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Interview

«Ein absolut sicherer Hafen»

Bootsbau und Klimawandel: Alternative Antriebe werden immer gefragter, sagt Beat Plüss, Präsident des Schweizerischen Bootbauerverbands.
Interview: Stefan Borkert
Die Schweizer Bootsbranche fährt unter vollen Segeln. Bild: Urs Jaudas

Die Schweizer Bootsbranche fährt unter vollen Segeln. Bild: Urs Jaudas

Fährt der Verbandspräsident und Bootsbauer zu Wasser lieber mit Wind- oder Motorkraft?

Beat Plüss: Auf heimischen Gewässern bin ich oft per Maschinenantrieb unterwegs. Jedes Jahr geniesse ich eine bis zwei Wochen Ferien auf dem Boot, dann sind wir per Windkraft unterwegs.

Elektro- und Solarboote gibt es ja schon seit Jahren. Die ersten «Rührlöffel-Antriebe» sind ziemlich schnell High-Tech-Motoren gewichen. Wie sieht die elektrische Zukunft bei Bootsmotoren aus?

Das Thema Elektroboote erfreut sich immer grösserer Nachfrage. Bei den Segelbooten verlangen unsere Kunden immer nach einem alternativen Antrieb, wie es der Elektromotor darstellt. Bei den Motorbooten schränken die vorhandenen Batteriekapazitäten noch den Fahrradius ein. Wir sind aber überzeugt, dass dies sich in nächster Zukunft ändern wird. Auch rechnen wir in naher Zukunft mit weiteren Antriebssystemen wie der Wasserstoffzelle.

Beat Plüss, Präsident Schweizerischer Bootbauerverband (SBV)

Beat Plüss, Präsident Schweizerischer Bootbauerverband (SBV)

Smarte Technik nimmt immer mehr Platz auch bei den Booten ein. Das betrifft Segelschiffe und Motorboote. Werden überhaupt noch analoge Boote nachgefragt?

Ja, die Nachfrage nach analogen Antriebssystemen ist immer noch hoch. Sie haben somit einen festen Platz in unseren Booten. Leider sind die heutigen Boote mit Elektroantrieb für viele Leute noch unerschwinglich.

Der Klimawandel ist in aller Munde. Taugt Greta auch als Galionsfigur für die Bootsbauer?

Sicher machen wir uns Gedanken. Die Branche ist seit vielen Jahren bemüht, den Umweltgedanken umzusetzen. Dank der Entwicklung der heutigen Motorengeneration konnte der Treibstoffverbrauch sowie der Abgasausstoss stark reduziert werden.

Die Kapitäne, gemeint sind nicht die Kurs-, Kreuzfahrt- oder Transportschiffe, nutzen ein natürliches Element, das Wasser. Die Branche müsste eigentlich Pionierarbeit hinsichtlich der Umwelt leisten. Tut sie das?

Model Katharina Kuhlmann an der Interboot 2019 auf einem innovativen Segler, dem Flax 27 von Greenboats. Bild: PD

Model Katharina Kuhlmann an der Interboot 2019 auf einem innovativen Segler, dem Flax 27 von Greenboats. Bild: PD

Das machen wir, indem unsere Mitarbeiter sich ständig mit der neuen Technik auseinandersetzen und die neuen Vorgaben umsetzen. Weiter verkaufen wir nur noch Motoren der neusten Generation, die hohen Anforderungen entsprechen.

Laut der Statistik des Bundes haben in den letzten Jahren die Segelboote in der Schweiz deutlich abgenommen, die Motorboote hingegen haben zugelegt. Das dürfte Neuseglerin Greta nicht gefallen. Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Ja leider gehen die Verkaufszahlen der Segelboote zurück. Dies müssen wir auf verschiedene Punkte zurückführen: Die bestehenden Segelboote werden weniger schnell gegen ein neues Segelboot eingetauscht. Weiter braucht der Segelsport viel mehr Zeit als der Motorbootsport. Schliesslich sind auch unsere Schweizer Gewässer sicherlich keine idealen Segelreviere.

Sie sind an der Interboot in Friedrichshafen auch mit einem Messestand vertreten. Haben Sie Neuigkeiten entdecken können, die Sie überrascht haben?

Nein.

Wie begegnen Wassersport und Bootsbau den aktuellen Krisen? Die Kundschaft kommt ja nicht nur aus der Schweiz?

Wir in der Schweiz haben zum Glück keine Krise in der Bootsbranche. Dazu haben sicher die beiden guten Sommer 2018 und ’19 sowie der tiefe Euro- und Dollarkurs mitgeholfen. Weiter hilft uns die tiefe Zinspolitik, die unsere Kunden dazu animiert, ihre Ersparnisse in neue Boote zu investieren, anstatt Negativzinsen zu zahlen.

