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DIGITALISIERUNG: Smart, manchmal aber auch neugierig

Das Internet der Dinge kommt ins Rollen. Es soll uns dereinst das Leben leichter machen. Doch Datenschützer haben ihre Bedenken, denn Computerhacker könnten durch die Vernetzung von Geräten an sensible Daten kommen.
Andreas Lorenz-Meyer
Prototyp des Kühlschranks der Zukunft: Ausgerüstet mit Kameras und Sensoren wird er dank Internetverbindung zum «mitdenkenden Haushaltgerät». (Bild: Chris Ratcliffe/Getty)

Prototyp des Kühlschranks der Zukunft: Ausgerüstet mit Kameras und Sensoren wird er dank Internetverbindung zum «mitdenkenden Haushaltgerät». (Bild: Chris Ratcliffe/Getty)

Andreas Lorenz-Meyer

wirtschaft@luzernerzeitung.ch

Socken, die einem sagen, wie man am besten läuft. Blumentöpfe, die wissen, welche Pflanze sie beherbergen. Viele Gegenstände sind mittlerweile vernetzt und werden als «smart» oder «intelligent» bezeichnet. Man spricht vom Internet der Dinge. Oder treffender: Smart Objects Networking. Die Verknüpfung der physischen mit der digitalen Welt ist in vollem Gang. Auf 4 bis 11 Billionen US-Dollar jährlich wächst der Markt bis zum Jahr 2025, so eine Schätzung.

Auch LED-Lampen können mehr als nur Licht abgeben. Comfylight heisst das Modell des gleichnamigen Zürcher Unternehmens. Mit einem Bewegungsmelder ausgestattet, geht die Lampe an, wenn man den Raum betritt. Zudem merkt sie sich die Bewegungsmuster der Bewohner und schaltet sich bei deren Abwesenheit selbst ein und aus. Dabei werden die gelernten Bewegungsmuster wiedergegeben. Das soll Einbrecher fernhalten. Dringt doch ein ungebetener Gast ein, erkennt die Lampe das, und man bekommt sofort eine Push-Nachricht aufs Smartphone. Gleichzeitig stört ein Blinklicht den Einbrecher und macht Nachbarn aufmerksam.

Was mit dem Internet verbunden ist, kann jedoch auch gehackt werden. Schlagzeilen machte in der Vergangenheit etwa der Hack einer Babykamera. Bei Comfylight sind alle Verbindungen durchgängig SSL-verschlüsselt und die Daten bei der Deutschen Telekom auf einem Server gespeichert, der sogar für Medizindaten zugelassen ist, betont Marketingchefin Kathrina Baumann. ­Zudem anonymisiert Comfylight die Benutzerdaten. «Selbst wenn ein Hackerangriff erfolgreich wäre, wüsste der ­Hacker nur, dass es sich um ein Zuhause in der Region Luzern handelt, aber nicht, wo sich dieses Zuhause befindet und wem es gehört.» Die ersten 2000 Lampen sind alle vorbestellt und werden ab April verschickt.

Datenschützer verlangen Transparenz

Die Hackbarkeit vernetzter Gegenstände ist nur ein Problem. Fragt sich auch, inwieweit sie unkontrolliert Daten sammeln und weitergeben. Samsung warnt Besitzer seiner neuen Smart TVs, sie sollten im Beisein der Geräte besser keine privaten Dinge bereden. Die Spracherkennung könnte das an Dritte übermitteln. Was also tun? Der eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte Adrian Lobsiger verlangt, «dass die Hersteller transparent machen, welche Daten ihre Geräte zu welchen Zwecken und auf welche Art bearbeiten und allenfalls an Dritte weitergeben. Verdeckte, für die Kunden nicht erkennbare Bearbeitungen ihrer Daten sind unzulässig und werden von uns nicht akzeptiert.» Erklären die Hersteller, dass ­erhobene Daten ganz oder teilweise anonymisiert werden und keinerlei Rückschlüsse auf Personen mehr möglich sind, ist das für Lobsiger in Ordnung. Genau wie die Erhebung von Daten, die für den betriebssicheren Gebrauch eines Geräts erforderlich sind. Dazu gehören Daten, die Hersteller zum Schutz vor Malware brauchen. Malware ist der Überbegriff für Programme, die dazu entwickelt wurden, Benutzern Schaden zuzufügen (Viren, Trojaner, Spyware u. a.). Nun könnten die Hersteller argumentieren, dass die Spion-Funktionen jederzeit abschaltbar sind. Muss sich der Konsument also selbst darum kümmern, dass der Fernseher wirklich nur bewegte Bilder zeigt? Sofern Mikrofone oder Kameras in den Geräten sind, können diese besonders sensible Daten sammeln, antwortet Lobsiger. «Solche Daten dürfen die Hersteller nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Kunden beschaffen, was zwingend eine datenschutzfreundliche Grundeinstellung der Geräte voraussetzt. Die Online-Wahlmöglichkeiten müssen grafisch und textlich so präsentiert werden, dass es für die Konsumenten zumutbar ist, eigenverantwortlich und selbstbestimmt zu handeln.»

