E-BOOKS: E-Books: Kleine sagen Grossen den Kampf an

Kleine Buchhändler wollen Amazon, Apple und Google den Markt nicht überlassen. Sie lancieren eine eigene E-Book-Plattform. Auch Zentralschweizer sind dabei.

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Digitales Lesen in den Ferien: Immer mehr Schweizer nehmen ihre E-Books mit auf Reisen. Jetzt bieten auch kleinere Buchhändler eine grosse Auswahl. (Archivbild) (Bild: Keystone)

Digitales Lesen in den Ferien: Immer mehr Schweizer nehmen ihre E-Books mit auf Reisen. Jetzt bieten auch kleinere Buchhändler eine grosse Auswahl. (Archivbild) (Bild: Keystone)


Max Fischer

Sie sind praktisch und handlich. Auf Reisen und beim Pendeln müssen Leseratten nicht mehr Koffer und Mappen vollbepackt mit schweren Büchern mitschleppen: Auf Tablets und E-Readern lassen sich problemlos über 1000 Werke speichern, sodass sich Leser nach Lust und Laune in einen Roman oder ein Sachbuch vertiefen können. Puristen fehlen die Haptik und das Sinnliche. Manche Kritiker bemängeln, dass die Preise in der Schweiz nur etwa ein Drittel bis die Hälfte billiger sind als gedruckte Bücher. Dies sei der Grund, warum sich E-Books in der Schweiz und generell im deutschsprachigen Raum noch nicht durchgesetzt hätten.

Absatz in den USA rasant gestiegen

Anders ist die Situation im weltweiten E-Book-Land Nummer eins: In den USA wurden im Jahr 2011 für 27,2 Milliarden Dollar Bücher verkauft. Bereits ein Viertel oder 25 Prozent des Umsatzes gehen mittlerweile auf den Konsum von den dort wesentlich billigeren E-Books zurück. Noch ein Jahr zuvor lag der Marktanteil lediglich bei 6,2 Prozent. In der Schweiz liegt der Umsatz an E-Books nach Schätzungen des Schweizerischen Buchhändler- und Verleger-Verbandes derzeit bei 3 Prozent - und das bei einem gesamten Jahresumsatz von einer Milliarde Franken.

Doch zahlreiche Experten rechnen hierzulande damit, dass sich die Lage auch in der Schweiz schnell und sehr drastisch ändern wird. Die Grossbuchhandlung Orell Füssli geht beispielsweise bei den E-Books von einer Zunahme auf 15 Prozent bis zum Jahr 2015 aus. Und auch Analysen der Grossbank Credit Suisse kommt in ihrem Branchenreport 2013 zum Schluss: «Der stationäre Handel wird weiter unter Druck bleiben. Die Anbieter sollen die Online-Plattformen aber nicht als existenzielle Bedrohung, sondern als komplementären Absatz- und Kommunikationskanal verstehen.» Die CS sieht ein grosses Potenzial im so genannten «Cross Channel Retailing».

Buchhändler spannen zusammen

Diese Empfehlung haben sich einige kleinen und mittleren Buchhandlungen zu Herzen genommen. Sie wollen verhindern, dass ihnen das gleiche Schicksal wie den Kollegen im Musikgeschäft widerfährt und sie früher oder später überflüssig werden. Vor allem wollen sie ein Stück vom Kuchen und setzen auf Eigenständigkeit. «Wir wollen Amazon und Apple den gesamten Markt für E-Books nicht widerstandslos überlassen», sagt Martin von Matt von der gleichnamigen Buchhandlung in Stans. Zusammen mit Kollegen von rund 250 Buchhandlungen in der Deutschschweiz will er, statt zu jammern und die guten alten Zeiten hochleben zu lassen, mit einem innovativen Konzept für zufriedene Kunden und schwarze Zahlen sorgen. «Auf einer gemeinsamen Datenbank werden wir 400'000 E-Books anbieten.»

E-Books zum Verschenken

So funktioniert es: Der Kunde kann wie gewohnt seine Haus-Buchhandlung aufsuchen und dort nach Lust und Laune schmökern, sich kompetent beraten lassen und sich dann für einen Titel entscheiden. «Je nach Vorliebe kann er dann eine gedruckte gebundene Version, ein Taschenbuch, ein Hörbuch oder auch ein E-Book wählen», erklärt von Matt. Das Buch kann er jeweils direkt im Laden bezahlen. Wenn er sich für ein E-Book entscheidet, erhält er einen Link für den Download im Internet.

E-Books können natürlich auch wie herkömmliche Bücher verschenkt werden: Auf dem Gutschein ist der jeweilige Code aufgedruckt, mit dem das Buch heruntergeladen werden kann. Zu einem Preis von unter 150 Franken werden die Buchhandlungen auch einen Reader anbieten. Wenn der Kunde online von zu Hause aus auf die Datenbank zugreift, ist die eigene Buchhandlung im System hinterlegt und der Kauf wird über sie abgewickelt.

