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E-COMMERCE: Brack baut in Willisau aus

Zehn Jahre nach dem Rückzug von Lego aus Willisau hat Roland Brack mit seiner Competec-Gruppe die hinterlassene Lücke längst geschlossen. Nun investiert er weitere 50 Millionen Franken.
Maurizio Minetti
Roland Brack, Gründer von brack.ch, an einem der Fliessbänder im Hauptlager in Willisau. Hier wird die bestellte Ware versandfertig gemacht. (Bild Pius Amrein)

Roland Brack, Gründer von brack.ch, an einem der Fliessbänder im Hauptlager in Willisau. Hier wird die bestellte Ware versandfertig gemacht. (Bild Pius Amrein)

Clownfiguren aus Lego-Bausteinen erinnern an vergangene Zeiten. Am Eingang der Competec in Willisau scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vor zehn Jahren gingen hier 240 Arbeitsplätze verloren, als der dänische Spielzeughersteller Lego sein Werk schloss und die Stellen nach Tschechien verlagerte. Roland Brack gefielen die Figuren aus Lego-Duplosteinen so gut, dass er sie behielt, als er 2011 das Areal kaufte.

Heute arbeiten wieder 140 Angestellte in Willisau. Produziert werden jetzt Päckli. Bracks Firmengruppe handelt mit Produkten aller Art. Die bekannteste Marke ist der Online-Shop brack.ch. Angefangen hat der 43-jährige Aargauer mit Elektronik und IT, mittlerweile ist das Sortiment aber viel breiter: Babyartikel, Waschmaschinen, Spielsachen, Hygieneartikel, Musikinstrumente. Fast alles, was zum Non-Food-Bereich gehört, findet man im riesigen Lager in Willisau.

Als Gemischtwarenladen möchte die Firma aber nicht wahrgenommen werden. «Wir sind kein Onlinehändler, sondern Onlinefachhändler», sagt Inhaber Roland Brack bei einem Besuch in Willisau. Was er damit meint: «Wir bieten den Kunden im jeweiligen Segment Beratung vor dem Kauf und Support danach an.»

Grünes Licht für den Neubau

Das Logistikzentrum besteht aus einem Lagergebäude für Grossteile, drei automatischen Verpackungsanlagen und zwei automatischen Kleinteilelagern. Die beiden «Autostore» genannten Kleinteilelager sind die grosse Attraktion in Willisau. Kleine rechteckige Roboter flitzen hier quer durcheinander und bringen dem Lagermitarbeiter auf Knopfdruck die gewünschten Artikel. Das ganze Logistikzentrum beherbergt über 100 000 Produkte von tausend Herstellern. Die meisten Produkte sind Kleinteile.

Bald soll das Lager vergrössert werden. «Läuft alles wie geplant, werden wir hier 2018 einen Neubau in Betrieb nehmen», sagt Brack. Vergangene Woche erhielt er die Baubewilligung für den 50 Millionen Franken teuren Neubau. Zuvor hatte eine Einsprache von zwei Privatpersonen die Pläne blockiert. Zwar läuft noch eine Frist, während der die Personen den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiterziehen können, doch Roland Brack hofft, dass er seine Pläne verwirklichen kann. Die Beschwerdeführer hatten sich an der Höhe des geplanten Logistikgebäudes gestört.

Umsatz soll verdoppelt werden

«Mit dem neuen Gebäude werden wir unsere Lagerfläche um einen Drittel vergrössern, den Platz aber im Vergleich zu heute mehr als verdoppeln, weil wir in die Höhe bauen», erklärt Brack. Langfristig rechnet er dadurch mit einer Verdoppelung des Umsatzes und einem weiteren starken Wachstum der Belegschaft. Letztes Jahr hat seine Competec-Gruppe 535 Millionen Franken umgesetzt. Die Competec-Gruppe – bald ein Milliarden-Konzern? Durchaus möglich, wenn man betrachtet, wie stark die Firma durch Zukäufe und organisches Wachstum seit der Jahrtausendwende gewachsen ist (siehe Grafik).

«Als wir 2012 hier eingezogen sind, haben wir nur die Hälfte der damaligen 55'000 Quadratmeter besetzt, den Rest hatten wir untervermietet», sagt Brack. Mittlerweile braucht Competec den ganzen Platz für sich. «Bis 2018 wird es hier proppenvoll sein.» Mit dem Neubau wird die Lagerfläche auf 75'000 Quadratmeter ansteigen.

