Baloise
Ein Belgier für die «Basler»

Gert De Winter löst 2016 Martin Strobel an der Konzernspitze ab

Stefan Schuppli
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KEYSTONE

Eine bemerkenswerte Wahl: Der Baloise-Verwaltungsrat wurde auf der Suche nach einem Nachfolger von Martin Strobel intern fündig. Er wählte Gert De Winter (49) an die Konzernspitze. Der Belgier ist ein ausgewiesener IT-Fachmann – genau wie sein Vorgänger.

De Winter habe sich in den vergangenen Monaten in einem Auswahlverfahren gegenüber externen Kandidaten überzeugend durchgesetzt, sagt Andreas Burckhardt, Präsident des Verwaltungsrats der Bâloise Holding AG, über die Wahl in einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung. «Stolz macht uns auch, dass wir einmal mehr eine interne Nachfolge für eine Top-Management-Position gefunden haben. Gert De Winter kennt und lebt die Stärken der Baloise.»

In Belgien erfolgreich

Seit elf Jahren ist de Winter bereits bei der Baloise. Unter seiner Führung verzeichnete der Versicherer in seinem Heimatland ein starkes Wachstum; einerseits getrieben durch ein starkes organisches Wachstum. Zum anderen wurde der Marktanteil in Belgien durch die Akquisitionen von Avéro und Nateus ausgebaut. De Winter führte die Management-Teams zusammen und forcierte die Expansion des damals auf Flandern konzentrierten Geschäfts nach Wallonien. Heute gehört die Baloise Insurance im Nichtlebengeschäft zu den Top 5 in Belgien.

De Winter lebt zurzeit mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Antwerpen, ein Umzug in die Region Basel ist auf Anfang 2016 vorgesehen. Er spreche Englisch, Französisch und «ganz passabel» Deutsch, heisst es intern. Er studierte angewandte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Antwerpen. Von 1988 bis 2004 hatte er bei Accenture, Brüssel, verschiedene Funktionen als Analyst, Consultant, Manager und schliesslich Partner für Fragen zu IT- und Geschäftstransformationsmanagement im Finanzsektor inne.

Der Neue übernimmt eine gut aufgestellte Firma. Aber die Branche stehe vor grundlegenden Umwälzungen, sagt De Winter. «Wir können uns nicht darauf verlassen, dass das, was in der Vergangenheit funktioniert hat, auch künftig Erfolg bringt.» Das Tiefzinsumfeld, der zunehmende Regulierungsdruck sowie das veränderte Konsumverhalten im digitalen Zeitalter verlangten nach «innovativen Lösungen».

Strobel will nun Startups fördern

Der aktuelle CEO, Martin Strobel, ordnete das Geschäft in Deutschland neu und verkaufte dasjenige in Österreich, Serbien und Kroatien. Die Aktivitäten in Belgien und Luxemburg wurden ausgebaut. Durch die Fokussierung auf ertragsreiche Geschäfte wurde die Profitabilität gesteigert. «Der Grundstein ist gelegt für eine weiterhin positive Entwicklung der Baloise, auch in ihrer nächsten strategischen Phase», sagte Strobel im August. Baloise legte unter seiner Leitung eine bemerkenswerte Dividendenrendite vor. Strobel habe den Konzern zu einem der ertragsreichsten europäischen Versicherer gemacht, lobte denn auch Verwaltungsratspräsident Andreas Burckhardt.

Strobel ist nun seit 17 Jahren bei der Baloise tätig. Vor 12 Jahren wurde er in die Konzernleitung befördert. Seit 2008 ist er CEO. Bereits bei der Ankündigung seines Rücktritts Ende Mai tönte er an, keine Führungsposition mehr in einem Konzern anzustreben. Er ist auch nicht auf der Suche nach Verwaltungsratsmandaten. Er will in Zukunft Startups unterstützen, junge Firmen mit ausbaufähigen Geschäftsmodellen, sowohl operativ wie auch mit Kapital.