DRITTE SÄULE: Sparen für die vorzeitige Pensionierung

Die Pensionskassen zahlen kleinere Renten, die AHV stagniert. Die freiwil­lige Vorsorge gewinnt an Bedeutung. Vor allem für früh­zeitige Pensionierungen.

Rainer Rickenbach
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Ab an den Strand! Wer früh in die dritte Säule investiert, kann sich schon etwas früher an die Sonne legen. (Bild: Keystone)

Ab an den Strand! Wer früh in die dritte Säule investiert, kann sich schon etwas früher an die Sonne legen. (Bild: Keystone)

Mit 63 im Büro den Hut an den Nagel hängen und den Abschied aus dem Arbeitsleben feiern? Wer das tut, muss sich mit einer kleineren Rente bei seiner Pensionskasse zufrieden geben. Und AHV gibt es höchstens eine gekürzte.

Oder wenigstens ab 60 mit einem kleineren Pensum bis zum gesetzlichen Rentenalter arbeiten? Längst nicht alle sind in der Lage, auf 20 oder 30 Prozent ihres Lohnes zu verzichten.

Praktisch und steuergünstig

«Für einen frühzeitigen Abschied vom Arbeitsplatz oder eine Pensumreduktion ab 60 ist die dritte Säule ideal. Denn sie ist sehr flexibel», sagt Philipp Heer, Vorsorgeexperte beim VZ Vermögenszentrum Luzern. Zudem ist sie doppelt steuergünstig: Wer als Angestellter für die private Vorsorge einzahlt, kann bis zu 6739 Franken im Jahr vom steuerbaren Einkommen abziehen. Der Betrag wird jedes Jahr der Teuerung angepasst. Und wenn sich die Sparer das Geld vor oder nach dem Rentenalter auszahlen lassen, gilt ein günstiger Auszahlungssatz. Er liegt wesentlich tiefer als der der Einkommenssteuer. Zugriff auf das angesparte Geld in der Säule 3a haben die Sparer nach ihrem 60. Geburtstag, die Sparerinnen an ihrem 59. Das Angebot für die freiwillige Vorsorge ist enorm gross – so gross, dass es verwirrt. Philipp Heer* sagt, welche Sparvariante für wen gut ist, und gibt weitere Tipps.

Für wen macht eine Lebensversicherung Sinn?

«Eine Lebensversicherung macht Sinn, wenn sich jemand gegen die Risiken Erwerbsunfähigkeit und Todesfall absichern will. Die Versicherung hat aber ihren Preis. Es fallen höhere Kosten an als bei einer reinen Vorsorgelösung. Der Nachteil: Vorsorge-Lebensversicherungen sind nicht sehr transparent. Es ist nicht klar, wie viel des einbezahlten Geldes an die Risikoabdeckung und wie viel beim Sparkapital ankommt.»

Für wen sind Wertschriften und Fremdwährungen richtig?

«Wer früh genug mit Sparen anfängt und mit Schwankungen an den Finanz- und Aktienmärkten umgehen kann, dem verspricht ein Wertschriftendepot die beste Rendite.»

Was bringt ein 3a-Sparkonto?

«Ein Konto bei der Säule 3a ist für Sparer ratsam, die Wertschwankungen aus dem Weg gehen wollen. Sie legen das Geld wie bei einem normalen Bank-Sparkonto an, erhalten aber dafür mehr Zins. Er liegt momentan bei durchschnittlich 1,5 Prozent.»

Wie lässt sich mit 40 am besten sparen?

«Wer 20 oder mehr Jahre zum Sparen vor sich hat, kann in der gebundenen Vorsorge den maximalen Aktienanteil von 50 Prozent getrost ausnützen. Der Zeithorizont dafür muss freilich weit nach vorne gerichtet sein. Es ist also nicht ratsam, viele Aktien im Vorsorgedepot zu haben, wenn man bereits nach fünf Jahren Geld für einen Wohnungskauf herausnehmen will.»

Wie lässt sich mit 55 am besten sparen?

«Besitzt jemand schon Vorsorge-Fonds oder eröffnet mit Blick auf eine Frühpension einen weiteren, sollte man in diesem Alter auf Sicherheit bedacht sein. Ein geringer Aktienanteil ist ratsam, wenn man bei Börsenturbulenzen nicht auf dem falschen Fuss erwischt werden will. Je näher die Pensionierung kommt, desto kritischer sollte man den Aktienanteil im Auge behalten.»

Wie spart man Steuern?

«Wenn der Wert des Vorsorgedepots 30 000 bis 40 000 Franken erreicht, ist es ratsam, in einem weiteren, neuen 3a-Guthaben mit Sparen fortzufahren. Der Grund: Bezieht jemand im Alter das Geld, muss er das ganze Depot auflösen. Ist viel drauf, geraten die Sparer in eine höhere Steuerprogression. Die gute Nachricht: Auf die Gebühren haben mehrere Depots keinen Einfluss. Und die Kapitalauszahlungssteuer liegt mit 3 bis 10 Prozent in den Zentralschweizer Kantonen deutlich unter der Einkommenssteuer. Sie wird separat berechnet – es besteht also nicht die Gefahr, bei der Auszahlung zusammen mit dem Einkommen in eine Schwindel erregende Progressionsstufe zu geraten.»