Wohin geht die Reise der Schweizer Bootsbauer? Ist die Schweiz tatsächlich noch ein sicherer Hafen für die Branche?

Die Schweiz und deren Wirtschaft ist absolut noch ein sicherer Hafen. Weiter glaube ich persönlich, dass unsere Branche an die Erfolge der Vorjahre anknüpfen kann.

Gibt es unter den Schweizer Binnenseen, den Bodensee mal miteingeschlossen, grosse Unterschiede hinsichtlich deren Bootsfreundlichkeit?

Nein, das glaube nicht.

Branchengespräch an der Interboot in Friedrichshafen mit Beat Plüss, Präsident SBV. Bild: PD

Branchengespräch an der Interboot in Friedrichshafen mit Beat Plüss, Präsident SBV. Bild: PD

Die Start-up-Szene wird ja «gehypt», wie es neudeutsch heisst. Sie tut sich im Bootsbau eher nicht so hervor. Wünschen Sie sich mehr Innovationen und Engagement in diesem Bereich?

Ich glaube, sämtliche Hersteller von Motor- und Segelbooten sind weltweit sehr innovativ. Sie verbauen nur noch moderne Motoren und verwenden neueste Materialen oder suchen und forschen nach alternativen Antrieben. Die Bootsrumpfe werden neu entwickelt, um den Widerstand im Wasser zu verringern. Dank diesen Massnahmen wird die Umweltbelastung stark reduziert.

Welcher Törn mit welchem Schiff ist Ihr persönlicher Traum?

Mit dem Segelboot das Mittelmeer noch weiter erkunden.

Die Interboot ist auch eine Schweizer Messe

Die Bootssaison 2019 könne als gut bis sehr gut bezeichnet werden, sagt Vinzenz Batt, Geschäftsführer des Schweizerischen Bootbauerverbandes (SBV). Anlässlich der Messe Interboot in Friedrichshafen waren Vertreter der Bootsbranche aus den ­Bodenseeländern zu einem
Talk zusammengekommen. Die Messe dauert noch bis Sonntag, 29. September. Traditionell ist die Schweiz an der Interboot stark vertreten. Dieses Jahr sind es immerhin gut 40 Aussteller, gibt Wolfgang Köhle, Pressesprecher der Messe Friedrichshafen, am Rande Auskunft. Die Interboot bleibe weiterhin aus Sicht der Aussteller und der Schweizer Besucher auch eine Schweizer Messe, fährt er fort. Die Interboot sei die wichtigste Binnenschifffahrtsausstellung für Sportboote und Wassersportbegeisterte im grenznahen Ausland.

Laut Vinzenz Batt vom SBV sind die Bootszahlen in der Schweiz gegenüber dem Vorjahr leicht steigend. Das gelte primär beim Verkauf kleinerer Motorboote. Bei den Segelbooten, insbesondere im Fahrtenyachtbereich gehe der Verkauf aber immer noch leicht zurück. Es gebe aber neue und spannende Projekte im Bereich von kleineren Segelbooten, die den Bootsmarkt bereichern würden. Batt sagt, dass der Bootbauerverband davon ausgehe, dass im Bereich der kleinen Segelboote eine leichte Zunahme verzeichnet werden könne. Der Wert der verkauften Einheiten, gemeint sind grössere Segelyachten, gehe aber zurück. «Stabil bleiben die kleinen Segler.» Bei den Motorbooten sehe es positiver aus. Hier hätten die Verkäufe dieses Jahr leicht zugenommen. Im ersten Halbjahr seien die Vorjahresverkaufszahlen sogar leicht übertroffen worden. «Der schöne Sommer erlaubt zudem eine optimistische Prognose bis Ende des Jahres.» Während bei den Segelbooten bislang 670 Stück mit einem Gesamtvolumen von 26,5 Millionen Franken gehandelt wurden, seien es bei den Motorbooten etwa 1000 Stück mit einem Gesamtwert von gegen 86 Millionen Franken.
Die Anzahl der immatrikulierten Sportboote (97000) ist nach Angaben des Schweizerischen Bootbauerverbandes im Vergleich zum Vorjahr um rund 1000 zurückgegangen.
Währen die Werften Nachwuchs suchen, nimmt die Zahl der Freizeitkapitäne in der Schweiz zu. Rückmeldungen der Fahrlehrerverbände für das Jahr 2019 zeigen, dass, wie schon seit vielen Jahren, etwa 8000 neue Sportbootführerscheine gemacht wurden. Davon seien rund ein Viertel Segelprüfungen, heisst es in einem Communiqué des SBV. (bor)

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