Übernahme
Donald Trump ist dagegen: Telekomriese AT&T will Medienkonzern Time Warner kaufen

Der Telekomriese AT&T will den Medienkonzern Time Warner kaufen. Doch noch ist der Mist nicht geführt: Präsidentschaftskandidat Donald Trump wehrt sich.

John Dyer, Boston
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Ein Laden von AT&T am Times Square in New York.

Ein Laden von AT&T am Times Square in New York.

REUTERS

AT&T hat soeben ein Fusionsangebot für einen anderen Riesen in dessen Branche vorgelegt: 85,4 Milliarden Dollar (84,85 Milliarden Franken) bietet es für Time Warner. Das mögliche Entstehen eines neuen Mega-Konzerns hat sofort Kritiker auf den Plan gerufen. «Grösser ist selten besser», erklärte Verbraucheranwalt Jonathan Schwantes. «Für uns geht es vor allem darum, dass die Verbraucher die Wahl haben, eine gute Auswahl.»

Inhalte interessieren

AT&T aus Texas will den New Yorker Time-Warner-Konzern kaufen, um Inhalte für seine Sammlung von Medienplattformen zu bekommen. Der Kaufvorschlag zeigt, wie sehr sich die Landschaft der Telekommunikation verändert hat.

Die Firmen versuchen, eine möglichst breite Palette der Zuschaueroptionen ihrer Kunden zu bündeln, vom Fernseher und PC zu Hause bis zu den mobilen Geräten wie Smartphone oder Tablet. Als Eigner von Medienplattformen brauchen sie dazu auch Inhalte, besonders Eigenproduktionen, die für die Anzeigenkunden attraktiv sind. Time Warner bietet AT&T solche Inhalte. Der Konzern besitzt den Fernsehsender CNN und den TV-Programmanbieter HBO neben anderen ähnlichen Firmen.

Vor AT&T war Comcast an der Übernahme von Time Warner interessiert, was jedoch am Einspruch der Wettbewerbsaufsicht scheiterte. Denn Comcast hatte schon drei Jahre zuvor NBCUniversal gekauft, aus denselben Gründen, aus denen jetzt AT&T Time Warner haben will. Das Unternehmen brachte ein umfangreiches Angebot an Nachrichten, Fernsehsendungen und Filmstudios mit.

Auflagen der Wettbewerbsaufsicht

Die Wettbewerbsaufsicht akzeptierte damals das Geschäft mit NBC unter Auflagen. So darf Comcast die Angebote von NBCUniversal in seinen Netzen nicht bevorzugt behandeln, etwa bei Videos eine höhere Geschwindigkeit anbieten als für den Konkurrenten Netflix. AT&T-Chef Randall Stephenson wies solche Gedankenspiele zurück: «Wir kaufen etwas, das wir als einen Premiumproduzenten von inhaltlichen Angeboten sehen. Das zu kaufen und dann zu beschränken, wie dieser Inhalt verbreitet wird, macht für mich keinen Sinn. Es ist eigentlich unlogisch.»

Im Falle von Comcast gebe es keinen Kontrollmechanismus, der überprüft, ob die Auflagen auch eingehalten werden, sagt Jeff Chester, Direktor des Center of Digital Democracy. Comcast habe NBCUniversal genutzt, um Daten über die Sehgewohnheiten der Amerikaner zu erhalten. Verbraucherschützer würden deshalb einen «riesigen Kampf» gegen das Zusammengehen von AT&T und Time Warner führen.

Das war auch der Grund, warum die Marktaufsicht 2014 den Versuch von Comcast blockiert hatte, Time Warner zu übernehmen. Politiker fordern jetzt, den Vorschlag von AT&T genauso streng zu prüfen. Im US-Kongress wird es Anhörungen dazu geben.

Trump sagt Nein

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump ist entschieden gegen eine solche Fusion. AT&T wolle jetzt Time Warner kaufen «und damit das wild gegen Trump eingestellte CNN. Donald Trump würde einen solchen Deal niemals akzeptieren, denn er konzentriert zu viel Macht in den Händen von zu wenigen Mächtigen», schrieb Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro. Die demokratische Kandidatin Hillary Clinton meinte nur, man müsse noch mehr Details erfahren, bevor man irgendwelche Schlüsse ziehe.

Jennifer Fritzsche, Analystin bei Wells Fargo Securities, hält die Parallele zwischen Comcast und AT&T für falsch. Comcast habe Time Warner kaufen wollen, als es schon NBCUniversal besass, also schon über einen Inhalteanbieter verfügte.

Das sei bei AT&T nicht der Fall. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Wettbewerbshüter das Argument zurückweisen würden, dass AT&T Time Warner gerade benötige, um mit dem Konkurrenten Comcast mithalten zu können.