Internet-Blase
Droht bereits die nächste Internet-Blase?

Groupon, die Internet-Plattform für Schnäppchenjäger, geht an die Börse. Der Marktwert der in Chicago beheimateten Firma könnte damit auf 30 Milliarden Dollar steigen - obwohl sie bislang kein Geld verdient hat.

Renzo Ruf, Washington
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Die Webiste von Groupon

Die Webiste von Groupon

Zur Verfügung gestellt

Die US-Wirtschaft schwächelt, aber an der Börse wird weiter heftig spekuliert. Insbesondere in der Technologie-Branche. Nachdem vor zwei Wochen Linkedin, das Facebook für Geschäftskontakte, einen furiosen Start an der New Yorker Börse hinlegte, steht nun ein weiterer Kandidat in den Startlöchern. Groupon, die Internet-Plattform für Schnäppchenjäger, die auch in der Schweiz aktiv ist und weltweit 83 Millionen potenzielle Kunden haben soll.

Beobachter sprechen bereits von einer Blase, die Erinnerungen an die Ereignisse vor einer Dekade wecke. Damals wurden Jungfirmen an die Börse gebracht, deren Geschäftsmodelle in der Praxis nicht funktionierten.

Bislang kein Geld verdient

Groupon hat seit der Gründung im Jahr 2009 kein Geld verdient - trotz rasantem Wachstum und wohlwollender Berichterstattung in den Medien. Im ersten Quartal 2011 resultierte ein Minus von 114 Millionen Dollar, bei einem Umsatz von nunmehr 645 Millionen Dollar und 28 Millionen verkauften Gutscheinen.

Trotz dieser negativen Zahlen könnte Groupon beim kommenden Börsengang Aktien im Wert von bis zu 3 Milliarden Dollar abstossen. Der Marktwert der in Chicago beheimateten Firma würde damit auf 30 Milliarden Dollar steigen. Die genauen Zahlen sollen erst in den kommenden Wochen veröffentlicht werden.

Einfaches Geschäftsmodell

Der Erfolg von Groupon basiert auf einem einfachen Geschäftsmodell: Die preisbewusste Konsumentin schreibt sich online in eine gebührenfreie Liste ein. Danach erhält sie täglich Schnäppchenangebote per E-Mail zugestellt. In Washington standen gestern vergünstigte Farbe, billigeres Fleisch und ein Yoga-Kurs im Angebot.

Die Hälfte des Verkaufspreises des Gutscheins streicht Groupon ein, den jeweiligen Firmen eröffnet sich dank dem Schnäppchen aber Zugriff auf einen neuen Kundenstamm. Der Haken, zumindest für Groupon : Die Konkurrenz schläft nicht. Allein in der amerikanischen Hauptstadt tummeln sich mittlerweile Dutzende von Konkurrenten, unter Namen wie «Living Social» oder «Bloomspot». Deshalb investierte Groupon in den vergangenen Monaten massiv ins Marketing und stiess in neue Geschäftsfelder vor. Neuerdings stehen Reisen im Angebot.