DROHNEN: Vertrag für Nidwaldner Drohne

Die Niederberger Engineering AG will mit Hilfe chinesischer Investoren eine Arbeitsdrohne entwickeln. Für Inhaber Anton Niederberger ist es eine erneute Wette auf die Zukunft.

Maurizio Minetti
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Anton Niederberger und der Investor Yang Wen Long signierten gestern ein Bild von der Drohne beim Treffen in Stans-Oberdorf. (Bild Roger Grüter)

Anton Niederberger und der Investor Yang Wen Long signierten gestern ein Bild von der Drohne beim Treffen in Stans-Oberdorf. (Bild Roger Grüter)

Maurizio Minetti

Anton Niederberger liebt es, Firmen aufzubauen. Der 59-jährige Maschineningenieur gründete 1991 die Niederberger Engineering AG im nidwaldnerischen Oberdorf. Von dort aus sind in den letzten Jahren diverse Spin-off-Unternehmen entstanden. Ihr gemeinsamer Nenner: Es geht immer um Roboter und Automatisierung. So erfand er einen Putzroboter, der gewölbte und kantige Oberflächen begehen und reinigen kann. Daraus entstand 2009 die Firma Serbot AG. Noch ganz jung ist die Imprimere AG, die dieses Jahr gegründet wurde und 3-D-Drucker für den Hausbau entwickelt.

Nun nimmt Niederberger das ­nächste Projekt in Angriff: Drohnen. Geplant ist die Entwicklung eines unbemannten Flugobjekts, das für Inspektionen eingesetzt werden kann und nicht höher als 40 Meter fliegt. Ein konkretes Anwendungsbeispiel ist die Aussenreinigung oder Enteisung von Flugzeugen. Vorstellbar sei auch die Reinigung von Innenräumen, etwa in Hoteleingängen. Hindernisse werden dabei von Sensoren erkannt. «Die Drohne wird zum Beispiel Lampenschirme erkennen können», sagt Niederberger. Für Überwachungsaufgaben soll die Drohne auch eingesetzt werden können. Die Arbeitsdrohne, wie Anton Niederberger sie nennt, funktioniert autonom mit lokaler Navigation und Versorgungsstation am Boden. Die Technologie sei mit mehreren Patenten abgesichert. Bei der Entwicklung der künstlichen Intelligenz will sich Niederberger externe Hilfe holen, etwa von der ETH Zürich.

Zwei Gemeinschaftsunternehmen

Die Sache hat allerdings einen Haken: Noch gibt es die Drohne nämlich nicht. Es existiert erst ein vereinfachter Prototyp. Niederberger schätzt, dass sie erst in etwa zwei Jahren auf den Markt kommen könnte. Der mehrfach ausgezeichnete Firmenpatron und ehemalige Nidwaldner Landrat räumt ausserdem ein, dass es noch gar keine Nachfrage danach gibt. «Unsere Philosophie ist, mit unseren Produkten die Nachfrage zu generieren – das hat bisher immer gut geklappt», gibt sich Niederberger zuversichtlich.

Investitionswillige hat Niederberger jedenfalls schon angelockt. Gestern war in Oberdorf eine Delegation der chinesischen Provinzregierung von Zhongshan zu Besuch. Von dieser Stadt im Süden Chinas stammt die Firma Justwe Industrial Robotics Technology, deren Vertreter gestern ebenfalls in Oberdorf waren. Das Unternehmen stellt Industrieroboter her und wird sich nun an der zu gründenden Firma mit 40 Prozent beteiligen, den Rest hält die Niederberger Engineering AG. Gleichzeitig baut Justwe in China eine Niederlassung auf, die sie zu 70 Prozent kontrollieren wird, während Niederberger einen Minderheitsanteil von 30 Prozent besitzt.

Millionen aus China

Von der Schweiz aus will Niederberger sozusagen die ganze Welt ins Visier nehmen, während sich die chinesische Niederlassung um die Vermarktung in den Anrainerstaaten kümmern soll. Noch ist nicht klar, wo der Schweizer Standort sein wird. Die Kantone Nidwalden oder Uri stehen im Zentrum der Erwägungen. «Es soll eine Fabrik mit einer Fläche von 2000 bis 3000 Quadratmetern entstehen», sagt Niederberger. Zwanzig bis fünfzig Stellen will er dort schaffen – noch einmal so viele sollen in China entstehen. In der Schweiz sollen für die Entwicklung Ingenieure und Informatiker angestellt werden sowie Personal für die Fertigung. Die Pläne sind also durchaus kapital­intensiv. Niederberger sagt, dass der chinesische Investor einen tiefen zweistelligen Millionenbetrag investiert.

«Mehrere tausend Drohnen» pro Jahr will Niederberger dereinst in der Schweiz produzieren. Eine ähnlich grosse ­Menge soll jährlich die Förderbänder in China verlassen. Ob es für all diese Drohnen Abnehmer geben wird, ist allerdings ungewiss. Für Niederberger ist es eine Wette auf die Zukunft. Dass er einen guten Riecher hat für Marktlücken, hat der Unternehmer aber auch schon bewiesen.