EFFIZIENZ: Die profitabelsten Autobauer

Eine Studie zeigt, welche Autobauer wie viel am Fahrzeuggeschäft verdienen. Während die Premiumhersteller in einer eigenen Liga spielen, verlieren andere viel Geld.

Roman Schenkel und Hans-Peter Hoeren
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Porsche ist hochprofitabel und Teil des VW-Konzerns (im Bild ein Porsche 911 im Test). (Bild: EPA/Jan Woitas)

Porsche ist hochprofitabel und Teil des VW-Konzerns (im Bild ein Porsche 911 im Test). (Bild: EPA/Jan Woitas)

Seit Jahren buhlen Toyota, Volkswagen und General Motors um den prestigeträchtigen Titel des weltgrössten Autoherstellers. 2012 hatte der Toyota-Konzern wieder die Nase vorne. Mit 9,75 Millionen verkauften Fahrzeugen liessen die Japaner den VW-Konzern (9,35 Millionen) und GM (9,29 Millionen) hinter sich. Der VW-Konzern hat Toyota aber den Kampf angesagt – spätestens 2018 solle sein Unternehmen zuoberst auf dem Treppchen stehen, kündigte VW-Chef Martin Winterkorn vollmundig an.

Dabei dreht sich in der Autowelt längst nicht alles um die Grösse. Ebenso wichtig ist die Effizienz der Autobauer. Eine neue Studie des Center Automotive Research (CAR) unter der Leitung von «Auto-Papst» Ferdinand Dudenhöffer zeigt, wie profitabel die jeweiligen Autosparten der Konzerne sind – und zwar pro verkauftes Fahrzeug. Als Berechnungsgrundlage für den Gewinn beziehungsweise Verlust pro verkauftes Auto diente der Studie die Angabe von Gewinn/Verlust vor Zinsen und Steuern. Die Auswertung erfolgte getrennt für Massen- und Premiumhersteller.

Chrysler dank erstarktem US-Markt

Bei den Massenherstellern erzielte 2012 überraschend Chrysler den höchsten Gewinn pro Fahrzeug. 1579 Euro strich Chrysler pro verkauftes Auto ein, was einer Gewinnmarge von 6,8 Prozent entspricht (siehe Grafik oben). Dieses Ergebnis hat Dudenhöffer überrascht: Noch vor zwei Jahren sah die Zukunft der amerikanischen Fiat-Tochter mehr als düster aus, nun habe Chrysler vom erstarkten US-Markt und der hohen Nachfrage der Kunden nach Pick-ups und Offroadern profitiert, erklärt der Studienleiter. Diese Autotypen würden aufgrund ihrer einfachen Nutzfahrzeug-Technik hohe Renditen erzielen.

Am zweitmeisten verdienten laut der Studie die Hersteller Hyundai und Kia. Die Südkoreaner fuhren 1183 Euro Gewinn pro verkauftes Auto ein. Das entspricht einer Marge von 9,1 Prozent. «Gute Kostenstrukturen, weniger Mitarbeiter, Wechselkursvorteile und hohe Stückzahlen», erklärt Dudenhöffer die hohe Gewinnmarge. Dass der Gewinn pro Auto dennoch tiefer ausfällt als bei Chrysler, liege an den tieferen Verkaufspreisen der Hyundai- und der Kia-Fahrzeuge.

Allerdings – und das könnte sich laut Dudenhöffer in Zukunft rächen – hat sich Chrysler diese guten Zahlen hart erspart: «Chrysler hat die Ausgaben in die Forschung und Entwicklung stark zurückgefahren», sagt der Auto-Experte.

Die beiden Grossen gleichauf

Die Marken Volkswagen und Toyota lagen mit 3,5 Prozent Gewinn pro Auto gleichauf. 751 Euro erlösten 2012 die Wolfsburger pro Auto, 707 Euro die Japaner. Dabei fällt auf, dass VW schlechter abschneidet als seine eigene Tochter Skoda (758 Euro pro Fahrzeug). Dank der höheren Marge macht die Tochterfirma die tieferen Verkaufspreise mehr als wett.

