DRITTE SÄULE: Früh sparen drosselt später die Hektik

Die freiwillige Arbeitsvorsorge macht vieles möglich: Von der vorzeitigen Pensionierung bis zu weniger Arbeitsstunden ab 60. Man muss nur richtig planen.

Rainer Rickenbach
Drucken
Teilen
Bereits in jungen Jahren ist es sinnvoll, sich vom Experten individuell beraten zu lassen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Bereits in jungen Jahren ist es sinnvoll, sich vom Experten individuell beraten zu lassen. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Dieses Jahr sind es maximal 6739 Franken, die Angestellte für ihre private Altersvorsorge beiseite legen können. Sie firmiert unter dem Begriff dritte Säule und bringt Steuerersparnisse mit sich. Wer es zum Beispiel auf ein steuerbares Jahreseinkommen von 60 000 Franken bringt, kann die 6739 Franken davon abziehen und versteuert dann noch 53 261 Franken. Das kann je nach Wohngemeinde und Tarifprogression recht stark ins Gewicht fallen: Ein alleinstehender Schwyzer etwa zahlt dank dem Abzug für die dritte Säule 956 Franken weniger Einkommenssteuern für Gemeinde und Kanton. Eine Stadtluzernerin mit gleichem Lohn liefert für dieses Jahr sogar 1269 Franken weniger an die Stadt- und Kantonskasse ab.

Kleinere Sparbeträge helfen auch

Längst nicht alle können es sich leisten, in einem Jahr 6739 Franken für die freiwillige Altersvorsorge am Lohn abzuzwacken. Es geht aber auch mit weniger, denn bei dieser Summe handelt es sich um den Maximalbetrag. Wer will, darf auch weniger auf das Vorsorgedepot und -konto überweisen. Über 15 oder 20 Jahre kommt auch so ein ansehnlicher Betrag zusammen. Ein Beispiel: Wer mit 45 Jahren beginnt, jedes Jahr 3000 Franken in die dritte Säule einzuzahlen, kommt bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von 2,5 Prozent mit 65 noch immer auf eine Ersparnis von über 65 000 Franken. Nutzt der Vorsorgesparer den ganzen steuerlich begünstigten Spar-Spielraum indes voll aus, hat er nach 20 Jahren wahrscheinlich mehr als 150 000 Franken beisammen.

Fliessender Übergang in die Rente

So oder so: Für die Rentner kann mit der dritten Säule ein ordentlicher Zustupf zu den Einnahmen aus der AHV und der Pensionskasse hinzukommen. Das ist umso mehr von Bedeutung, weil die Pensionskassen über tiefere Umwandlungssätze die Neurenten kürzen und von der AHV mit Blick auf die in Schieflage geratene Alterspyramide keine höhere Einnahmen zu erwarten sind.

Das in der dritten Säule angesparte Geld ermöglicht es auch, mit einem Teilpensum die letzten paar Arbeitsjahre etwas weniger hektisch anzugehen. Denn die Sparer dürfen bereits fünf Jahre vor dem ordentlichen Pensionsalter an ihr Guthaben ran: die Frauen mit 59, die Männer mit 60. Selbst bei kleineren Sparsummen in der dritten Säule eröffnen sich Möglichkeiten für einen Pensenabbau auf den letzten paar Arbeitskilometern: Die Sparerin mit einem Durchschnittslohn und 65 000 Franken auf dem freiwilligen Vorsorgekonto kann ab 60 eine Viertagewoche schieben. Die Lohneinbusse von 20 Prozent lässt sich mit jährlich 16 250 Franken aus ihren Ersparnissen wettmachen.

Die Ziele für dritten Lebensabschnitt

Die steuerbefreite Sparerei wirft zahlreiche Fragen auf, wenn sie möglichst viel bringen soll. In jedem Fall gilt es, die Gebühren der verschiedenen Versicherungen und Banken zu vergleichen, die von den Behörden anerkannte Sparprodukte anbieten. Dann sollte man sich im Klaren sein, wie man den dritten Lebensabschnitt gestalten und das gesparte Geld entsprechend ausgeben soll. Lebenspläne können sich zwar ändern, doch Geld für die Zeit ab 60 gespart zu haben, ist so oder so nicht falsch. Unsere zwei Experten geben im ersten Teil unser Service-Seiten zur dritten Säule Ratschläge für ganz bestimmte Lebenssituationen und -pläne. Da es sich um unterschiedliche Ausgangslagen handelt, sind ihre Tipps individuell.

Die Experten: Tim Zemp ist Teamleiter beim VZ Vermögens-Zentrum. Ruth Stadelmann ist Sozialversicherungs-fachfrau bei Balmer-Etienne

Frau, alleinstehend, angestellt, 60 Jahre alt

Sie hat vor, bis 64 voll durchzuarbeiten. Das Monatseinkommen beträgt 6500 Franken brutto, die Angestellte hat bis in vier Jahren in der dritten Säule 120 000 Franken angespart. Sie versteht ihr freiwilliges Vorsorgekonto als Sackgeld und plant, nach ihrer Pensionierung ein paar lange Reisen damit zu finanzieren.

Welche Spar-Stratgie empfehlen sie?

