Volkswagen 128 802 bereits in Verkehr gesetzte Fahrzeuge betroffen, so Amag. Die Fahrzeuge verschiedener Marken des VW-Konzerns sind ausschliesslich mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet (siehe Box unten).

Volkswagen hat die Manipulation früh zugegeben und betont, man werde die Kosten für die Behebung der Softwaremanipulation selbst übernehmen. Wie hoch diese sein werden, ist allerdings noch unklar. VW spricht lediglich von «gewaltigen Kosten». Seit Tagen arbeitet VW unter Hochdruck an einer Nachbesserungsaktion für die von den Abgasmanipulationen betroffenen Dieselfahrzeuge. Eine Lösung hat man in Wolfsburg zwar noch nicht gefunden, dafür steht schon mal ein Plan für eine «gross angelegte Umrüstaktion», wie der Schweizer VW-Importeur Amag gestern mitteilte. Die genaue Art der Massnahme sei vom Hersteller noch nicht bestimmt, betont Amag-Sprecher Livio Piatti.

Astra muss Umrüstung genehmigen

In der Mitteilung von Amag ist von einem «Aktionsplan zur Nachbesserung des Abgasverhaltens von Dieselfahrzeugen» die Rede, der von Volkswagen stammt. Im Rahmen dieses Plans werden zuerst die Kunden offiziell darüber informiert, dass «das Abgasverhalten ihres Fahrzeugs nachgebessert werden muss», wie es Amag formuliert. Volkswagen und die anderen betroffenen Marken des Konzerns wollen noch im Oktober den zuständigen Behörden «die technischen Lösungen und deren Umsetzbarkeit demonstrieren». Diese Massnahmen müssen die jeweiligen Zulassungsbehörden – in der Schweiz das Bundesamt für Strassen (Astra) – aber erst noch genehmigen. Anschliessend folgt eine weitere individuelle Information der Fahrzeughalter, um danach Werkstatt-Termine zu vereinbaren, wie Amag schreibt. Die Fahrzeuge seien weiterhin technisch sicher und fahrbereit, betont Amag. Was der Importeur jedoch nicht schreibt: Die Autos dürften nach dem Update weniger effizient sein, das heisst mehr Diesel verbrauchen und weniger Leistung haben.

Hohe Kosten

Für Amag ist es nicht ganz einfach, an die aktuellen Adressen der Fahrzeughalter zu kommen. Die Halterdaten erheben die kantonalen Strassenverkehrsämter, welche sie regelmässig dem Astra nach Bern übermitteln. Diese Daten muss Amag nun vom Astra kaufen, wie Kenner der Autobranche sagen. Beim Astra konnte niemand zum Preis der Datenbeschaffung Auskunft geben. Amag-Sprecher Livio Piatti betonte aber: «Volkswagen übernimmt die volle Verantwortung und auch die Kosten für notwendige Massnahmen.» Amag selbst könne die Kosten aktuell nicht beziffern, so der Importeur.

Verkaufsstopp für Neuwagen

An Lager bei den offiziellen Amag-Händlern hat es nur noch wenige betroffene Fahrzeuge. Amag hat für Neuwagen mit der mittlerweile veralteten Euro-5-Abgasnorm einen sofortigen Verkaufsstopp für «wenige hundert Neuwagen» erlassen, die sich in Schinznach-Bad an Lager befinden. Diese Fahrzeuge sollen nach erfolgten Modifikationen so schnell wie möglich wieder in den Verkauf gelangen.

In der gestern von Amag kommunizierten Zahl betroffener Fahrzeuge sind die Verkaufszahlen von allen offiziellen Handelsorganisationen mitgemeint, nicht aber die Zahlen der privaten, sogenannt freien Händler, die zum Beispiel direkt aus dem Ausland parallel importieren. Der zuständige Verband freier Autohandel (VFAS) teilte gestern mit, dass man von etwa tausend weiteren betroffenen Autos ausgehe, die unimmatrikuliert in den Garagen stehen. Diese Autos sind zwar vom Verkaufsstopp von Amag nicht betroffen, doch weil das Astra den Entzug der Typengenehmigung angekündigt hat, rechnen sie damit, auf den betroffenen Autos sitzen zu bleiben.

Freie Händler drohen mit Klage

Durch den Entzug werden die Wagen nämlich praktisch unverkäuflich, denn sie werden gar nicht mehr zugelassen. Der VFAS beziffert den Schaden, der den Händlern dadurch entsteht, auf «Millionen Franken», wie es in der Mitteilung von gestern heisst. Die freien Händler überlegen sich darum eine Schadenersatzklage gegen den VW-Konzern. Die Zahl betroffener Autos, die frei, also zum Beispiel parallel, importiert wurden und in der Schweiz bereits eingelöst sind, kann der VFAS nicht beziffern.

Das Ausmass des Skandals ist indessen auch mehr als eine Woche nach Bekanntwerden der Affäre nur in Umrissen bekannt. Der neue Konzernchef Matthias Müller hatte am Freitag nach seiner Ernennung «maximale Transparenz» angekündigt. An der Börse verlor die Aktie von Europas grösstem Autobauer bis zum Nachmittag fast 8 Prozent.

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