EBM
EBM will nicht Prügelknabe sein

Anders als die Konkurrentin EBM investiert die Elektra Baselland nicht in Kohlekraftwerke – Kohlestrom kriegen die EBL-Kunden aber wohl trotzdem.

Merken
Drucken
Teilen
Markt

Markt

bz Basellandschaftliche Zeitung

Hans-Martin Jermann

Heftig ist die Kritik, mit der die Elektra Birseck Münchenstein (EBM) derzeit wegen der geplanten 20-Millionen-Investition in ein Kohlekraftwerk im norddeutschen Brunsbüttel eingedeckt wird. Kritik, die nach Ansicht der EBM-Verantwortlichen so nicht gerechtfertigt ist: Man habe gewusst, dass die Kraftwerk-Idee hier in der Region nicht nur Freude auslösen werde, sagt Dominik Baier.

Der Bereichsleiter Recht beim grössten Baselbieter Energieversorger schüttelt dennoch den Kopf: «Unsere Geschäftspolitik ist transparent, wir haben offen informiert - und sind jetzt die Prügelknaben.»

Baier argumentiert: Die EBM hätte anstatt in die Kohle zu investieren auch nichts tun und sich wie andere Energieversorger auf dem freien Markt mit dem zur Vollversorgung nötigen Strom eindecken können - ohne, dass dies auf Strommix und CO2-Ausstoss einen Einfluss gehabt hätte. Denn: «Dieses Kohlekraftwerk wird auch ohne EBM-Beteiligung gebaut. Dessen Strom wird also irgendwann an der europäischen Strombörse gehandelt und mitunter von Schweizer Energieversorgern gekauft.»

EBL: Bis 20 Prozent nicht überprüfbar

Das Kohlekraftwerk Brunsbüttel könnte ab 2015 bis zu fünf Prozent des Stromverbrauchs der EBM-Kunden decken. Heute liefert die EBM ihnen noch keinen Kohlestrom. Während die EBM die Herkunft des verkauften Stroms zu 100 Prozent deklariert, weisen andere in ihrer Stromkennzeichnung einen mehr oder weniger grossen Anteil von nicht überprüfbaren Energieträgern aus.

Beim regionalen Konkurrenten der EBM, der Elektra Baselland (EBL), waren dies 2008 17 Prozent. Wie der Name sagt, ist die Herkunft hier nicht überprüfbar. «Es darf aber vermutet werden, dass dieser Strom auf internationalen Börsen eingekauft wurde und mehrheitlich aus fossilen und nuklearen Quellen stammt», hat das Bundesamt für Energie dazu bereits früher klar gemacht. Dominik Baier doppelt nach: «Wenn dieser Strom aus erneuerbaren Quellen stammen würde, würde er so deklariert - schliesslich lassen sich mit Öko-Strom höhere Preise erzielen.»

Heisst das, dass auch die Kunden der EBL Kohlestrom konsumieren - obwohl deren Chef Urs Steiner die Parole «Keine Investitionen in Kohle» herausgegeben hat? «2008 haben wir keinen Kohlestrom gekauft», stellt EBL-Geschäftsleitungsmitglied Peter Schafroth klar. Der 17-Prozent-Anteil aus nicht überprüfbaren Quellen sei via Zertifikatehandel in der Wasserkraft gedeckt worden.

Anders sehe es fürs laufende Jahr aus, räumt Schafroth ein: Seit der Marktöffnung per Anfang 2009 erledige die Atel für die EBL den Einkauf des fehlenden Stroms. Bis 20 Prozent des Verbrauchs ihrer Kunden wird die EBL 2009 mit nicht überprüfbaren Energieträgern decken. «Wir können nicht nachprüfen, woher dieser Strom stammt», gesteht Schafroth.

IWB: «Wert langfristig auf Null bringen»

Dasselbe sagt René Kindhauser, Leiter Kommunikation bei den Industriellen Werken Basel (IWB). Im Gegensatz zur EBL gibt der Basler Energieversorger allerdings nur 1,6 Prozent Strom aus nicht überprüfbaren Quellen an seine Kunden weiter. Allerdings sagt Kindhauser: «Wir müssen diesen Wert langfristig auf Null bringen.» Der Auftrag des IWB-Eigentümers, des Kantons Basel-Stadt ist nämlich klar: 100 Prozent Abdeckung mit erneuerbaren Energien. Diesem Ziel ist die IWB bereits heute deutlich näher als die beiden Baselbieter Mitbewerber EBM und EBL.