Pharma
Drei neue Medikamente sorgen für Schub – doch nun muss sich Roche gegen Kopien wappnen

Kürzlich lancierte Medikamente lassen den Umsatz des Konzerns um 5 Prozent steigen. Nun muss sich die Firma gegen Generika wappnen.

Andreas Möckli
Merken
Drucken
Teilen
Seit Anfang 2012 konnte Roch seinen Umsatz steigern.

Seit Anfang 2012 konnte Roch seinen Umsatz steigern.

KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Bereits 22 Quartale in Folge ist Roche stetig gewachsen. Seit Anfang 2012 konnte der Basler Pharmakonzern seinen Umsatz in lokalen Währungen jeweils zwischen 2 und 8 Prozent steigern. Und so beschleicht einen der Eindruck, das Unternehmen könnte bei seinen Berichten über die Finanzergebnisse jeweils nur die Zahlen und Produktnamen austauschen sowie die Textbausteine leicht anpassen. Für das Grundrauschen sorgten einmal mehr die drei umsatzstärksten Krebsmittel Mabthera, Avastin und Herceptin. Trotz eines minimen Rückgangs bei Avastin sorgen die drei Präparate für eine grundsolide Basis.

Gepunktet hat Roche aber vor allem mit drei neuen Präparaten. Immerhin eines davon ist kein Krebsmittel. Das Arzneimittel Ocrevus gegen die Nervenkrankheit multiple Sklerose hat einen rasanten Start hingelegt. Das Medikament ist erst seit April erhältlich, und das neben Australien auch nur in den USA. Verkäufe von bereits 192 Millionen Franken lassen das Potenzial des Mittels erahnen. Roche-Chef Severin Schwan zeigte sich jedenfalls überzeugt davon, dass die Finanzanalysten ihre Jahresschätzung von durchschnittlich 350 Millionen Franken nun erhöhen werden. Das Präparat besticht mit dem Vorteil, dass es Patienten pro Jahr nur zweimal einnehmen müssen, was es von den Konkurrenzprodukten abhebt, die weit häufiger verabreicht werden. Zudem kann es gleich gegen zwei von drei Typen der multiplen Sklerose eingesetzt werden.

26

Milliarden Franken beträgt der Umsatz von Roche im ersten Halbjahr. Dies bedeutet ein Wachstum von 5 Prozent. Der Gewinn stieg um 2 Prozent auf 5,6 Milliarden Franken. Zugelegt hat Roche vor allem in den USA, während das Geschäft in Europa stagnierte. Für das laufende Jahr rechnet der Pharmakonzern mit einem Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Im Rückstand

Die beiden anderen neuen Produkte werden gegen diverse Krebsarten eingesetzt. Das Mittel Tecentriq gehört zur neuen Generation der Immuntherapien. Diese Medikamente bewirken, dass die Krebszellen, die vom Immunsystem bisher nicht entdeckt wurden, wieder sichtbar gemacht und angegriffen werden können. Tecentriq ist derzeit gegen Lungen- und Blasenkrebs zugelassen. Roche testet das Präparat in Kombination mit anderen Präparaten gegen verschiedene Krebsarten. Analysten erwarten bis im Jahr 2022 einen Umsatz von rund 4,8 Milliarden Franken.

Die Nase vorn auf diesem Feld haben aber die beiden US-Konkurrenten Bristol-Myers Squibb und Merck. Sie dürfen mit Spitzenumsätze von jeweils weit über 8 Milliarden Franken rechnen, glaubt man den Schätzungen der Branchenbeobachter. Wie jüngste Rückschläge von Konkurrenten zeigten, könne sich die Ausgangslage sehr schnell ändern, sagte Schwan dazu. Zudem arbeite Roche bereits an der zweiten Generation der Immuntherapien.

Im Konkurrenzkampf

Im nächsten Jahr muss sich Roche mit einem Phänomen auseinandersetzen, das den Konzern zuletzt nur am Rande betroffen hat: Generika. Genauer gesagt handelt es sich um Kopien der erwähnten Krebsmedikamente. Da diese nicht chemisch, sondern biotechnologisch hergestellt werden, nennt man diese Generika Biosimilars. Obwohl die ersten dieser Präparate schon auf dem Markt sind, wird Roche die Konkurrenz erst im nächsten Jahr spüren, wie Schwan sagte. Mit Mabthera und Herceptin werden zwei der drei wichtigsten Krebsmittel unter Druck kommen.

Über das Ausmass des Umsatzrückgangs hielt sich Schwan bedeckt. Das hat damit zu tun, dass die Pharmabranche noch keine Erfahrung mit Biosimilars im Bereich Krebs gesammelt hat. Schwan geht davon aus, dass der Preisdruck über die Zeit zunehmen wird. Bei einem Biosimilar in den USA gegen verschiedene Autoimmunkrankheiten beträgt der Rabatt auf das Original 35 Prozent. Dies dürfte Roche einen Vorgeschmack geben. Schwan ist jedoch überzeugt, dass Roche trotz des Preisdrucks den Umsatz «mindestens halten kann».