Entwickelt wurde die neue Datenbank von Rolf Merio von Comelivres, einem auf IT-Lösungen für den Buchhandel spezialisierten Unternehmen: «Bereits im Frühherbst geht es los. Das Angebot mit 400'000 E-Books, das wir laufend ergänzen, entspricht dem von grossen Buchhandlungen. Es bietet aber den Vorteil, dass der Kunde bei seiner lokalen Lieblingsbuchhandlung einkaufen kann», sagt Merio.

Buchmarkt stagniert seit Jahren

red. Das Buch ist eines der ältesten Medien, und es war über Jahrhunderte das wichtigste Speicher- und Verbreitungsmedium für Wissen überhaupt. Heute gewinnen die elektronischen Medien auch für die Aufbewahrung von Wissen an Bedeutung. Das heisst, auch Bücher werden, in Form von E-Books, mit den entsprechenden E-Readern vermehrt elektronisch gelesen. Das gedruckte Buch hat deswegen aber keineswegs als Medium an Attraktivität verloren, kommt das Bundesamt für Statistik BFS zum Schluss.

Stagnation auf hohem Niveau

Die Vielfalt an neuen Buchtiteln in der Schweiz stagniert nach Angaben des BFS in den letzten Jahren auf einem hohen Niveau von über 10 000 Titeln pro Jahr. Lag die Zahl der herausgegebenen Bücher im Jahr 1991 bei 10 400, hat sich im Jahr 2011 mit 10 900 herausgegebenen Buchtiteln nicht viel bewegt. Seit etwa Mitte der 1960er-Jahre hat sich die Produktion an Buchtiteln bereits verdoppelt, und über den Zeitraum von nahezu 100 Jahren ist ungefähr von einer Versechsfachung der Titel auszugehen. Die deutschsprachigen Bücher machen im Jahr 2011 mit 5806 Titeln über die Hälfte aller in der Schweiz erschienenen Bücher aus. Die französischsprachigen Bücher bewegen sich im Bereich von 25 Prozent, und die italienischsprachigen erreichen gerade einmal 3 bis 4 Prozent. Der Anteil der übrigen Sprachen beläuft sich auf etwa 20 Prozent, wobei die englischen Bücher über die Hälfte ausmachen.

E-Books auf dem Vormarsch

Trotz fortgeschrittener Digitalisierung würden in der Schweiz erst rund 2 bis 3 Prozent des Büchergeschäfts mit E-Books verdient. «Aber der Anteil nimmt spürbar zu», sagt Dani Landolf, Geschäftsführer des Schweizerischen Buchhändler- und Verleger-Verbandes (SBVV).

Was man bei einem E-Book beachten sollte

red. Handliche E-Book-Reader machen gewichtigen Schmökern immer mehr Konkurrenz.

Was ist ein E-Book genau?

Ein E-Book ist die digitale Ausgabe eines Buchs. Es kann auf verschiedenen elektronischen Medien gelesen werden, wie Computern, Tablets und Smartphones. Auf einen E-Reader lassen sich meist mehrere tausend E-Books speichern. Zudem versprechen E-Books eine grössere Barrierefreiheit, da sich die Buchstaben enorm vergrössern lassen und so auch sehbehinderten Menschen ein bequemes Lesen ermöglichen. Ein E-Book ist im Durchschnitt 20 Prozent günstiger als das gedruckte Pendant.

Was ist der Unterschied zwischen einem E-Book im PDF-Format und einer PDF-Datei?

Der Unterschied besteht darin, dass E-Books mit einem Kopierschutz versehen sind. Er verhindert die Vervielfältigung und Weitergabe einzelner Texte. Damit werden die Rechte der Autoren gewahrt.

Wie kann ich das E-Book beziehen?

Sie können sowohl komplette Bücher wie auch einzelne Kapitel als PDF herunterladen und lesen. Klicken Sie auf den Knopf «E-Book» und wählen Sie die gewünschten Kapitel aus. Schliessen Sie den Bestellvorgang ab und wählen Sie die Bezahlart. Nach abgeschlossener Transaktion erhalten Sie per E-Mail die Bestätigungsnachricht mit einem Link zu Ihrem Einkauf. Unter diesem Link können Sie die PDFs herunterladen, lesen und lokal abspeichern.

Muss ich online sein, um E-Books zu lesen?

Nein. Um das E-Book per Download zu beziehen, müssen Sie online sein. Um das E-Book zu lesen, ist es allerdings nicht erforderlich, dass Sie online sind.

Was ist der Nachteil am E-Book?

Kauft man ein E-Book, erkauft man sich damit «nur» das Recht an der Benutzung, also das E-Book zu lesen. Besitzen, weiterverkaufen oder weiterverschenken lassen sich E-Books nur in eingeschränktem Masse.

Kann ich die Inhalte kopieren?

Nein. Die E-Books sind mit einem digitalen Schutz versehen. Sie können die E-Books zwar ausdrucken, sie aber nicht kopieren oder verändern.

Welche Bezahlarten sind möglich?

E-Books können ausschliesslich mit Kreditkarte oder Postcard bezahlt werden.