Wie lässt sich die dritte Säule bei Frühpensionierung nutzen?

«Dafür ist die private Vorsorge die ideale Lösung. Wer lange genug gespart hat, kann mit ihr die gesunkenen Umwandlungssätze bei den Pensionskassen und die fehlende AHV vor dem gesetzlichen Rentenalter wettmachen. Die dritte Säule eignet sich auch für einen sanften Übergang ins Rentenalter: Wer ab 60 weniger arbeiten will, kann den entgangenen Lohn mit ihr kompensieren.

Hinweis

* Philipp Heer ist Niederlassungsleiter der VZ Vermögenszentrum AG in Luzern.

Tipps für Mutige und für Vorsichtige

VORSORGEFONDS rr. Welcher 3a-Vorsorgefonds ist für einen Vierzigjährigen der richtige, der sich vorgenommen hat, zwanzig Jahre lang zu sparen? Die Frage lässt sich für die Banken nicht einfach so beantworten. «Ein Beratungsgespräch mit dem Kunden ist zwingend», heisst es bei der Schwyzer Kantonalbank. «In einer persönlichen Beratung beziehen wir die ganze Vermögenssituation des Kunden ein. Insbesondere seine Risikofähigkeit und Risikobereitschaft», fügt die Luzerner Kantonalbank ihrer Produktempfehlung an.

Mit Risikobereitschaft meinen die Banken in erster Linie den Aktien- und Fremdwährungsanteil. Bereiten einem Sparer Turbulenzen an den internationalen Aktienmärkten schlaflose Nächte, lässt er aber besser die Finger davon oder investiert in ein 3a-Produkt mit wenig Aktien und Fremdwährungen.

Es finden sich bei allen Anbietern zahlreiche Alternativen zu Aktien und Fremdwährungen. Nur: Auch wenn es die Märkte immer wieder durchschüttelt – über viele Jahre betrachtet, versprechen die Aktien nach wie vor die beste Rendite.

Angefragte Banken empfehlen für die verschiedenen Risikotypen folgendes:

Für Vorsichtige: Dem Vierzigjährigen mit einem Anlagehorizont von zwanzig Jahren empfiehlt die Valiant Bank den Fonds Valiant Vario. «Er ist auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten erfolgreich», sagt Valiant-Sprecher Stephan Michel. Der Fonds setzt sich aus Aktien (30 Prozent) und Obligationen (70 Prozent) in Schweizer Franken zusammen. Vario kam vor zwei Jahren auf den Markt und erzielte seither eine Rendite von 8,19 Prozent.

Für Mutige: Der Pension Growth der Raiffeisenbank fällt mit seinem ungewöhnlich hohen Aktienanteil von 67 Prozent auf. Dafür musste die Genossenschaftsbank der Aufsichtsbehörde ein spezielles Anlagereglement vorlegen, denn gemäss deren Regeln sollte der Aktienanteil eigentlich 50 Prozent nicht überschreiten. «Der Fonds eignet sich für Anleger mit langfristigem Anlagehorizont und hoher Risikobereitschaft», so die Raiffeisen. Die maximale Fremdwährungsquote liegt bei 30 Prozent. Den Vorsorgefonds gibt es erst seit dem Dezember 2012 – zu wenig lange für aussagekräftige Renditezahlen.

Ausgewogen: Die Schwyzer Kantonalbank empfiehlt den Swisscanto BVG 3 Dynamic 0-50. «Die Vermögensaufteilung wird der jeweiligen Marktlage angepasst. Risikokontrolle steht im Vordergrund», so Sprecher Peter Geisser. Zurzeit setzt sich das Vorsorgeprodukt aus 46 Prozent Aktien, 47 Prozent Obligationen und 7 Prozent liquiden Mitteln zusammen. Da erst 2012 lanciert, sind die Renditezahlen nicht aussagekräftig.

Klassisch: Bei der Luzerner Kantonalbank vertraut der grösste Teil der Kunden den Anlagefonds des LUKB-Expert-Vorsorge. Er zeichne sich durch stabile Zinserträge vor allem in Schweizer Franken bei gleichzeitig höheren Renditechancen durch globales Aktienengagement aus, preist die Lukb die Vorteile an. Zusammensetzung: Obligationen (52 Prozent), Aktien (35 Prozent), Immobilien (4 Prozent), Edelmetalle (3 Prozent), Cash (6 Prozent). In den letzten 5 Jahren lag die Rendite bei 7,7 Prozent, auf die letzten zehn Jahre gerechnet bei 31,58 Prozent.