Dieter Vranckx ist der neue Swiss-Chef – vom «Drohmeister» bis zum Pechvogel: So erfolgreich waren seine Vorgänger

Zu Beginn ihrer Geschichte hatte die Swiss mit André Dosé einen Schweizer als CEO. Danach kamen drei deutsche Manager – mit unterschiedlicher Bilanz.

Benjamin Weinmann
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Von oben links: André Dosé, Christoph Franz, Harry Hohmeister und Thomas Klühr.

Von oben links: André Dosé, Christoph Franz, Harry Hohmeister und Thomas Klühr.

Chris Iseli/Kenneth Nars/Keystone/Montage: CH Media

Jetzt ist die Sache klar: Dieter Vranckx, der aktuelle Chef von Brussels Airline mit belgischem und Schweizer Pass, folgt auf Thomas Klühr und leitet ab 2021 die Geschicke der Lufthansa-Tochter. Erstmals seit 2004 hat Swiss mit dem 47-Jährigen Vranckx somit wieder einen Schweizer im Cockpit. Es ist ein Anlass für einen Rückblick auf die bisherigen Chefs der Airline und ihre Hinterlassenschaft.

Inhaltsverzeichnis

    André Dosé: Der Pechvogel

    2002 - 2004: André Dosé.

    2002 - 2004: André Dosé.

    Werner Schelbert

    Der ehemalige Crossair-Pilot und Zögling von Crossair-Patron Moritz Suter war 2002 der erste CEO der neuen Swiss, die aus der untergegangenen Swissair entstanden war. Es war kein einfacher Start. Die wirtschaftlichen Folgen von 9/11 wogen schwer. Die hochfliegenden Pläne mussten sehr bald gestutzt werden, Massentlassungen waren die Folge.

    Hinzu kamen die Sars-Pandemie in Asien und der Irak-Krieg. 2003 dann der Verkauf der Swiss an die Lufthansa. 2004 trat Dosé im Zuge der Untersuchungen zum Crossair-Absturz in Bassersdorf zurück, wurde später aber von jeglicher Schuld freigesprochen. Heute ist Dosé Berater und Stiftungspräsident beim Garantiefonds der Schweizer Reisebranche.

    Christoph Franz: Der Charmeur

    2004 - 2009: Christoph Franz.

    2004 - 2009: Christoph Franz.

    © Sebastian Derungs, Reuters / X01281,SON

    Vom Führerstand ins Cockpit: Christoph Franz war von 1994 bis 2003 bei der Deutschen Bahn tätig, war zum Schluss als Geschäfsleitungsmitglied aber erfolglos. Dennoch wurde er 2004 zum Nachfolger von André Dosé ernannt. Der Frankfurter fasste schnell Fuss, überzeugte intern und extern als gewiefter Charmeur, sanierte die Swiss.

    Dabei konnte er sich auf seine Nummer 2 verlassen, die im Hintergrund mit harter Hand führte und die junge Airline auf Kosteneffizienz trimmte: Sein Nachfolger Harry Hohmeister, der 2009 den Steuerknüppel übernahm. Franz, der inzwischen auch den Schweizer Pass hat, wurde später Lufthansa-Chef und ist heute Roche-Präsident.

    Harry Hohmeister: Der Drohmeister

    2009 - 2015: Harry Hohmeister

    2009 - 2015: Harry Hohmeister

    Walter Bieri / KEYSTONE

    Kein Swiss-Chef wusste so gekonnt für Polemik zu sorgen, wie Harry Hohmeister. Der Norddeutsche legte sich regelmässig mit den Gewerkschaften an, sprach in Bezug auf die Piloten von einem «Beamtenstadel», achtete auf jeden Franken und drohte öfters mit dem Abwandern der Swiss-Flüge ins Ausland. Intern erhielt er den Spitznamen «Drohmeister».

    Wie noch heute gemunkelt wird, brachte er die Piloten gar an den Rand eines Streiks mit seinen Forderungen in Gesamtarbeitsverhandlungen. Aber: Hohmeister, der am längsten als Swiss-Chef amtete, war erfolgreich. Die Zahlen stimmten, er leitete die Flottenerneuerung ein und übergab seinem Nachfolger eine topfitte Airline – die Cashcow im Lufthansa-Konzern.

    Thomas Klühr: Der Beliebteste

    2016 - 2020: Thomas Klühr.

    2016 - 2020: Thomas Klühr.

    Ennio Leanza / KEYSTONE

    Kaum trat Thomas Klühr seine Aufgabe als neuer CEO der Swiss an, wurden Unkenrufe laut. Moniert wurde, dass es schon wieder ein Deutscher sei, und dass Klühr wohl bloss ein Statthalter sei, nachdem Hohmeister inzwischen in den Lufthansa-Vorstand gewechselt war. Und das grösste Problem bei seiner Ernennung 2016 waren die Kapazitätsprobleme in der boomenden Aviatik.

    Doch es kam anders: Klühr überzeugte als smarter und vor allem empathischer CEO, der nach Hohmeisters Ära die miese Personalstimmung und das Image der Airline massiv verbesserte und Rekordergebnisse präsentieren konnte – bis Corona kam. Kein Swiss-Chef war intern je beliebter als der besonnene Franke.