Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DIGITAL: Es funkt an der Ladenkasse

Bezahlen per Smartphone dürfte sich langfristig etablieren. Welche Anbieter sich durchsetzen werden, ist noch nicht absehbar. Türschlösser könnten der Technik zum Durchbruch verhelfen.
Maurizio Minetti
Bargeldlose Bezahlung setzt sich immer mehr durch – bei Apps und Angeboten herrscht jedoch noch ein grosses Durcheinander.Bild: Getty

Bargeldlose Bezahlung setzt sich immer mehr durch – bei Apps und Angeboten herrscht jedoch noch ein grosses Durcheinander.Bild: Getty

Es sind noch keine zehn Jahre vergangen, seit Apple mit dem iPhone das moderne Smartphone erfunden hat. Und doch haben diese Geräte schon viele Branchen umgepflügt. Eine davon ist die Finanzindustrie. Wird heute an den Verkaufspunkten noch mehrheitlich mit Bargeld bezahlt, könnte künftig nur noch das Smartphone an der Kasse gezückt werden. Oder die Smartwatch. Zumindest lassen einschlägige Studien eine solche Entwicklung erahnen.

Doch wenn es um das Bezahlen per Smartphone geht, herrscht heute in der Schweiz ein grosses Durcheinander. Banken, Kreditkartenanbieter, Detailhändler, IT-Konzerne, Start-ups – alle wollen ein Stück vom Kuchen haben und bieten entsprechende Apps oder Lösungen an (siehe unten). Dabei befand sich die Schweiz bis vor kurzem noch im Tiefschlaf. Erst im Mai haben sich die Banken, der Infrastrukturbetreiber SIX, die Detailhändler Migros und Coop sowie Swisscom auf das gemeinsame Smartphone-Bezahlsystem Twint geeinigt. Zuvor hatten die Banken mit Paymit ein eigenes Produkt vorangetrieben.

Ein zartes Pflänzchen wächst

Der Berater Thomas Lang verfolgt die Entwicklung von Bezahlsystemen im Handel seit Jahren. Er sagt: «Die relevanten Akteure wollen ihre Pfründe sichern. Weil Banken und Kreditkartenanbieter gutes Geld mit dem heutigen System verdienen, hat niemand ein grosses Interesse daran, sich selber zu konkurrenzieren.» Der Druck kam freilich von aussen. IT-Konzerne wie Apple und Google haben in den letzten Jahren Systeme lanciert, die eine weltweite Abdeckung anstreben. Die Schweizer Finanzindustrie riskiert, von ihnen abgehängt zu werden.

Es stellt sich allerdings die nicht unwesentliche Frage, ob Konsumenten überhaupt mit dem Smartphone oder der Smartwatch an der Kasse bezahlen wollen. Laut der aktuellsten Schweizer Studie zum Thema lautet die Antwort Ja. Gemäss dem Media Use Index 2016 ist der Anteil der Nutzer gestiegen, die ihr Handy verwenden, um an der Kasse zu bezahlen oder Geld zu übermitteln. Bereits Ende 2014 hatte die Hochschule Luzern 413 Bankkunden zu ihrer Einstellung gegenüber Mobile Payment befragt. Es zeigte sich schon damals eine ziemlich grosse Bereitschaft der Kunden, neue Technologien zu nutzen. Rund zwei Drittel aller befragten Personen können sich vorstellen, künftig mit dem Handy zu bezahlen (siehe Grafik). Nächstes Jahr soll die Umfrage erneut durchgeführt werden.

E-Commerce-Berater Thomas Lang ist überzeugt, dass sich das Bezahlen per Smartphone langfristig durchsetzen wird: «Bargeld ist ein Auslaufmodell. Es bietet fast nur Nachteile. Der einzige Vorteil ist vielleicht, dass man den Geldfluss nicht überwachen kann.» Für Datenbewusste ist das Argument der Anonymität durchaus ein positives. Viele Staaten sehen das aber genau umgekehrt. Grosse Banknoten sind in Europa und den USA mittlerweile verpönt, weil sie der Geldwäscherei und der Finanzierung von Terrorismus dienen. Bargeld ist anonym und deshalb in Zeiten der Terrorismusbekämpfung per se verdächtig.

Langsam weg vom Bargeld

Thomas Ankenbrand, Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen der Hochschule Luzern, hat das Zahlverhalten der Konsumenten an der Kasse analysiert. Sein Fazit: «Eine schnelle massive Verschiebung auf mobile Bezahllösungen ist in der Schweiz unwahrscheinlich.» Die Entwicklung weg vom Bargeld erfolge vielmehr langsam und nicht disruptiv. Disruptiv bezeichnet die Entwicklung einer innovativen Lösung, die ein bestehendes Geschäftsmodell schnell auf den Kopf stellt. Weil die Durchdringung mit Smartphones in der Schweiz hoch sei, seien die Voraussetzungen für eine Verbreitung von Mobile Payment hierzulande aber gut, sagt Ankenbrand.

Für Thomas Lang braucht es dennoch ­einen Schubs, damit sich das Bezahlen per Smartphone durchsetzt. Er glaubt, dass viele Konsumenten Sicherheitsbedenken haben. «Obwohl dies eigentlich unberechtigt ist, weil ich ein Smartphone sperren kann, wenn ich es verliere – Bargeld hat diese Eigenschaft bekanntlich nicht.» Auch die Umfrage der Hochschule Luzern hatte gezeigt, dass die grössten Hemmschwellen für die Nutzung des Handys als Zahlungsmittel Sicherheits- und Datenschutzbedenken sind. Gemäss Lang könnte sich die Akzeptanz von Smartphones als Bezahlinstrument über eine Drittanwendung steigern lassen. Soll heissen: «Wenn wir es schaffen, dass Konsumenten sich daran gewöhnen, mit dem Smartphone ihr Haus aufzuschliessen, ist der Sprung zum Mobile Payment nicht mehr weit.» Schlösser zu öffnen, sei eine einfache Anwendung mit einem hohen Mass an Vertrauen in die Sicherheit. «Gelingt hier der Durchbruch, wird das Vertrauen in die Sicherheit solcher Technologien markant gesteigert», meint Lang.

Für Schweizer Anbieter von Bezahllösungen könnte es sich also lohnen, den Blick etwas zu öffnen.

Maurizio Minetti

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.