Export

Discounter Lidl ist auch Käse-Exporteur

Im vergangenen Jahr hat der deutsche Hard-Discounter Lidl rund 30 Prozent mehr Schweizer Produkte exportiert. Warum aber auch die Discounter mit dem Einkaufstourismus zu kämpfen haben.

Andreas Schaffner
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Über 1,5 Millionen Kilogramm Schweizer Käse exportiert Lidl jährlich. Peter Klaunzer (key) / Montage: Marco Tancredi

Über 1,5 Millionen Kilogramm Schweizer Käse exportiert Lidl jährlich. Peter Klaunzer (key) / Montage: Marco Tancredi

Schweizer Bauern haben wegen des harten Schweizer Frankens gleich an mehreren Fronten zu kämpfen. So steigt der Import von Käse von Jahr zu Jahr. Auch im Export von eigenen Landwirtschaftsprodukten harzt es.

Kein Wunder: Käse, Milchprodukte oder Fleisch sind nach der Aufhebung des Mindestkurses durch die Nationalbank im Januar 2015 auf einen Schlag um bis zu 15 Prozent teurer geworden.

Die Folgen sind offensichtlich: Im letzten Jahr wurde zwar mit 68 459 Tonnen Schweizer Käse, Schmelzkäse und Fertigfondue mengenmässig praktisch gleich viel exportiert wie im Jahr zuvor. Doch der Wert der Exporte sank um 3,8 Prozent. Hier schlägt die Frankenstärke klar durch.

Grosse Verlierer sind die bekannten Schweizer Sortenkäse wie der Emmentaler, der Gruyère und der Appenzeller. Das zeigen die gestern veröffentlichten Zahlen der Schweizer Käsevermarktungsorganisation Switzerland Cheese Marketing.

Russen langten kräftig zu

Auch die verstärkte Nachfrage aus Russland konnte hier nur wenig ausrichten. Die Russen wichen nach dem Import-Embargo für Lebensmittel aus der EU auf Schweizer Käse aus.

Schweizer Käse ist derzeit dort so gefragt wie nie. Auch hier legten die Ausfuhren mengenmässig um 15,3 Prozent zu, sie verloren wertmässig aber um satte 15,2 Prozent.

Der Käse musste also wegen des dramatischen Zerfalls des Rubels sehr günstig verkauft werden. Im Vergleich zum gesamten Käseexport machen die Ausfuhren nach Russland etwa 2 Prozent aus.

Der grösste Exporteur aus der Schweiz ist der Milchverarbeiter Emmi. Er exportiert laut eigenen Angaben 20 000 Tonnen — das ist rund ein Drittel des Schweizer Käses.

2014 wurden Schweizer Milchprodukte im Wert von über 400 Millionen Franken über die Grenze gekarrt.

Auch die Migros exportierte im Jahr 2014 Milchprodukte im Wert von 104 Millionen Franken.

Das Geschäftsfeld «Milchprodukte & Käse» ist 2014 beim Export von Käse stark gewachsen. Konkurrent Coop hingegen exportiert keinen Käse.

Als neuer, ernstzunehmender Exportkanal für Schweizer Käse entwickelt sich jedoch der Discounter Lidl Schweiz, der seit 2009 in der Schweiz tätig ist.

Er exportierte in den vergangenen Jahren immer mehr Schweizer Produkte in andere Ländergesellschaften.

Und er legte auch im letzten Jahr zu. Das bestätigt der Landeschef von Lidl Schweiz, Georg Kröll, im Gespräch mit der «Nordwestschweiz»: «Lidl Schweiz konnte 2015 die Exporte gegenüber dem Vorjahr um rund 30 Prozent steigern. Das ist eine Zunahme von 600 Tonnen.»

Möglich sei dies dank der internationalen Präsenz mit 10 000 Filialen in 27 Ländern verbunden mit der kostengünstigen Logistik.

Umsatzzahlen oder Einkaufspreise werden zwar keine bekannt gegeben. In Zahlen gemessen wurden im vergangenen Jahr 2710 Tonnen Schweizer Lebensmittel «Lidl-intern» exportiert.

Den grössten Teil der exportierten Lebensmittel – 1510 Tonnen – machte der Käse aus, obwohl die Mengen hier im Vergleich zu den über 68 000 Tonnen, die insgesamt exportiert wurden, noch bescheiden wirken.

Neben Käse werden auch Rösti, Kräuterbonbons, Fertigsaucen, Trockenfleisch oder handgemachte Tafelschokolade über diesen Kanal ausgeführt.

Die Schweizer Produkte werden als Eigenmarken in 19 europäischen Ländern verkauft. Der grösste Teil ging dabei nach Deutschland. Laut Kröll konnten im vergangenen Jahr 15 Schweizer Lieferanten von dem internationalen Vertriebsnetz profitieren. Namen gibt er keine bekannt. Auch nicht, wie hoch der Umsatz ist, der mit diesen Produkten gemacht wurde.

Lidl ist seit 2009 in der Schweiz präsent. Der Discounter wagte den Sprung über den Rhein 4 Jahre später als Aldi und hat in der Schweiz inzwischen 102 Filialen.

Der Händler, der von Anfang an mit dem Billig-Image zu kämpfen hatte, gibt sich seither gerne als Schweiz-nah. So wird herausgestrichen, dass der Anteil Schweizer Produkte am gesamten Lebensmittelumsatz bei Lidl Schweiz über 50 Prozent beträgt.

Doch auch Lidl hat mit dem zunehmenden Einkaufstourismus zu kämpfen. Viele Produkte sind ennet der Grenze auch Lidl-intern günstiger. Wie auch Aldi reagiert Lidl, indem man das teure Segment ausbaut. Derzeit werden die Filialen total umgebaut.

Beim Export geht Aldi jedoch andere Wege. Auf Anfrage sagte ein Aldi-Sprecher, dass man selber keine Produkte für den Verkauf ins Ausland exportiere. Der Einkauf von Schweizer Produkten werde direkt zwischen den jeweiligen AldiLandesgesellschaften und den Lieferanten vereinbart.