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Interview

Direktor Felix Howald verlässt die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz

Felix Howald tritt Ende Jahr als Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz ab. Er wird dann die IHZ während zehn Jahren geführt haben. Im Interview blickt er bereits jetzt auf seine Amtszeit zurück.
Interview: Raphael Bühlmann und Maurizio Minetti
Felix Howald (Mitte) begrüsst Bundesrat Ignazio Cassis (rechts) an der Generalversammlung der IHZ Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. (Bild: Dominik Wunderli, Goldau, 10. Mai 2019)

Felix Howald (Mitte) begrüsst Bundesrat Ignazio Cassis (rechts) an der Generalversammlung der IHZ Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz. (Bild: Dominik Wunderli, Goldau, 10. Mai 2019)

Nach zehn Jahren als Direktor verlassen Sie die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ). Haben Sie genug?

Felix Howald: Nein, überhaupt nicht! Aber für mich war immer klar, dass ich nicht für immer bei der IHZ bleiben werde – will heissen, dass es kein Ereignis gab, das mich zu diesem Schritt bewogen hat. Viele verpassen den Absprung. Nach einem Jahrzehnt habe ich das Gefühl, dass für mich der Moment gekommen ist, um Platz zu machen. Frischer Wind tut sowohl der Handelskammer als auch den angeschlossenen Unternehmen gut.

Gab es ein besonders prägendes Ereignis in dieser Zeit?

Die zwei Frankenkrisen, insbesondere nach der Aufhebung des Euromindestkurses 2015. Bei der IHZ sind vor allem exportorientierte Firmen angeschlossen. Sie waren natürlich vom teuren Franken besonders betroffen. Ich bin aber beeindruckt, wie die Unternehmen die Herausforderung gemeistert haben. Rückblickend hat dies wie eine «Produktivitätspeitsche» gewirkt – Firmen waren mit dem 15. Januar 2015 sofort gezwungen, 20 Prozent effizienter zu werden.

Wie steht es um die Zentralschweizer Wirtschaft heute?

Den Unternehmen der Region geht es derzeit grundsätzlich sehr gut. Nach der Finanzkrise können wir aber auch auf zehn Jahre des weltweiten Aufschwungs zurückblicken. Dabei sehr erfreulich zu beobachten war, dass das Wachstum in der Zentralschweiz stets höher war als im Rest der Schweiz.

Wieso?

Wegen den typischen Standortfaktoren – also Steuern, Infrastruktur, Arbeitskräfte etc. Zudem ist die Zentralschweizer Wirtschaft viel heterogener und das Klumpenrisiko dadurch kleiner. Anders als in anderen Regionen hängen hier nicht Tausende Arbeitsplätze auf Gedeih und Verderb an einzelnen Branchen oder gar an einem Betrieb. Wir haben stattdessen viele durch Inhaber geführte KMU mit familiären Strukturen. Das macht uns krisenresistenter.

Wie hat sich die IHZ als Organisation entwickelt?

Wir haben auf allen Ebenen eine sehr dynamische Entwicklung hinter uns und unsere Aktivitäten stark ausgebaut. Vor zehn Jahren waren zudem bei uns 350 Unternehmen angeschlossen. 2018 waren es 750. Wobei dieses Wachstum auch auf die Fusion mit der Luzerner Industrievereinigung im Jahr 2012 zurückzuführen ist. Dies soll aber nicht schmälern, dass wir erfolgreich Mitglieder dazugewinnen konnten.

Weiterhin nicht dabei ist der Kanton Zug. Warum?

Als ich bei der IHZ angefangen habe, hat mein Vorgänger gesagt, ich könne als Direktor vieles machen, aber er sagte auch: «Versuche einfach nicht, die Zuger zur IHZ zu holen.» Dass sich Zug zu Zürich zählt, ist historisch bedingt. Die Handelskammern sind auch wegen der zentral organisierten Exportdienstleistungen entstanden. Um die entsprechenden Beglaubigungen und Dokumente abzuholen, war für die Zuger der Weg nach Zürich schneller als nach Luzern. Das Ganze muss man aber nicht mehr so eng sehen, wir zählen bereits um die 20 Zuger Firmen zu unseren Mitgliedern und arbeiten bei relevanten wirtschaftspolitischen Themen mit den Zugern zusammen.

