DIGITAL: Swisscom sieht News von Apple positiv

Der Einstieg von Apple könnte dem digitalen Portemonnaie auf dem Handy Schub verleihen. Die Swisscom, die im Juli ein eigenes System für ein digitales Portemonnaie gestartet hat, sieht die Neuigkeiten aus Cupertino positiv. Ähnlich sehen das Sunrise, Orange und Coop.

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Mit dem iPhone 6 wird bargeldloses Bezahlen möglich. (Bild: Keystone)

Mit dem iPhone 6 wird bargeldloses Bezahlen möglich. (Bild: Keystone)

Am Vorabend hatte der Konzern mit dem Apfellogo neben einer eigenen Uhr auch neue Modelle des Kulttelefons iPhone präsentiert. Zudem stellte Apple eine digitale Geldbörse im neuen iPhone 6 mit Namen Apple Pay vor. Sie ist als Alternative zu Bankkarten und Bargeld gedacht. Damit soll es reichen, das Telefon an das Lesegerät an der Kasse zu halten und die Zahlung per Fingerabdruck auf dem iPhone-Sensor zu bestätigen.

Apple Pay nutzt den Nahfunkstandard Near Field Communication (NFC), auf den die Finanzbranche bei mobilen Bezahldiensten setzt. Das System Apple Pay wird zunächst nur in den USA eingeführt.

Apple sammele dabei keine Daten, betonte iTunes-Chef Eddy Cue. «Apple weiss nicht, was Sie gekauft haben, wo Sie es gekauft haben und wie viel Sie dafür bezahlt haben.» Auch mit dem Händler würden dabei keine Karteninformationen geteilt.

Der Konzern nannte als Partner die Kreditkartenkonzerne Mastercard, Visa und American Express sowie mehrere US-Banken. Die Finanzbranche und Mobilfunkanbieter versuchen seit Jahren, eine digitale Brieftasche im Smartphone zu etablieren. Apple wird zugetraut, den Bemühungen einen kräftigen Schub zu geben.

Zusammenarbeit der drei Grossen

In der Schweiz wollen die drei grossen Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Orange der Bevölkerung die Kreditkarte auf dem Smartphone bereits mit einem eigenen System namens Tapit schmackhaft machen.

So soll bald schon die ganze Schweiz über die App ihre Waren bezahlen, indem im Geschäft einfach ein Smartphone auf ein Terminal gehalten wird und auf diese Weise fällige Beträge abgebucht werden. Für Swisscom-Kunden steht das Angebot bereits zur Verfügung. Sunrise und Orange wollen bis Ende Jahr nachziehen.

Für iPhone-Besitzer funktioniert der Dienst aber noch nicht. Denn die bisherigen iPhones sind nicht NFC-fähig. «Dass Apple jetzt auf den NFC-Zug aufspringt, wird dieser Technologie Rückenwind verleihen», sagte Swisscom-Sprecher Carsten Roetz am Mittwoch im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Denn die Schweiz ist ein «Apple-Land». Hierzulande hatten 2013 laut Roetz 40 Prozent aller Smartphonebesitzer ein iPhone. Android komme auf einen Drittel Marktanteil. In anderen Ländern sind die Android-Smartphones weit vorne. Insgesamt gab es hierzulande im Juli rund 1 Million NFC-fähige Smartphones. Mit den neuen iPhones dürften es noch viele mehr werden.

Damit ergäben sich interessante Chancen für Tapit, sagte Roetz. Bislang sei die Tapit-App über 5000 Mal heruntergeladen worden. Wie viele davon das Handy zum Bezahlen nutzten, wollte die Swisscom nicht bekannt geben.

Keine Bedrohung

Das ebenfalls am Vortag angekündigte Bezahlsystem Apple Pay sehe die Swisscom nicht als Bedrohung, sagte Roetz: «Es kann durchaus sein, dass Apple Pay erst langfristig oder gar nicht in die Schweiz kommt.» Klar sei, dass es im Markt des digitalen Portemonnaies Wettbewerb geben werde.

In anderen Ländern gebe es schon andere Konkurrenten wie beispielsweise Google Wallet, die bislang nicht in der Schweiz verfügbar seien. Das Bezahlen mit dem Smartphone sei vor allem ein lokaler Markt, sagte Roetz. Die Leute bezahlen vor allem hier.

Wichtig sei es, lokale Partner an Bord zu haben. «Das haben wir», sagte Roetz. Aktuell seien Kreditkarten von Cornèrcard Visa auf Tapit verfügbar, in Kürze auch von den Anbietern Aduno und Viseca Plastikkarten von MasterCard. Weitere Zahl-, Treue- und Zugangskarten würden folgen.

Beim Detailhändler Coop hiess es, das Bezahlen mit dem Handy stecke noch in den Kinderschuhen. Für Nutzungszahlen sei es noch zu früh, sagte Sprecher Urs Meier. Das Tapit-System laufe stabil.

Insgesamt hat beim Coop-Konzern die Plastikkarte das Bargeld überrundet. Bereits 52 Prozent der Leute bezahlten ihre Einkäufe in den Läden mit einer Debit- oder Kreditkarte, sagte Meier. Auch die ausgegebenen Beträge seien deutlich höher als mit Bargeld. Ob Apple Pay eingeführt werde, müsse man noch prüfen. Ins selbe Horn stiess die Migros.

Johannes Brinkmann, sda