Baselbiet
EBM-Prestigeobjekt in der Kritik

In Lenzburg steckt die EBM Millionen in die Aufwertung eines riesigen alten Fabrikgeländes. Der Strommonopolist würde dieses Geld gescheiter im Baselbiet investieren, kritisieren Landräte von links bis rechts.

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bz Basellandschaftliche Zeitung

Hans-Martin Jermann

Morgen präsentiert die Geschäftsleitung der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) den Delegierten die ehrgeizigen Pläne zur Entwicklung des Hero-Areals in Lenzburg. Die EBM will dort das 60 000 Quadratmeter grosse Fabrikgelände, das sie Ende 2007 der Hero abgekauft hat, als Zwischeninvestorin entwickeln und dann - möglichst mit sattem Gewinn - wieder abstossen. Das Projekt mit dem Namen «Gleis Nord» ist für den Münchensteiner Stromkonzern «eine Riesenkiste», wie EBM-Sprecher Joachim Krebs betont - und für die Stadtentwicklung Lenzburgs von grösster Bedeutung. An zentraler Lage sind dort Gebäude für Miet- und Eigentumswohnungen, Lofts, Büros und Gewerbe sowie ein Hotel geplant.

«Das gemischt genutzte Areal ist wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltig», wirbt Krebs. Sozial nachhaltig, weil das Areal künftig als Wohnquartier für mehrere hundert Menschen aller Altersgruppen und sozialer Schichten dienen soll. Ökologisch nachhaltig werde das Projekt sein, weil rund zwei Drittel des Wärmebedarfs der Siedlung mittels umweltfreundlicher Techniken wie Holzschnitzel- und Pelletsheizungen und Wärmerückgewinnung gedeckt werden soll. Es versteht sich von selbst, dass die EBM den Bau der Wärmeanlagen sowie die Ausstattung mit der Telekommunikations-Infrastruktur selber vornimmt.

Applaus von Lenzburgs Stadtvätern

Auf dem Gelände ist ferner ein 10 000 Quadratmeter grosser Park geplant - der grösste Lenzburgs notabene. «Heute ist das Areal eine Betonwüste», stellt Krebs klar. Umweltfreundlich zudem: Das Areal ist verkehrsfrei konzipiert. Joachim Krebs spricht mit hörbarer Begeisterung über das nicht eben alltägliche Projekt. Auch die Lenzburger Stadtväter seien voll des Lobes, berichtet Krebs.

Weniger gut kommen die Pläne dagegen in der Heimat an. «Die EBM würde dieses Geld gescheiter im Baselbiet investieren», findet SVP-Landrat Hans-Jürgen Ringgenberg. Bei der EBM hüllt man sich über den Kaufpreis für das Areal in Schweigen. Immobilienfachmann Ringgenberg schätzt einen Betrag in tiefer zweistelliger Millionenhöhe. «Jedenfalls ist es eine erkleckliche Summe, die in der jetzigen Krise unserer Wirtschaft gut tun würde.» Zudem sollte sich die EBM auf ihr Kerngeschäft fokussieren, anstatt viel Geld in teure Prestigeobjekte zu stecken, findet Ringgenberg. «Geht das Immobiliengeschäft in die Hose, müssten die EBM-Kunden befürchten, dass der Strompreis steigt», gibt er zu bedenken.

«Der EBM auf die Finger schauen»

Die Geschäftspolitik des grossen Baselbieter Energieversorgers stösst aber nicht nur bei Bürgerlichen, sondern auch bei der Linken auf Kritik. «Die EBM nutzt ihre Monopolstellung aus», sagt SP-Landrat Marc Joset. Der private Kunde könne den Stromanbieter nicht wechseln, wenn ihm dessen Geschäftsgebaren missfalle. Das unterscheide die Strommonopolisten landauf landab von Unternehmen, die sich in einem wirklich freien Markt behaupten müssen. «Deshalb finde ich, dass der Staat hier ein Wörtchen mitreden darf», betont Joset. SVP-Landrat Ringgenberg steht nicht im Verdacht, ein Fan von Staatseingriffen zu sein. Doch hier ist er derselben Meinung wie sein SP-Kollege. «Wir müssen der EBM stärker auf die Finger schauen.»

In Münchenstein sorgen diese Äusserungen für Kopfschütteln: «Wir sind - im Gegensatz etwa zur Basler IWB - kein staatlicher Betrieb», stellt EBM-Sprecher Krebs klar. Dass die Kritik der Landräte dereinst Einfluss auf die Geschäftspolitik der EBM haben könnte, glaubt er aber nicht: «Der Kanton ist nicht unser Konzessionsgeber, sondern einer von vielen Genossenschaftern.»