Wie die heutige Fassung werde auch das neue Datenschutzgesetz technologieneutral formuliert sein, betont Lobsiger. Das erlaube, die Grundsätze zum Schutz der Privatsphäre und Selbstbestimmung von Konsumenten auf jede Technologie anzuwenden. Grenzen werden dem Datenschützer nicht in erster Linie durch das Recht gesetzt, sondern durch die begrenzten Ressourcen seiner Behörde. Bei den Kontrollen müsse man sich auf Stichproben beschränken. Lobsiger weist die Hersteller «mit Nachdruck» auf die fundamentale Bedeutung der Transparenz und der Fairness gegenüber den Kunden hin. Es liege im Interesse der Wirtschaft, deren berechtigte Erwartungen ernst zu nehmen. Vertrauensbrüche seien Gift für Firmen mit ­gutem Ruf und deshalb kein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Kühlschrankhersteller Liebherr kooperiert mit Microsoft

Das deutsch-schweizerische Unternehmen Liebherr verkauft unter anderem Kühlschränke. In der Schweiz laufen sehr sparsame A+++-Kühl-Gefrierkombinationen und Gefrierschränke besonders gut. Einbaugeräte stellen hierzulande etwa 60 Prozent des Marktes. Künftig bietet man auch vernetzte Modelle an. Liebherr entwickelt mit Microsoft zusammen Geräte mit spezieller Hard- und Software, der Smart-Device-Box. Der IT-Riese stellt dabei unter anderem die Cloud-Infrastruktur bereit. Geplant ist ein sprachgesteuertes Lebensmittel­management, basierend auf optischer Lebensmittelerkennung.

Und das funktioniert so: Im Kühlschrank sind akkubetriebene, via Bluetooth mit der Smart-Device-Box verbundene Kameras eingebaut. «Sie zeigen nicht nur Bilder, sondern erkennen die einzelnen Lebensmittel im Innern des Kühlschranks», erklärt Steffen Nagel, Geschäftsführer Vertrieb Liebherr-Hausgeräte. Beim Öffnen der Tür aktiviert sich der Kameramodus, beim Schliessen wird der Auslöser betätigt. Das Bild geht dann an die Smart-Device-Box, es folgt der Upload in die Microsoft-Cloud. Dort findet die Objekterkennung durch Machine Learning statt. Das bedeutet: je mehr Training, desto besser die Erkennungsrate. Die erkannten Objekte landen schliesslich in der Inventarliste einer Liebherr-App. Der Kunde sieht also auf dem Smartphone, was sich im Kühlschrank befindet. Zusätzlich gibt es ein Sprachmodul. Per Sprachbefehl lassen sich Lebensmittel hinzufügen. Liebherr hat ein offenes, modulares System gewählt. Kunden können die Smart-Device-fähigen Geräte vernetzen, müssen aber nicht, erklärt Nagel. Modulare Einheiten wie Kameras oder Sprachmodule lassen sich auch später dazukaufen und in den dafür vorgesehenen Slot stecken.

Die Smart-Device-Box mit Kamera und Sprachbox wird ab Mitte des Jahres in der Schweiz erhältlich sein. Daten­sicherheit geniesst bei dem Ganzen «höchste Priorität», versichert Nagel. Deshalb wählte man die Firma Microsoft als Partner im Bereich Cloud. Sie gewährleiste höchste Sicherheit gegen Hackerangriffe. Zudem liegen die Nutzerdaten direkt bei Liebherr auf hauseigenen Servern. Das Unternehmen behält damit laut Nagel die Datenhoheit und anonymisiert alle Daten, welche in der Cloud gespeichert sind. Gerätedaten, Sprach- und Bilddaten würden anonym ausgewertet.

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