Um sein Ergebnis zu verbessern, rät Dudenhöffer dem VW-Konzern, der für seine hohe Fertigungstiefe bekannt ist, sich zu überlegen, ob es nicht effizienter wäre, bestimmte Dinge an Zulieferer zu vergeben. «Aktuell werden die Einkaufsvorteile des Grosskonzerns durch hohe Kosten in anderen Bereichen aufgesogen», sagt Dudenhöffer.

Der gewichtigste Bereich sind dabei die Personalkosten: «Im Vergleich zum Rest der Branche hat VW einen zu grossen Mitarbeiterstamm», kritisiert der Auto-Experte. 550 000 Angestellte hat der VW-Konzern. Zum Vergleich: VWs ärgster Konkurrent Toyota zählt «nur» 332 000 Mitarbeiter.

VW mit geringer Effizienz

Rechnet man den Umsatz der Autobauer durch die Anzahl Angestellte, so sieht man, dass der Umsatz pro Mitarbeiter bei VW mit 350 000 Euro deutlich tiefer ist als derjenige von Toyota (635 000 pro Angestellter). «Hat ein Konzern nur einen geringen Umsatz pro Beschäftigen, ist seine Effizienz verbesserbar», sagt Dudenhöffer. Kurioserweise denke man bei VW aber nur an die umgekehrte Richtung, sagt der Auto-Experte. Der Betriebsrat (in der Schweiz: Verwaltungsrat) spreche schon von 600 000 Beschäftigten.

Ganz alles kann VW im letzten Jahr aber nicht falsch gemacht haben. Immerhin erzielte der Wolfsburger Konzern 2012 einen Rekordgewinn von 22 Milliarden Euro – 40 Prozent mehr als 2011. «Die Untersuchung ist ein Spiegel der Absatzkrise am europäischen Automarkt», sagt Dudenhöffer. So könnten Hersteller, die ihre Autos weltweit vertreiben, in der Regel auch mehr pro Fahrzeug verdienen. Im Gegensatz dazu Unternehmen, deren Hauptabsatzmarkt sich auf Europa beschränke. Diese haben die Krise des vergangenen Jahres mit aller Wucht zu spüren bekommen. Das zeigt sich bei den französischen Autobauern Renault, Peugeot-Citroën oder der spanischen VW-Tochter Seat. Bei allen drei Autobauern war das reine Fahrzeuggeschäft ein Minusgeschäft.

Noch deutlicher zeigt sich die Eurokrise bei den europäischen Töchtern der US-Hersteller. Während die europäische Dependance von Ford 6,6 Prozent (967 Euro) Verlust pro verkauftes Auto produzierte, kam der Rest des Konzerns auf 824 Euro Gewinn (4,9 Prozent pro Auto). GM Europa, das aus Opel und Vauxhall besteht, verlor pro verkauftes Auto 834 Euro, der andere Teil des Konzerns verdiente pro verkauftes Auto 635 Euro.

Porsche als Gewinn-Champion

Ganz anders sieht es im Hochpreissegment aus. «Die deutschen Premiumhersteller spielen in einer eigenen Liga», sagt Dudenhöffer. So ist Porsche unter allen Autobauern der profitabelste. Laut Studie verdienten die Stuttgarter 2012 vor Zinsen und Steuern rund 17 056 Euro pro verkauftes Fahrzeug. «Porsche hat gute Preise, die sich sehr gut im Markt umsetzen lassen», sagt CAR-Leiter Dudenhöffer. Audi – die Sparte gehört wie Porsche ebenfalls zum VW-Konzern – erzielte 3721 Euro Gewinn pro Fahrzeug, was einer Gewinnmarge von 11,2 Prozent entspricht. Bei BMW waren es 10,9 Prozent oder 4132 Euro Gewinn pro Auto. Am Ende des Premiumsegments rangiert Mercedes mit 3023 Euro Gewinn pro Auto. Das entspricht einer Marge von lediglich 7,1 Prozent.