Bis dahin wird Brack die bestehenden Gebäude in Willisau kontinuierlich ausbauen. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht irgendwo irgendwas erneuert oder ausgebaut wird. «Es ist ein ständiger Ausbauprozess», so Brack. «Wir investieren jährlich mehrere Millionen in den Ausbau der Anlagen. Wir tun das bewusst schrittweise, um aus den aktuellsten Erfahrungen zu lernen und nachher basierend auf diesen Erkenntnissen weitere Schritte zu machen.»

Schnelllieferung bald in Luzern

Der Markt, in dem sich der Onlineshop brack.ch bewegt, ist sehr kompetitiv. Die zwei Riesen Migros und Coop betreiben diverse Elektronik-Onlineshops, die ähnlich wie Brack ihre Sortimente laufend erweitern und ständig neue Dienstleistungen anbieten. Brack sieht sich als inhabergeführtes Unternehmen im Vorteil: «Wir können schnell auf Trends reagieren.» Zum Beispiel auf den Trend Same Day Delivery. Viele Onlineshops bieten mittlerweile die Möglichkeit an, dass man Ware innerhalb von Stunden nach der Bestellung erhält.

Auch brack.ch bietet seit einem Jahr die Lieferung am gleichen Tag an. Allerdings muss die Ware bis 10 Uhr bestellt sein. «Es gab aber kein grosses Bedürfnis danach», räumt Brack ein. Deshalb tüftelt die Firma an einem attraktiveren Angebot, bei dem die Produkte bis 15 Uhr bestellt werden können und am gleichen Abend noch geliefert werden. Voraussetzung ist, dass das Paket nicht schwerer als 30 Kilogramm ist. Möglich macht dies eine Kooperation mit dem Zürcher Velokurierdienst No Time. Erst im April hat der Luzerner Mitbewerber Steg Electronics eine ähnliche Dienstleistung lanciert, allerdings in Kooperation mit Pizza-Blitz.

«Derzeit testen wir das Angebot in der Stadt Zürich», sagt Brack. Verläuft alles nach Plan, soll die Highspeed-Lieferung bald in Bern, Luzern und weiteren Städten angeboten werden. Vorgesehen ist, dass der Service rund 5 Franken kosten wird.

Es passt zur Roland Brack, dass er immer weiterdenkt und nicht stehen bleibt. Der harte Konkurrenzkampf im Onlinehandel treibt ihn an, ständig nach Grösse zu streben. «Man braucht ein gewisses Gewicht, um in diesem Markt zu bestehen», ist er überzeugt. In Willisau besitzt er das Kaufrecht für ein weiteres angrenzendes Landstück. Roland Brack denkt bereits an den übernächsten Ausbauschritt.

Im Estrich begonnen

Roland Brack (43) kann als Technikfreak bezeichnet werden. Noch während der Elektromechanikerlehre Anfang der Neunzigerjahre fängt er an, mit Computern zu handeln. Im Estrich seines Elternhauses im Aargauer Fricktal betreibt er eine Werkstatt, wo er Computerteile aus Taiwan importiert und zusammenschraubt. Die Rechner verkauft er an Freunde und Verwandte.

1,3 Millionen Pakete pro Jahr

Während des Elektrotechnikstudiums gründet er 1994 seine eigene Firma. 1996 stellt er seinen ersten Mitarbeiter an – dieser arbeitet noch heute bei der Competec-Gruppe. Zur Gruppe gehören der IT-Grosshändler Alltron, der Onlineshop brack.ch sowie seit kurzem der auf Babyartikel spezialisierte Shop babymueller.ch. Die Gruppe beschäftigt 360 Personen im aargauischen Mägenwil und 140 in Willisau. Von Willisau aus sind letztes Jahr 1,3 Millionen Pakete versandt worden. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Wachstum um 15 Prozent. Der Umsatz der gesamten Gruppe stieg um 1,9 Prozent auf 535 Millionen Franken. Das Wachstum liess zuletzt etwas nach, weil Competec 2015 unter den gesunkenen Preisen aufgrund der Aufhebung des Euro-Mindestkurses litt.

Maurizio Minetti

Die Personal- und Umsatzentwicklung der Competec-Gruppe zwischen 2000 und 2015. (Bild: Grafik Lea Siegwart)

Die Personal- und Umsatzentwicklung der Competec-Gruppe zwischen 2000 und 2015. (Bild: Grafik Lea Siegwart)

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