Die IHZ ist in den letzten Jahren politischer geworden.

Ja. Zum Beispiel bei kantonalen Vorlagen in den Zentralschweizer Kantonen. Bei Wahlen prüfen wir die Kandidaten auf ihre Wirtschaftsfreundlichkeit hin und unterstützen entsprechend Personen, die die Werte der IHZ teilen. Dabei ergibt sich ein Spektrum, das man anhand der Parteizugehörigkeit nicht immer vermuten würde. Zudem unterstützen wir den Wirtschaftsdachverband Economiesuisse in unserer Region bei nationalen Abstimmungen, wie etwa der anstehenden Steuer-AHV-Vorlage.

Branchenverbände, Gewerbeverbände, Wirtschaftsförderung: Viele der Aufgaben der IHZ werden auch von anderen Verbänden wahrgenommen. Braucht es die IHZ noch?

Ja, mehr denn je! Früher waren die Unternehmer viel stärker im Parlament vertreten und konnten die wirtschaftlichen Interessen direkt einbringen. In einer ­komplexeren Welt haben auch KMU-Führungskräfte kaum mehr Zeit dafür. Unsere Aufgabe ist es primär, Unternehmer und Politiker für den Austausch zusammenzubringen. Im Gegensatz zu anderen Verbänden sind wir nicht kantonal organisiert, sondern versuchen die Zentralschweiz als Ganzes zu positionieren. Zudem ist das IHZ-Netzwerk einzigartig.

Was waren Ihre grössten Niederlagen?

Die Annahmen der Masseneinwanderungs- und der Abzocker-Initiative und die Ablehnung der Unternehmenssteuerreform III. Für mich persönlich ebenfalls ein Wermutstropfen war, dass es unsere «No-Bullshit-Initiative» nicht über den IHZ-Vorstand hinaus geschafft hat. Die Idee war, dass man die Grenze für eine Volksinitiative von 100000 auf 200000 Unterschriften erhöht. Damit sollte verhindert werden, dass nicht jede Schnapsidee vors Volk kommt.

Wie muss Ihr Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin sein?

Sie oder er muss unternehmerisch denken und kein Verwalter bzw. keine Verwalterin sein. Er oder sie soll der IHZ den eigenen Stempel aufdrücken.

Haben Sie einen Favoriten im Kopf?

Ja, ich sehe aber viele Personen, die der Aufgabe gewachsen sind.

Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Nachdem ich nun 10 Jahre lang Unternehmertum gepredigt habe, möchte ich mich in den nächsten Jahren selber unternehmerisch engagieren. Bei der Verwaltungsrat Management AG in Luzern werde ich zukünftig Deutschschweizer Unternehmen rund um Fragen des Verwaltungsrats unterstützen.

Haben Sie selber auch VR-Mandate?

Im KKL Luzern werde ich am 22. Mai aller Voraussicht nach das Präsidium übernehmen dürfen. Bereits VR-Präsident bin ich bei der 1a Hunkeler AG in Ebikon und zudem VR bei der Leuenberger Architekten AG in Sursee. Und schliesslich habe ich noch ein Mandat bei der Messerli Stiftung, einer gemeinnützigen Stiftung in Sörenberg. Und wer weiss, vielleicht kommen in Zukunft noch weitere Mandate hinzu.

Felix Howald (49), aus Wangen an der Aare BE und heute wohnhaft in der Stadt Luzern, studierte Staatswissenschaften an der Universität St. Gallen. Er arbeitete bei Fundes in Lateinamerika, beim World Economic Forum in Genf und beim Zuger Forstunternehmen Precious Woods. Seit dem 1. Januar 2010 ist er Direktor der IHZ.

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