EICHHOF: «Ich verstehe die Emotionen»

Der Bierproduzent Heineken lässt Eichhof-Bier künftig in Chur abfüllen. Die Luzerner Abfüllerei ist veraltet. Roger Basler, Chef von Heineken Schweiz, erklärt wie es in Luzern weitergeht.

Interview Lukas Scharpf
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Roger Basler ist CEO der Heineken Switzerland. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Roger Basler ist CEO der Heineken Switzerland. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Roger Basler, die Luzerner hängen an «ihrem» Bier. Bereits die Übernahme der Eichhof Getränke AG durch den Grosskonzern Heineken vor vier Jahren liess die Stammtische in den Beizen beben. Ab Mitte 2013 wird das Eichhof-Bier in Chur abgefüllt. Alle Skeptiker sehen ihre Ängste vor dem Ende «ihres» Biers bestätigt. Können Sie diese Reaktionen nachvollziehen?

Roger Basler: Natürlich verstehe ich die Emotionen, die dieser Entscheid auslöst. Ich bitte aber darum, dass man das nüchtern betrachtet. Auch wenn es ums Bier geht. Wir ändern einen produktionstechnischen Vorgang. Gebraut wird weiterhin in Luzern mit Wasser vom Pilatus.

Kein Abbau auf Raten?

Basler: Wir halten am Braustandort Luzern und auch an unseren Engagements in der Region, etwa als Sponsor zahlreicher Veranstaltungen, fest. Eichhof bleibt eine Luzerner Brauerei mit Luzerner Bier. Ich bin überzeugt, dass die aufgeklärte Bevölkerung das versteht, wenn die Wogen sich geglättet haben. Die offizielle Begründung ist der Rückgang des Verbrauchs in der Gastronomie und der Wegfall eines Grossauftrags.

Handelt es sich dabei um den Auftrag von Coop, dessen Prix-Garantie-Bier bisher bei Calanda in Chur gebraut wurde und dessen Herstellung nun ins Ausland verlegt wird?

Basler: Das ist korrekt. Der Wegfall des Grossauftrags von Coop hinterlässt eine grosse Lücke in der Auslastung in Chur. Wir haben hohe Fixkosten, die wir decken müssen. Daher entschieden wir uns, die Abfüllkapazitäten in der Schweiz von sechs auf fünf Linien zu reduzieren.

Warum hält man nicht an den Anlagen in Luzern fest und schliesst eine in Chur?

Basler: Erstens ist die Flaschenabfüllanlage in Luzern veraltet. Eine Erneuerung erfordert Investitionen von 13 Millionen Franken. Zweitens sind die Anlagen in Chur sehr modern. In Domat/Ems haben wir ein modernes Logistikzentrum für die Distribution. Drittens rüsten wir uns für die Fremdüberbauung Eichhof West, indem wir die Lärmemissionen reduzieren. Die Sortierung der Mehrwegflaschen und Harassen ist laut und heute auf offenem Gelände. Diese können wir in der frei werdenden Halle unterbringen.

Ab Mitte Jahr werden alle Eichhof-Biere nun in Chur abgefüllt. Der Transport soll über die Bahn geschehen. Einen Gleisanschluss hat die Brauerei aber nicht mehr.

Basler: 2 bis 4 Containertanks mit Bier werden täglich Luzern Richtung Chur verlassen. Lastwagen transportieren die grossen Tanks 9 Kilometer nach Rothenburg, wo sie auf einen Güterzug verladen werden. Die Bahn bringt das Bier dann über 130 Kilometer nach Chur.

Sind alle Eichhof-Biere betroffen?

Basler: Die Flaschen aller Marken werden künftig in Chur abgefüllt. Die Fassabfüllung bleibt in Luzern.

Der zusätzliche Transport wird in Ihrer Nachhaltigkeitsbilanz in Sachen Energie nicht schön aussehen.

Basler: Wir werfen unser Nachhaltigkeitskonzept nicht über den Haufen. Durch die Reduktion von sechs auf fünf Abfüllanlagen sparen wir Energie und reduzieren den Wasserverbrauch. Es braucht auch weniger Heizung. Zudem können wir vom Verteilzentrum in Domat/Ems aus die Verteilung für die gesamte Schweiz vornehmen. Dort haben wir in einen modernen Wechselbehälterterminal investiert. Dies erlaubt uns, einen Grossteil der Distribution mit der Bahn abzuwickeln. Bereits heute transportieren wir Eichhof-Bier in allen Gebinden nach Domat/Ems und beliefern von da aus das Tessin. Einsparungen gibt es auch beim Glas. Bisher brachten jährlich 300 Lastwagen Glasflaschen nach Luzern. Diese können künftig mit der Bahn nach Chur geliefert werden.

Macht der Bahntransport der Qualität des Bieres nichts?

Basler: Nein, da kann ich die Konsumenten beruhigen. Es ist in der genau gleichen Qualität verfügbar. Seit über zehn Jahren wird das Eichhof-Lager-Dosenbier in Chur abgefüllt. Also bereits vor der Übernahme von Eichhof durch Heineken. Wir haben Erfahrung mit dem Transport, und es gibt keine qualitativen Einbussen.

Fiel der Entscheid für die Verlagerung bei Heineken Switzerland in Luzern, oder hat die Konzernleitung in Amsterdam dies beschlossen?

Basler: Wir haben eine hohe Eigenständigkeit. Den Entscheid haben wir selbst getroffen. Wir haben ein grosses Geschäft verloren, und dafür suchten wir selbst eine Lösung. Wir müssen unser Geschäft wirtschaftlich nachhaltig gestalten, wie jede andere Firma auch.

Seit der Übernahme betont man in der Geschäftsleitung von Heineken Schweiz, dass man am Standort Luzern festhält. Nun verlagert man die Abfüllung nach Chur. Ein klares Bekenntnis zum Standort sieht anders aus. Das müssen Sie zugeben.

Basler: Wie gesagt, ich verstehe die Emotionen, die dieser Entscheid auslöst. Aber betrachten wir die Situation. Luzern ist der Sitz von Heineken in der Schweiz. Der Konzern hat auch Arbeit nach Luzern gebracht. So ist die Brauerei Eichhof das Kompetenzzentrum für alkoholfreies Bier. Dieses exportieren wir teilweise sogar ins Ausland. Bei der Übernahme gab es hier 280 Stellen in Luzern, nun sind es auch nach dem Abbau der 18 Stellen immer noch über 320 «Luzerner», die hier arbeiten. Von einem schleichenden Abbau kann nicht die Rede sein.

Wie wird sich die Zahl der Arbeitsplätze in Luzern entwickeln?

Basler: Ich bin zuversichtlich, dass wir die Anzahl der Arbeitsplätze erhalten.

Können Sie versprechen, dass in zehn Jahren in Luzern noch gebraut wird?

Basler: Der Biermarkt bewegt sich heute viel schneller als früher. Es ist unmöglich, Garantien abzugeben, was in zehn Jahren ist. Aber ich sage: Eichhof ist ein Luzerner Bier. Es wird in Luzern gebraut. Zudem ist Eichhof unsere grösste Marke in der Schweiz.

Zur Person

Roger Basler (47), Managing Director Heineken Switzerland