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DRITTE SÄULE: Mit der 3a-Vorsorge die Zukunft planen

Die Rentenaussichten für die 20- bis 60-Jährigen verdüstern sich. Sie sind gut beraten, selber vorzusorgen – aber wie? Experten geben Tipps.
Interview Rainer Rickenbach
Blick nach vorne: Wer schon jetzt in die freiwillige dritte Säule der Altersvorsorge einzahlt, spart später bei seinen Steuern. (Bild: Getty/Dimitri Otis)

Blick nach vorne: Wer schon jetzt in die freiwillige dritte Säule der Altersvorsorge einzahlt, spart später bei seinen Steuern. (Bild: Getty/Dimitri Otis)

Interview Rainer Rickenbach

Bis zu 6768 Franken können Angestellte dieses Jahr für ihre Altersvorsorge in die freiwillige Säule 3a einzahlen. Der Betrag lässt sich bei der Steuererklärung vom Einkommen abziehen und wird später beim Bezug tiefer als üblich versteuert. Die Fachleute Philipp Heer vom VZ Vermögenszentrum und Rolf Schäppi von der Zuger Kantonalbank beantworten Fragen zur freiwilligen Vorsorge.

Auf den 3a-Vorsorgeanlagen dümpeln die Zinsen bei durchschnittlich einem halben Prozent vor sich hin (Tabelle). Lohnt es sich überhaupt, Geld in die freiwillige Altersvorsorge einzuzahlen?

Rolf Schäppi*:Selbstverständlich, denn die Vorsorge 3a bietet nebst anderen Vorzügen auch einen Steuervorteil: Je nach Steuerprogression können pro Jahr 1000 Franken oder mehr an Einkommenssteuern gespart werden. Berufstätige Ehepaare profitieren doppelt, da beide bis zum zulässigen Maximalbeitrag einzahlen dürfen. Auch die Investition in Wertschriften mit attraktiven Renditeaussichten ist möglich.

Philipp Heer**:Auf jeden Fall. Auch wenn Säule-3a-Konten kaum noch Zins abwerfen, lohnen sich Einzahlungen alleine schon wegen der Steuerersparnis. Wer den Maximalbetrag von 6768 Franken überweist, kann je nach Einkommen bis zu 2500 Franken Steuern sparen. Wenn das Kapital später bezogen wird, fallen zwar wieder Steuern an. Weil dieser Steuersatz aber deutlich tiefer ist, bleibt in diesem Beispiel unter dem Strich eine Steuerersparnis von rund 2000 Franken.

Müssen die Sparer sogar mit Negativzinsen rechnen?

Heer:Ausschliessen können wir es nicht. In dem Fall dürften aber zuerst Kunden mit Spar- und Privatkonten zur Kasse gebeten werden. Auf diesen Konten ist das Geld jederzeit verfügbar. Säule-3a-Gelder bleiben in der Regel aber langfristig bei einer Bank liegen, mit diesem Kapital kann die Bank also viel länger arbeiten. Daher gehe ich davon aus, dass Säule-3a-Gelder erst zuletzt negativ verzinst würden.

Schäppi:Im aktuellen Umfeld ist nicht damit zu rechnen. Negativzinsen können aber nicht ausgeschlossen werden, sollten sich die Rahmenbedingungen für Banken wesentlich ändern.

Welche Alternativen gibt es zur Vorsorge 3a?

Schäppi: Interessant ist auch die Säule 3b, die freie Vorsorge. Steuerlich privilegiert ist hier der realisierte Ertragszuwachs, der bei Ablauf beziehungsweise Auszahlung des Vorsorgeguthabens unter bestimmten Vor­aussetzungen von der Einkommenssteuer befreit ist. Eine weitere Alternative stellt die Pensionskasse dar: Das Sparguthaben geniesst eine Vorzugsverzinsung, und Einzahlungen sind zu hundert Prozent vom steuerbaren Einkommen absetzbar.

Heer: Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse sind die attraktivste Alternative, um die Steuerrechnung zu senken. Die Mindestverzinsung liegt jetzt bei 1,25 Prozent. Allerdings sollte man vorher die Bedingungen prüfen. So sind Pensionskassen nicht verpflichtet, einen Zins auf das sogenannte überobligatorische Guthaben zu bezahlen.

Die Hälfte des 3a-Anlagekapitals darf in Aktien angelegt werden. Welchen Aktienanteil empfehlen Sie a) für einen 40-jährigen Sparer, b) für eine 60-jährige Sparerin?

Heer: Wer in den nächsten acht bis zehn Jahren nicht auf das Geld angewiesen ist, kann durchaus den maximalen Aktienanteil in Betracht ziehen. Sinnvoll ist das etwa für den 40-jährigen Sparer, der in naher Zukunft kein Eigenheim kauft und sich nicht selbstständig macht. Die 60-jährige Sparerin muss ihr Kapital dagegen spätestens mit 64 Jahren bezogen haben. Für sie kann es besser sein, einen tieferen Aktienanteil zu wählen – oder unter Umständen ganz darauf zu verzichten.

