V-Zug mit einem Einstand nach Mass

Der seit kurzem eigenständige Hersteller von Haushaltsapparaten wurde von Corona weniger stark als erwartet getroffen. Trotz wohl leicht abnehmender Bautätigkeit rechnet CEO Heinz M. Buhofer mit soliden Marktaussichten.

Christopher Gilb
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V-Zug-Produktion in Zug. Diese konnte auch während des Lockdowns weiterlaufen.

V-Zug-Produktion in Zug. Diese konnte auch während des Lockdowns weiterlaufen.

Bild: Stefan Kaiser (17. März 2017)

Heinz M. Buhofer ist kein Mann der lauten Worte. In gewohnter Zurückhaltung informierte der bekannte Zuger Industrielle am Montag über die aktuellen Aktivitäten der V-Zug-Gruppe. Dabei war der Anlass ein besonderer, denn erstmals legte der Haushaltsapparatehersteller eigene Halbjahreszahlen vor. Ende Juni war V-Zug von der Metall-Zug-Gruppe ausgegliedert worden und ist seitdem an der Schweizer Börse Six kotiert. Buhofer, Hauptaktionär und Verwaltungsrat der Metall Zug, hatte dafür selbst einst die Devise ausgegeben und gesagt, dass die Sparte die notwendige Grösse erreicht habe. Für die Zeit des Übergangs hatte er dann die Funktion eines interimistischen CEO inne. Diese wird er nun an Peter Spirig abgeben, der vom Bauzulieferer Arbonia kommt.

Heinz M. Buhofer.

Heinz M. Buhofer.

Bild: Werner Schelbert

Das Spin-off sei genau gelaufen, wie er sich das vorgestellt habe, äusserte sich Buhofer dann doch. «Zum Ende konnte ich noch einmal sehen, wie V-Zug von innen funktioniert, und war nahe am Puls.» Die Aktie zog jedenfalls an und notierte am Nachmittag ein Plus von 4,25 Prozent, denn der Konzern mit seinen rund 2000 Mitarbeitenden kam besser durch die Coronakrise als selbst erwartet. Man habe die Lieferfähigkeit jederzeit aufrechterhalten können, heisst es in der Mitteilung. Im ersten Halbjahr konnte der Nettoerlös auf 258,6 Millionen Franken gesteigert werden. Im Vorjahr waren es 257,7 Millionen gewesen. Der Betriebsgewinn (Ebit) fiel mit 12,9 Millionen zudem deutlich höher aus als in der Vergleichsperiode 2019, wo nach Rückstellungen für Bodensanierungen 3,7 Millionen Franken verbucht wurden. Auch die Analysten zeigten sich positiv überrascht. «V-Zug meisterte 2020 bisher das schwierige Umfeld besser als erwartet», schrieb die Zürcher Kantonalbank.

Fokus aufs Auslandsgeschäft

Trotzdem sei der Einfluss von Corona gravierend, heisst es in der V-Zug-Mitteilung. Etwa wegen des Ausfalls von Messen oder der Einschränkungen bei Vertriebsmassnahmen. Auf eine Prognose fürs Gesamtjahr verzichtet V-Zug. Buhofer sagte aber, dass es kein Grund gebe, nicht von soliden Marktaussichten in der Schweiz auszugehen. Zwar würden die Prognosen sagen, dass die Bautätigkeit leicht abnehmen würde, die Segmente «Erneuerung von Küchen» und «Einzelaustausche», seien aber nicht von den Baubewilligungen betroffen. «Und da gibt es sogar die Hoffnung, dass durch die Erfahrung vieler Leute, mehr zu Hause zu sein und selber zu kochen, mehr Küchengeräte ausgetauscht werden.»

Der Hauptwachstumsfokus aber ist das Ausland. Dort setzt V-Zug aufs Premium- und Luxuskundensegment. So konnten etwa 2000 neue Luxusappartements in Macao eingerichtet werden. Helfen bei der Expansion sollen «Zugoramas», also Flagship-Stores, in ausgewählten Städten. Dieses Jahr wurden solche in Peking und München eröffnet. In vier bis fünf Jahren, so das Ziel, soll das Auslandsgeschäft dann 20 Prozent des Umsatzes in Zug ausmachen.

Metall Zug spürt den 
Einfluss der Pandemie

Auch der einstige Mutterkonzern der V-Zug, die Metall Zug-Gruppe, legte gestern ihre Halbjahreszahlen vor. Das erste Halbjahr sei von der Coronapandemie und den einhergehenden Effekten auf die Geschäftstätigkeit geprägt gewesen. Insgesamt erwirtschaftete die Industriegruppe mit rund 3000 Mitarbeitenden einen Umsatz in Lokalwährung von 521,4 Millionen Franken (-9,6 Prozent). Die Krise habe sich vor allem in den Bereichen Medical Devices und Wire Processing ausgewirkt. So leide die auf Augenärzte ausgerichtete Tochter Haag-Streit darunter, dass fürs laufende Jahr «praktisch sämtliche Kongresse, an welchen die Produkte dem Fachpublikum präsentiert und verkauft werden könnten», abgesagt worden seien, was zu einem deutlichen Umsatzrückgang in den USA geführt habe. Im Bereich Wire Processing wiederum litt das Geschäft der zu Metall Zug gehörenden Schleuniger Gruppe unter dem Einbruch der Automobilproduktion. (cg)

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