Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

DIGITALISIERUNG: Nächste Stufe im Zahlungsverkehr

Mit einigen Jahren Verspätung gegenüber der EU steht auch in der Schweiz dem Zahlungsverkehr eine digitale Revolution bevor. Das Mammutprojekt fordert vor allem Kleinfirmen heraus.
Daniel Zulauf
Die Digitalisierung hat den Zahlungsverkehr stark verändert – so sah Buchhaltung 1968 noch aus. (Bild: Getty)

Die Digitalisierung hat den Zahlungsverkehr stark verändert – so sah Buchhaltung 1968 noch aus. (Bild: Getty)

Daniel Zulauf

daniel.zulauf@luzernerzeitung.ch

In der Firma Arcon Informatik in Cham herrscht mehr Betrieb als sonst in dieser Jahreszeit. Das Unternehmen verkauft und realisiert Abacus-Businesssoftware-Lösungen für kleinere und mittelgrosse Unternehmen. Und die Kunden melden sich in jüngster Zeit auffallend oft mit dringlichen Anfragen. «Der Zeitdruck steigt, die Systeme an die neuen Vorgaben des digitalisierten Zahlungsverkehrs anzupassen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Rolf Fuhrer.

Das Mammutprojekt, das die Banken, die Postfinance, die Nationalbank und die Six Group, also kurz der Schweizer Finanzplatz, vor sechs Jahren in Angriff genommen hat, nähert sich nun in grossen Schritten der Realisierung. Im Hintergrund – unsichtbar für die Endnutzer – hat sich schon viel getan. Das 30 Jahre alte Zahlungssystem der Banken (Swiss Interbank Clearing) hat eine technologische Runderneuerung kürzlich zum Abschluss gebracht und damit die Voraussetzung geschaffen, dass die beschlossene Harmonisierung des Zahlungsverkehrs auf dem Finanzplatz nun zügig umgesetzt werden kann.

100 Jahre altes Fundament

Das bestehende System steht mindestens teilweise immer noch auf dem Fundament, das die Post 1906 mit der Einführung des Postcheckdienstes und mit der Lancierung einer ersten Version des Einzahlungsscheins geschaffen hatte. Im Zug der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung ist daraus eine Vielfalt von Systemen entstanden, die nicht nur offensichtliche Effizienzverluste für die Wirtschaft bedeuten, sondern auch den Weg in die neue digitale Welt versperren. Banken und Postfinance betreiben historisch bedingt unterschiedliche Systeme. Zurzeit existieren in der kleinen Schweiz zehn Verfahren und sogar mehr als zehn Standards und Formate sowie sieben verschiedene Einzahlungsscheine, die selbstredend auch noch unterschiedliche Formate und Inhalte in den Meldungen an die Kontoinhaber nach sich ziehen.

Auf Ende Jahr werden die Postfi­nance und die Banken ihre Systeme auf den neuen internationalen Standard, genannt ISO 20022, umgestellt haben. Das gaben die in der Initiative «payment­standards.ch» vereinten Finanzinstitute gestern auf einer Medienorientierung in Zürich bekannt. ISO 20022 ist eine neue, weltweit anerkannte Norm, nach der die digitalisierten Datenformate im Zahlungsverkehr aufgebaut sind.

Zum Beispiel definiert ISO 20022, dass Zahlungen nicht mehr über Kontonummern und Bankclearing-Nummern geleitet werden, sondern nur noch über die «International Bank Account Number», den sogenannten IBAN-Code, ­adressiert werden können. Die einheitliche IBAN-Nummer gilt als weniger fehleranfällig, als die von Bank zu Bank unterschiedlich aufgebauten Kontonummern. Auch Suchprozesse werden dadurch – vor allem auch im internationalen Verkehr – schneller und effizienter. Die ISO-Norm definiert auch Auftrags- und Statusmeldungen sowie Abwicklungsverfahren für Zahlungen, was ebenfalls Kosten spart.

Teure Umstellung für KMU

Gratis kommt diese Umstellung allerdings niemanden zu stehen – schon gar nicht die KMU. Das Beratungsunternehmen Deloitte rechnet mit einmaligen Umstellungskosten für die KMU von insgesamt 450 bis 550 Millionen Franken. Diese sollten allerdings durch Effizienzgewinne von jährlich fast 200 Millionen Franken nach zweieinhalb Jahren wieder eingespielt sein.

So argumentiert auch Rolf Fuhrer, der manchen Kunden in den nächsten Wochen und Monaten die Nachricht einer (je nach Fall) nicht ganz billigen Anpassung der Buchhaltungssoftware überbringen muss. Die Zeit drängt, sagt der Informatikspezialist, denn ab spätestens Mitte 2018 werden die Firmen ihre Zahlungen nur noch unter dem ­neuen Standard abwickeln können. «Viele Kunden haben einen Software-Wartungsvertrag, bei dem die Anpassung der Systeme inbegriffen ist», sagt Fuhrer. Etwa 50 Prozent der KMU müssen diese Anpassungen selber in die Wege leiten und auch die Kosten dafür tragen. Diese können für ein mittelgrosses KMU schnell bis zu mehreren tausend Franken erreichen.

Arcon und die anderen Anbieter von Business-Software können sich von der Digitalisierung des Zahlungsverkehrs neue Geschäftsmöglichkeiten versprechen. Für viele KMU eröffnen sich durch die Erneuerung der Systeme erstmals auch die Möglichkeit, den Kunden neue elektronische Dienstleistungen (E-Business) anzubieten. Eine Umstellung ist aber nicht nur bei den Zahlungen nötig: Auch die Telefonanlagen müssen umgerüstet werden (siehe Zweittext).

Für die breite Bevölkerung sichtbar wird die digitale Revolution im Zahlungsverkehr aber erst, wenn auch der gute alte Einzahlungsschein durch den einheitlichen QR-Code ersetzt wird ­(siehe Kasten). Wann dieser Ablösungsprozess gestartet werden soll, will paymantstandards.ch am 27. April bekannt geben. Die Promotoren des Projektes zur Harmonisierung des Zahlungsverkehrs betonten an der gestrigen Medienkonferenz, es werde auch mit dem QR-Code weiterhin möglich bleiben, physische Zahlungsaufträge bei der Bank einzureichen oder Einzahlungen am Postschalter vorzunehmen. Alle für die Zahlung nötigen Informationen blieben mit blossem Auge lesbar.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.