Düstere Prognose: Der Währungsfonds erwartet die schlimmste Rezession seit der Weltwirtschaftskrise 

Die Konjunktur werde im laufenden Jahr aufgrund der Corona-Pandemie um 3 Prozent einbrechen. Dies sagt der Internationale Währungsfonds voraus. 

Renzo Ruf, Washington
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Vielerorts steht das Wirtschaftsleben still - wie hier in einer McDonald's-Filiale in Zürich.

Vielerorts steht das Wirtschaftsleben still - wie hier in einer McDonald's-Filiale in Zürich.  

Severin Bigler / MAN

Die Aussichten sind düster. Die Chefökonomin des Internationalen Währungsfonds will die Lage denn auch nicht schönreden. Also sagte Gita Gopinath am Dienstag in Washington: Aufgrund der Corona-Pandemie stehe die Weltwirtschaft von einer Krise «wie keine andere» in jüngster Zeit. Rund um den Globus werde die Konjunktur im laufenden Jahr um 3 Prozent einbrechen.

Die Industrienationen des Westens werden die Folgen des weltweiten Stillstandes besonders stark zu spüren bekommen. So rechnet der Währungsfonds im laufenden Jahr mit einem Konjunkturrückgang von 7,5 Prozent für die Länder der Euro-Gruppe und mit einem Minus von fast 6 Prozent für die USA, der grössten Volkswirtschaft der Welt. Düster ist die Prognose auch für die Schweiz, in der das Wirtschaftswachstum im Jahr 2020 um 6 Prozent schrumpfen soll. 

Vielleicht kommt alles noch viel schlimmer

Diese Zahlen, sagte Gopinath, beruhten auf der Annahme, dass die Coronakrise im laufenden Quartal ihren Höhepunkt erreiche. Zudem geht die Prognose davon aus, dass sich die Lage in der zweiten Hälfte des Jahres sowohl gesundheits- als auch wirtschaftspolitisch verbessern werde. Dabei sind auch die massiven Geldspritzen der Staaten eingerechnet. Deshalb geht der Währungsfonds davon aus, dass die Konjunktur im Jahr 2021 wieder anzieht, um 4,7 Prozent in den Euro-Staaten und den USA sowie um 3,8 Prozent in der Schweiz.

Weltweit werde die Konjunktur um 5,8 Prozent zulegen. Allerdings werde dieses Plus im kommenden Jahr das Minus im laufenden Jahr nicht wettmachen, sagte Gopinath. Sie sprach in diesem Zusammenhang von Produktionsausfällen im Umfang von 9000 Milliarden Dollar. Dies entspreche der Wirtschaftsleistung von Deutschland und Japan.

Aufgrund der zahlreichen Variablen sei diese Prognose allerdings mit Vorsicht zu geniessen, deutete die Chefökonomin an, seien sie doch mit «extremer Unsicherheit» behaftet. Auf die Frage, warum der Währungsfonds denn kein Szenario publiziert habe, das auf optimistischeren Grundlagen beruhe, antwortete Gopinath: Weil das Risiko überwiege, dass alles noch viel schlimmer komme als befürchtet. So bestehe die Möglichkeit, dass die Pandemie auch noch im kommenden Jahr die Weltwirtschaft im Griff halte. «Wir hoffen, dass wir falsch liegen», ergänzte Gian Maria Milesi-Ferretti, der stellvertretende Direktor der Forschungsabteilung des Währungsfonds.

Leichtes Plus in China und Indien

Chefökonomin Gopinath verwies darauf, dass buchstäblich die ganze Welt von der Krise betroffen sei. Länder, deren Wirtschaft stark von der produzierenden Industrie und dem Tourismus abhängig seien, würden eine besonders markante Rezession durchleben. Der Währungsfonds prognostiziert einzig für eine Reihe von asiatischen und afrikanische Staaten ein positives Wachstum. China (plus 1,2 Prozent), Indien (plus 1,9 Prozent), Vietnam (plus 2,7 Prozent), Ägypten (plus 2 Prozent) oder Uganda (plus 3,5 Prozent) sollen demnach die Krise ungeschoren überstehen.

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