Schäppi:Die Wertschriftenvorsorge sollte nur bei einem längeren Anlagehorizont gewählt werden. Ein 40-Jähriger verfügt bis zur Pensionierung über einen Anlagehorizont von 25 Jahren und darf daher zwischen 35 und 50 Prozent in Aktien investieren. Bei der 60-jährigen Sparerin empfehlen wir einen Aktienanteil von maximal 15 Prozent, da beim Erreichen des AHV-Alters das Guthaben in der Regel ausbezahlt wird.

Für die dritte Säule werden oft ETF-Fonds empfohlen. Was sind ETF-Fonds, und welche Vorteile bieten sie?

Schäppi: Ein Exchange Traded Fund (ETF) investiert in einen Korb von Wertpapieren, in der Regel einen Index, wie zum Beispiel den Swiss Market Index. Der ETF bietet den Anlegern damit eine breite Diversifikation in einem einzigen Wertpapier. Da ein ETF im Gegensatz zu einem konventionellen Fonds nur den Index abbildet, sind die Gebühren für die Anleger in der Regel deutlich niedriger als bei aktiv verwalteten Anlagefonds.

Heer: ETFs sind börsengehandelte Indexfonds. Sie können jederzeit gekauft und verkauft werden. Sie sind beliebt, weil sie transparent und günstig sind. Mit ETFs kauft man zum Beispiel einen Anteil an einem ganzen Börsenindex wie dem Swiss Market Index (SMI). Daher sind sie für Sparer und Anleger geeignet, die mit einer einzigen Transaktion in einen breit diversifizierten Markt investieren möchten. Auch für langfristige Anlagen sind sie häufig die bessere Wahl als etwa aktiv gemanagte Anlagefonds.

Welche Nachteile haben ETF-Fonds?

Schäppi:Da ein ETF meist einen Index nachbildet, kann er diesen im Gegensatz zu einem aktiv verwalteten Fonds nie übertreffen und keine Mehrrendite erzielen. Der ETF kann auch nicht auf Marktveränderungen reagieren und zum Beispiel seinen Bargeldbestand erhöhen. Spezielle ETFs, zum Beispiel auf Nischenmärkte, können ein erhöhtes Risiko aufweisen und erfordern viel Wissen des Anlegers.

Für wen empfiehlt sich eine 3a-Lösung mit Lebensversicherung?

Schäppi:Berufstätige mit einer geringer Sparquote, die einen dringenden Bedarf nach einer Versicherungsdeckung haben und nicht auf die steuerlichen Vorzüge der Säule 3a verzichten möchten, können diese Kombination in Betracht ziehen. Ansonsten empfiehlt es sich, die Risikoabsicherung vom reinen Sparprozess zu trennen, weil man flexibler auf Lebensveränderungen reagieren kann.

Heer:Meistens ist es besser, die Prozesse Sparen und Versichern strikt zu trennen. Wer sparen will, zahlt auf ein 3a-Konto ein. Und wer Versicherungsschutz benötigt, soll eine reine Risikoversicherung abschliessen. So bleibt man flexibel. Mit einer kombinierten Lösung bindet man sich dagegen langfristig. Muss ein Versicherter den Vertrag vorzeitig auflösen, weil sich zum Beispiel seine Lebensumstände verändert haben, verliert er nicht selten viel Geld.

Was muss man unternehmen, wenn man die Versicherungslösung zwar abgeschlossen, sie aber nicht mehr haben will?

Heer: Den Versicherten bieten sich drei Möglichkeiten: Die erste ist der Rückkauf der Police. Das lohnt sich häufig aber nicht, weil die Versicherer hohe Provisionen und ungedeckte Abschlusskosten abziehen. Je nachdem kann es sogar besser sein, die Police einfach weiterzuführen. Versicherte können zweitens als Zwischenlösung auch die jährlichen Prämien sistieren – der Versicherungsschutz wird dabei ebenfalls nach unten angepasst. Einige Versicherer bieten eine dritte Option an: Man sistiert nur den Risikoteil der Versicherung und bezahlt für den Sparteil weiter ein.

Schäppi:Auch hier gilt der Grundsatz: Eine nachweislich nicht mehr benötigte Versicherungsdeckung weiter über Jahre zu finanzieren, ohne einen echten Nutzen daraus zu erzielen, macht keinen Sinn. In diesem Falle ist entweder eine Prämienfreistellung oder gar eine Kündigung anzustreben.

* Rolf Schäppi (56) ist Leiter Finanzplanung und Steuern bei der Zuger Kantonalbank.

** Philipp Heer (32) ist Geschäftsleiter Region Mittelland und Luzern beim VZ Vermögenszentrums.

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