E-BANKING: Per Mausklick zur Hypothek

Bei der Schwyzer Kantonalbank kann man neu seine Hypothek online verlängern. Auch andere Banken setzen bei der Hypothekenvergabe auf das Internet. Das Wachstumspotenzial ist riesig.

Ernst Meier
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Online-Hypothekn liegen im Trend. (Bild: Keystone)

Online-Hypothekn liegen im Trend. (Bild: Keystone)

Rechnungen bezahlen, Börsentransaktionen tätigen oder Überweisungen in die Säule 3a vornehmen – die gängigsten Dienstleistungen kann man heute bei allen Retail-Banken online tätigen – sei es von zu Hause aus oder unterwegs mit Tablet oder Smartphone. Das Internet hat sich als einfaches, schnelles und sicheres Medium im Zahlungsverkehr bewährt. Jetzt entwickeln die Banken weitere Onlineangebote. So zum Beispiel die Schwyzer Kantonalbank. Sie lancierte gestern das Onlineportal e-hypo.ch. Das neue Internetangebot ermöglicht es Hypothekarschuldnern, ihren auslaufenden Kredit bei der Schwyzer KB neu abzuschliessen. Das Angebot richtet sich an Eigentümer von selbst bewohntem Wohneigentum und einer Maximalhypothek von 1 Million Franken (erstrangig), wie Peter Geisser, SZKB-Mediensprecher, erklärt.

Der Vorgang ist so einfach wie möglich gehalten und teilweise automatisiert: Auf e-hypo.ch gibt der Kunde den beantragten Kredit sowie die zusätzlichen Angaben zur Liegenschaft und zur Person ein. Nach dem abschliessenden Mausklick erhält er die provisorische Zusage mit dem definitiven Zinssatz. «Wir überprüfen, ob alle Angaben korrekt sind», sagt Peter Geisser. Trifft dies zu, erfolge die Hypothekenvergabe «innert maximal 7 Kalendertagen». Onlinekunden profitieren je nach Marktsituation von einem leicht tieferen Zinssatz gegenüber herkömmlich vergebenen Hypotheken, heisst es weiter.

Erfolgreiche Glarner Kantonalbank

Die Schwyzer KB ist nicht das erste Finanzinstitut, welches das Internet für Hypothekenvergaben nutzt. Neben sogenannten Hypothekenvermittlern wie MoneyPark oder HypoPlus oder Versicherern wie SwissLife bieten auch die Migros Bank, Swissquote, die Zürcher Kantonalbank (via Homegate) oder die Graubündner Kantonalbank seit einiger Zeit online Hypotheken an.

Zu den Pionieren dieses Vertriebskanals zählt die Glarner Kantonalbank. Sie bietet unter hypomat.ch seit dem 10. September 2012 in der ganzen Deutschschweiz Onlinehypotheken an. Im Gegensatz zur Plattform der Schwyzer KB kann man auf hypomat.ch neben Kreditverlängerungen auch den direkten Abschluss von Neuhypotheken vornehmen. Im Vergleich zu den normalen Tarifen der Glarner KB sind die Onlinehypotheken 20 bis 40 Prozent günstiger. Die Bank begründet diesen Preisabschlag gegenüber dem traditionellen Vertriebskanal mit dem geringeren Verarbeitungsaufwand sowie dem Umstand, dass bei der Onlinehypothek – mit Ausnahme eines Telefonsupports – keine Beratungsdienstleistung angeboten wird.

Die Glarner KB verzeichnet seit der Lancierung des Angebots einen beeindruckenden Boom. Bereits nach sechs Monaten habe man mit Hypotheken von 100 Millionen Franken den Businessplan massiv übertroffen, erklärte Bankchef Hanspeter Rhyner – zum Vergleich: Per Ende 2012 hatte die Glarner KB knapp 3 Milliarden Franken Hypotheken in ihrer Bilanz. Die Dynamik hält weiter an: In den ersten neun Monaten 2014 hat die Glarner KB die Hypothekarforderungen gegenüber Ende 2013 um 7 Prozent auf 3,54 Milliarden Franken steigern können. Wie viel der Zuwachs auf die Onlinevergabe zurückzuführen ist, gibt die Bank nicht im Detail bekannt. Nur so viel: 2013 kam knapp die Hälfte des Hypothekarwachstums von hypomat.ch.

Andere Kantonalbanken warten ab

Der Erfolg der Staatsbank des kleinen Kantons hat weitere Finanzinstitute aufhorchen lassen. Auf Anfrage unserer Zeitung erklären die Verantwortlichen von fünf Zentralschweizer Kantonalbanken, dass man die Einführung von Onlinehypotheken derzeit prüfe. Konkrete Pläne zur Schaffung von «e-Hypotheken» melden jedoch weder Luzern, noch Zug, Uri, Ob- oder Nidwalden. Bei der Raiffeisen-Gruppe tönt es ähnlich. «Wir haben ein Projekt am Laufen, welches den Internetauftritt im Thema Wohneigentum neu konzipiert», sagt Mediensprecherin Sonja Stieglbauer. Darin sei auch ein beschleunigter Antrags- und Bewilligungsprozess in der Hypothekarvergabe eingebettet. «Die Ausbreitung der neuen Funktionalität erfolgt stufenweise bis Ende 2016», sagt Sonja Stieglbauer. Gerade das Vorpreschen der Glarner KB und Anbietern wie Swissquote, die seit 2011 in Zusammenarbeit mit der Basellandschaftlichen KB Onlinehypotheken anbietet, bringt die Banken unter Zugzwang. Die Beispiele zeigen nämlich, dass durch das Internet die traditionellen Grenzverläufe der Staatsbanken sowie der Raiffeisenbank im Dorf wegfallen.

Studie bezeugt grosses Potenzial

Das Geschäft mit Hypotheken bleibt trotz historisch tiefen Zinsen ein wichtiger Wachstumstreiber der Retail-Banken. Bei der Verlängerung von auslaufenden Hypotheken ist künftig die Chance gross, dass der Kunde das Internet dem Gespräch mit dem Banker vorzieht. «Beim erstmaligen Abschluss einer Hypothek benötigen die meisten Kunden eine fachmännische Beratung», weiss Andreas Dietrich, Professor am Institut für Finanzdienstleistungen Zug der Hochschule Luzern (IFZ). Andreas Dietrich hat in seiner vor kurzem veröffentlichten Studie «Retail Banking. Auf zu neuen Ufern?» unter anderem das Potenzial von Onlinehypotheken untersucht. «Wir gehen davon aus, dass in fünf Jahren mehr als 10 Prozent der Hypotheken online verlängert werden», sagt Dietrich.

Eine durch das IFZ bei 214 Schweizer Retail-Banken durchgeführte Umfrage hat ergeben, dass 79 Prozent aller Umfrageteilnehmer diese Einschätzung teilen. Konkret würde dies bedeuten, dass 2019 jährlich Hypotheken in der Höhe von rund 12 Milliarden Franken online verlängert werden. Derzeit liegt die Summe bei 2 Milliarden Franken – wobei hier auch die Neuabschlüsse eingerechnet sind. «Entsprechend erwarten viele Bankenvertreter Wachstumsraten im Onlinebereich von 500 Prozent über fünf Jahre», erklärt Dietrich.

Die Entwicklung des Hypothekar-Volumen in der Schweiz (Bild: Grafik: jn, mop)

Die Entwicklung des Hypothekar-Volumen in der Schweiz (Bild: Grafik: jn, mop)