DIGITAL: Googles wahrer Held in der Schweiz

Google und Zürich – das ist eine Erfolgsgeschichte. Diese Woche eröffnete der Technologiekonzern seinen zweiten Standort in der Limmatstadt. Den Grundstein dazu legte Urs Hölzle. Nicht nur dies macht den Schweizer für Google wertvoll.

Dominik Buholzer
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Urs Hölzle am vergangenen Dienstag anlässlich der Eröffnung des zweiten Google-Standortes in Zürich. (Bild: PD)

Urs Hölzle am vergangenen Dienstag anlässlich der Eröffnung des zweiten Google-Standortes in Zürich. (Bild: PD)

Dominik Buholzer

In Zürich nennen sie ihn Götti. Urs Hölzle (52) ist dies schon fast ein wenig zu viel der Ehre. «Es mag sein, dass ich nicht ganz unbeteiligt bin am Erfolg. Dass Google Schweiz zum wichtigsten Entwicklungszentrum ausserhalb der USA geworden ist, liegt aber vor allem daran, dass hier solch gute Arbeit geleistet wird», betont er.

Typisch Urs Hölzle. Der Baselbieter, der an der ETH Zürich Informatik studierte, sucht die grosse Bühne nicht. Er fing 1999 als achter Mitarbeiter bei Google an und ist der beste Beweis dafür, dass man beim US-Technologiekonzern auch alt werden kann. Hölzle ist neben den beiden Gründern Larry Page und Sergey Brin der dienstälteste Googler, wie sich die Mitarbeiter nennen. Und mittlerweile einer der einflussreichsten. Ohne seine Initiative hätte der Internetriese am Dienstag wohl nicht seinen zweiten Standort in Zürich in Betrieb genommen.

Eric Schmidt: «Wieso Zürich?»

Die Geschichte von Google Schweiz begann mit einem äusserst skeptischen Blick von Eric Schmidt. «Urs schlug mir vor 15 Jahren vor, einen Standort in Zürich zu eröffnen. Meine Antwort war: Nein! Wieso Zürich?», erzählte der damalige Google-Verwaltungsratspräsident und heutige Chairman der Google-Muttergesellschaft Alphabet am Dienstag in Zürich. Hölzle versuchte geltend zu machen, dass man in Zürich die besten Ingenieure anziehen könne. Restlos überzeugen konnte er Schmidt damit nicht, aber immerhin erklärte sich dieser bereit, es mit einem kleinen Team zu versuchen. Der Rest ist Geschichte.

Heute beschäftigt Google in Zürich 2000 Personen aus 75 Nationen, und mit dem zweiten Standort bei der Sihlpost neben den Gebäuden auf dem Hürlimann-Areal sind die Voraussetzungen für einen Ausbau bis zu 5000 Personen in den kommenden Jahren geschaffen worden.

«Es hat klein angefangen und hat so gut geklappt. Und wir haben hier noch immer Potenzial», sagt Hölzle und zielt damit nicht auf personelle Aussichten ab, sondern die Philosophie von Google: Informationen zu organisieren und allen zugänglich zu machen. Das ist laut ihm einfacher gesagt als getan: «Am schwierigsten ist es, Sachen einfach zu machen.»

In Zürich braucht es Hölzle, der seit über 28 Jahren in den USA lebt, längst nicht mehr. Aber für Google ist er unersetzbar. Er wurde angestellt, um «Sachen zu verbessern», wie er sein Jobprofil in einem Interview mit dem deutschen «Manager-Magazin» erklärte. Heute ist er als Senior Vice President of Technical Infrastructure für die technische Infrastruktur zuständig. So setzte er sich unter anderem für eine konsequente Reduktion des Energieverbrauchs in den Rechenzentren ein.

Doch Hölzle ist noch viel mehr. «Was meinst du, wieso wir die besten Ingenieure haben und die besten Algorithmen?», fragte ihn Eric Schmidt am Dienstag und lieferte die Antwort gleich selber: «Der wahre Held von Google bist du.»

Bundesrat Johann Schneider-Ammann (links) und Eric Schmidt (rechts) probieren VR-Brillen aus. Bild: Dominik Buholzer (Zürich, 17. Januar 2017) (Bild: Dominik Buholzer (Zürich, 17. Januar 2017))

Bundesrat Johann Schneider-Ammann (links) und Eric Schmidt (rechts) probieren VR-Brillen aus. Bild: Dominik Buholzer (Zürich, 17. Januar 2017) (Bild: Dominik Buholzer (Zürich, 17. Januar 2017))