Die Zuger Kantonalbank setzt auf Unabhängigkeit vom Zinsgeschäft und Digitalisierung

Die Zuger Kantonalbank kann für 2019 ein gutes Ergebnis präsentieren. 2020 verfolgt sie ein ambitioniertes Projekt.

Christopher Gilb
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Pascal Niquille (links), CEO der Zuger KB, und Bruno Bonati, der Präsident des Bankrats am Donnerstag in Zug.

Pascal Niquille (links), CEO der Zuger KB, und Bruno Bonati, der Präsident des Bankrats am Donnerstag in Zug.

Bild: Pius Amrein (23. Januar 2020)

«Das ist ein sehr gutes Er­gebnis», sagte Pascal Niquille, CEO der Zuger Kantonalbank (Zuger KB), an der Präsentation des Jahresabschlusses am Donnerstag. Und dies obwohl der Geschäftserfolg der Zuger Kantonalbank mit 107,2 Millionen Franken ein Prozent unter dem Vorjahr liege. «Denn wir haben etwa eine Million Franken weniger Zinsertrag, etwa 1,5 Millionen Franken weniger Handelserfolg und zusätzliche Kosten von etwa einer Million Franken.» Doch habe man andererseits, so Niquille, bei den indifferenten Erträgen zusätzliche Erträge in Höhe von 2,7 Millionen Franken erzielen können. Dies vor allem in der Vermögensverwaltung und im Immobiliengeschäft.

Aufstieg in höhere Finma-Kategorie

Entsprechend unabhängiger vom schwierigen Zinsgeschäft wird damit die Bank. Und diese Erträge zu steigern, sei die Strategie der Zuger Kantonalbank, so Niquille. Inzwischen machen Kommissions- und Dienstleistungsgeschäfte fast einen Drittel des Gesamtertrags aus. Der Gewinn der Zuger KB betrug 2019 insgesamt 74,4 Millionen Franken und bewegt sich damit auf Vorjahresniveau.

Da die Bilanzsumme mit 15,7 Milliarden Franken die 15-Milliarden-Marke übersteigt, prüft nun die Finanzmarktaufsicht im Frühling, ob die Zuger Kantonalbank neu nicht mehr als Kategorie-4-, sondern als Kategorie-3-Bank eingestuft wird. Also als grosser und komplexer Marktteilnehmer mit bedeutendem Risiko. «Die Überwachung wird also enger, da man grösser ist», so Pascal Niquille. Da diese Entwicklung aber zu erwarten gewesen sei, sei die Zuger Kantonalbank bereits vorbereitet. Auch was die Anforderungen in Bezug auf das Eigenkapitalpolster betreffen würden. Die Eigenkapitalausstattung konnte die Bank letztes Jahr um 26,8 Millionen Franken erhöhen und übertreffe die regulatorischen Eigenmittelvorschriften damit sehr deutlich.

Kontoeröffnung online vorbereiten

Das grosse Thema 2020 bei der Zuger Kantonalbank ist aber die Digitalisierung – sowohl bei den internen Prozessen als auch an der Schnittstelle zwischen Bank und Kunden. Bis Ende 2020 sollen die internen Prozesse weitgehend digitalisiert sein. Dabei setzt die Kantonalbank auf eine Lösung ihres bisherigen Kernbankensystemanbieters Finnova. So soll beispielsweise der Kredit- und Anlageprozess automatisiert werden. «So dass schon während dem Kundengespräch gleich alles digital erfasst wird und danach bereits die fertigen Verträge vorliegen», erklärte Niquille. Die Bank erhofft sich dadurch Effizienz- und Ressourcengewinne. Das erwartet sie sich auch vom neuen Online-Kontoeröffnungsangebot. Während bisher online bei der Zuger KB lediglich ein Termin für eine Kontoeröffnung gemacht werden konnte, wie es beispielsweise heute noch bei der Luzerner Kantonalbank der Fall ist, kann neu das Konto nahezu komplett eröffnet werden.

Über einen dynamischen Warenkorb wird dann fortlaufend der Preis für die gewählten Produkte angezeigt, wie dies bereits bei einigen anderen Banken Usus ist. Diese Möglichkeit werde rege genutzt, sagte Christof Tscherter, Leiter Digital Banking bei der Kantonalbank. Zur abschliessenden Eröffnung müssen die Kunden aber doch in die Bankfiliale, wo dann aber aufgrund der Online-­Daten alle Verträge vorbereitet seien und diese nicht noch zeitintensiv ausgefüllt werden müssten. Zwar würden teils andere Banken auch eine Online-­Identifizierung per Video-Chat anbieten, räumte Tscherter ein. Es zeige sich aber, dass diese Varianten Kunden manchmal eher abschrecken und sie deshalb abspringen würden. Zudem schätze es die Zuger KB, ihre Kunden persönlich kennen zu lernen. Auch mit dem Ziel, weitere Dienstleistungen anzubieten. Nicht rechnen muss die Masse der Kunden der Zuger KB auch weiterhin mit der Weitergabe von Negativzinsen. «Wir erheben diese wie anhin weiterhin nur im Einzelfall», so Pascal Niquille. Wann dies sei, sei eine Frage der Geschäftsbeziehung. «Wenn jemand einen Betrag im siebenstelligen Bereich auf seinem Konto liegen hat und nichts damit macht, kommen wir beispielsweise relativ schnell.»

Erfreuliches gab es für die Aktionäre des Bankinstituts zu berichten. Wie letztes Jahr wurde für sie eine Dividende von 220 Franken beantragt. Diese teilt sich in 145 Franken aus dem Bilanzgewinn und 75 Franken aus der Entnahme von Eigenkapitalreserven auf.