Tim Zemp: Es ist ratsam, den Aktienanteil zu überwachen. Der Zeitraum für die Anlage wird immer kürzer. Deswegen sollten auf Aktienanlagen Gewinne realisiert und der Aktienanteil sukzessive runtergefahren werden. Falls das Kapital auf dem Konto liegt, sollte von Aktienanlagen abgesehen werden. Das Risiko, dass die Anlagen bis zum Bezug eine negative Entwicklung aufweisen, ist zu gross.

Ruth Stadelmann: Ich empfehle, weiterhin den maximal möglichen Beitrag von aktuell 6739 Franken in die Säule 3a einzuzahlen. Künftige Kapitalauszahlungen aus der zweiten und dritten Säule sollen in unterschiedlichen Kalenderjahren erfolgen.

Ist das 3a-Vorsorgegeld bei einer Bank oder bei einer Versicherung besser aufgehoben?

Tim Zemp: Eine Bank ist zu bevorzugen. Es ist kein Grund für eine zusätzliche Risikoversicherung ersichtlich, darum lohnen sich die Risikokosten einer Versicherung nicht.

Ruth Stadelmann: Die Risiken Tod und Invalidität sind durch bestehende Versicherungen des Arbeitsverhältnisses genügend abgedeckt. Eine zusätzliche Risikoabdeckung ist nicht nötig. Daher ist das Kapital der Säule 3a bei einer Bank anzulegen.

Verheirateter Familienvater mit Kindern, 57 Jahre alt

Die Jüngste hat mit dem Studium begonnen, die älteren Kinder verdienen den Lebensunterhalt selbst. Das Monatseinkommen beträgt brutto 8000 Franken. Der Angestellte hat bis jetzt 160 000 Franken in der Säule 3a angespart. Er braucht das Geld zur Unterstützung der Tochter, möchte aber ab 60 sein Arbeitspensum um 10 oder 20 Prozent reduzieren. Den Lohnausfall will er über 3a finanzieren.

Welche Spar-Strategie empfehlen sie?

Tim Zemp: Da das Kapital zu einem grossen Teil oder ganz über die nächsten 5 bis 8 Jahre aufgebraucht wird, sollte der Aktienanteil innerhalb der Säule 3a Schritt für Schritt abgebaut werden. Sofern das Guthaben aktuell auf dem Konto liegt, sollte dies so belassen werden. Ansonsten besteht das Risiko, dass der Aktienanteil beim Bezug in wenigen Jahren mit Verlust verkauft werden muss.

Ruth Stadelmann: Der Maximalbetrag von aktuell 6739 Franken ist weiterhin in die Säule 3a einzuzahlen. Es drängt sich eine genaue Planung der Pensionierung und des Liquiditätsbedarfs auf, damit das Steuersparpotenzial optimal ausgenutzt werden kann.

Ist das 3a-Vorsorgegeld bei einer Bank oder bei einer Versicherung besser aufgehoben?

Tim Zemp: Falls zur Absicherung der Familie (insbesondere der Tochter in Ausbildung) zusätzlich zu den Leistungen der AHV und Pensionskasse eine Versicherung gewünscht ist, kann eine Säule-3a-Versicherung sinnvoll sein. Dies sollte aber genauer untersucht werden. Wenn eine Versicherung nötig wäre, empfehlen wir eine reine Risikoversicherung und die Umsetzung des Sparteils über eine Bank.

Ruth Stadelmann: Dieser Familienvater hat Unterstützungspflichten. Eventuell reichen die Risikoleistungen der beste-henden Versicherungen des Arbeitsverhältnisses nicht. Dann wäre eine Vorsorgepolice bei einer Versicherung zu prüfen.

Alleinstehender Mann, angestellt, 45 Jahre alt

Bei einem Monatseinkommen von momentan 6000 Franken brutto hat er sich als Angestellter zum Ziel gesetzt, mit 60 in Rente zu gehen und in ein preisgünstiges Land mit viel Sonne und Strand auszuwandern. Die frühzeitige Pensionierung will er mit einer neuen dritten Säule und seinem Pensionskassengeld ermöglichen.

Welche Spar-Strategie empfehlen sie?

Tim Zemp: Der Anlagezeitraum ist mit 15 Jahren relativ lang. Deswegen kann das Guthaben mit einem hohen Aktienanteil angelegt werden. Der Gesetzgeber lässt einen maximalen Aktienanteil von 50 Prozent zu. Eine solche Strategie kann zu höheren Schwankungen führen. Daher muss auch die Risikobereitschaft berücksichtigt werden. Wir empfehlen, die Gebühren genauer unter die Lupe zu nehmen und eine Umsetzung unbedingt mit kostengünstigen Indexfonds (ETF) zu realisieren.

Ruth Stadelmann: Ich empfehle, den maximal möglichen Beitrag von aktuell 6739 Franken in die Säule 3a einzuzahlen. Sollte zusätzliche, nicht benötigte Liquidität vorhanden sein, wäre ein Einkauf in die zweite Säule (Pensionskasse) zu prüfen.

Ist das 3a-Vorsorgegeld bei einer Bank oder bei einer Versicherung besser aufgehoben?

Tim Zemp: Die Bank eignet sich hier wohl besser, da niemand abgesichert werden muss. Damit können die Risikokosten gespart und der ganze Betrag zum Sparen verwendet werden.

Ruth Stadelmann: Ich empfehle eine Bankenlösung. Diese ist – vor allem im Hinblick auf den geplanten Auslandaufent-halt – flexibler. Die Risikoabdeckung durch bestehende Versicherungen des Arbeitsverhältnisses ist vermutlich genügend.