Kommentar

Neue Mehrwertsteuer-Regel: Ein erträglicher Kompromiss

Die Deutsche Regierung beschliesst neue Mehrwertsteuer-Regeln: Erst bei einem Einkauf ab 50 Euro gibt es für Einkaufstouristen Geld zurück. 

Andreas Möckli
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Wer in Lörrach, Waldshut, Jestetten oder Konstanz einkauft, kennt das Bild. Gereizte Zöllner sind dazu verdammt, die unzähligen grünen Zettel der Schweizer Einkaufstouristen abzustempeln. Man kann den deutschen Zollbeamten ihre schlechte Laune nicht verübeln, ist ihr Job alles andere als abwechslungsreich. Für alle, die auf den Einkaufstourismus verzichten: Mit den grünen Zetteln können die Schweizer Konsumenten, die Mehrwertsteuer zurückfordern, die bei ihren Einkäufen in Deutschland erhoben werden. Immerhin wird in unserem nördlichen Nachbarland ein Normal-Steuersatz von 19 Prozent fällig.

Angesichts des grossen Aufwands am Zoll und im Finanzministerium, kann es nicht überraschen, dass Deutschland ab nächstem Jahr eine Bagatellgrenze von 50 Euro einführen will. Wer also pro Laden weniger als 50 Euro einkauft, der kann die Mehrwertsteuer nicht mehr zurückfordern.

Was bringt die Massnahme den Deutschen?

Im Vergleich zur ursprünglich diskutierten Bagatellgrenze von 175 Euro ist der nun tiefere Betrag auch aus Schweizer Sicht ein erträglicher Kompromiss. Wer seinen monatlichen Einkauf von Hygieneartikeln in Deutschland tätig, kommt rasch auf 50 Euro. Das Gleiche gilt für den Wochenbedarf an Lebensmitteln.

Natürlich kaufen manche für weniger als 50 Euro in einem Laden ein. Doch wer seine Einkaufsgewohnheit anpasst, dürfte die Bagatellgrenze relativ leicht umgehen können. Das dürfte zu weniger Einkaufsfahrten der Schweizer und folglich zu weniger Verkehr führen. Dagegen kann niemand wirklich etwas einwenden. Doch die langen Schlagen vor den Zollhäuschen an der Grenze dürften bleiben, da Deutschland dank der Bagatellgrenze bei den Zollbeamten sparen will.