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Kolumne

Digitalisierung: Selbstverpflichtung oder Regulierung?

Ein Verzicht auf jegliche staatliche Rahmensetzung wäre angesichts der Tendenz zur Machtkonzentration in digitalen Märkten sehr naiv. Es braucht letztlich einen ausgewogenen Mix.
Magdalena Hoffmann
Magdalena Hoffmann.

Magdalena Hoffmann.

Momentan treibt mich ein Thema besonders um: «Die» Digitalisierung. Vielleicht stöhnen Sie jetzt innerlich auf und denken: «Oh, nein. Nicht schon wieder!» Kann ich gut verstehen. Das geht mir auch so. Ich schwanke zwischen Phasen der Ermüdung angesichts dieses geradezu omnipräsenten Themas und Phasen der Faszination, wenn ich realisiere, in was für einer aufregenden Zeit wir leben (zumindest aus philosophischer Sicht).

Momentan bin ich wieder in der Phase der Faszination, die – je nach Tagesverfassung, Gesprächspartner und Lektüre – entweder in Neugier, Optimismus und Gestaltungswille oder in Besorgnis, Resignation und Ohnmacht mündet. Dieses Hin und Her nervt langsam – Zeit, für mehr Ausgewogenheit zu sorgen! Da kommt das am vergangenen Mittwoch vorgestellte Gutachten der deutschen Datenethikkommission gerade recht: Soweit ich es nach der ersten Lektüre sagen kann, scheint mir dieses Dokument wohltuend differenziert zu sein. Das zeigt sich auch an der Sprache. Die interdisziplinär zusammengesetzte Kommission hat auf jeglichen Alarmismus verzichtet, benennt gleichwohl unmissverständlich mögliche Risiken und Gefahren.

Die inhaltliche Breite des Gutachtens ist bemerkenswert und reicht vom Umgang mit personenbezogenen Daten über die Einschätzung von Datenmanagementsystemen bis hin zu Fragen der Kennzeichnungspflicht algorithmischer Systeme. Die insgesamt 75 Handlungsempfehlungen legen neben (viel) staatlicher Regulierung explizit auch Formen von Selbstregulierung nahe. In den Ausführungen zur Selbstregulierung geht die Kommission auch kurz auf die sogenannte «Corporate Digital Responsibility» (CDR) ein, die man als «Unternehmerische digitale Verantwortung» übersetzen kann.

Damit sind freiwillige, selbstverpflichtende Aktivitäten der Unternehmen über den gesetzlichen Mindeststandard hinaus u.a. in Bezug auf Datenschutz oder die Transparenz von Algorithmen gemeint – diese Ausführungen im Gutachten gehören aus unternehmensethischer Sicht zu den interessantesten. Meines Wissens nach steckt die Diskussion um CDR in der Schweiz noch in den Kinderschuhen (ich würde mich freuen, widerlegt zu werden), was insofern bemerkenswert ist, als dieses Konzept der weit verbreiteten Skepsis gegenüber weitreichenden staatlichen Eingriffen entgegenkommen würde. Zur selben Zeit könnte man damit der ebenfalls nicht geringen Besorgnis der Bevölkerung gegenüber bestimmten Auswüchsen der Digitalisierung aktiv begegnen.

Doch ist das nicht etwas zu schön, um wahr zu sein? Wenn man allein auf das Instrument der Selbstregulierung setzen möchte, müsste die Antwort lauten: «Ja». Zwar kann unternehmerische Selbstverpflichtung – sofern die selbst gewählte Bindung an Werte, Prinzipien und Massnahmen tatsächlich im Geschäftsalltag gelebt wird – durchaus Wirkung entfalten, z.B. wenn sich Unternehmen auf Verhaltenskodizes oder Gütesiegel (z.B. für Algorithmen) einigen.

Ein systematischer Verzicht auf jegliche staatliche Rahmensetzung wäre allerdings angesichts der Tendenz zur Machtkonzentration in digitalen Märkten sehr naiv – insbesondere, wenn man bedenkt, dass es um den Schutz zentraler Prinzipien wie Privatheit, Selbstbestimmung und Gerechtigkeit geht. Wollen wir nicht ständig zwischen Euphorie und Panik angesichts der Digitalisierung pendeln, wird es letztlich einen ausgewogenen Mix aus staatlicher Regulierung und unternehmerischer digitaler Verantwortung brauchen sowie kritische(re) Konsumentinnen und Konsumenten, die diejenigen Unternehmen unterstützen, die ihre digitale Verantwortung zu übernehmen bereit sind.

Am 12. November findet ein Informationsanlass zum Weiterbildungsstudiengang Philosophie und Management statt. Weitere Informationen gibt es hier.

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